GM, Ford und Stellantis: Wall Street erwartet unterschiedliche Q1-Ergebnisse
Amerikas große Drei präsentieren diese Woche ihre Quartalszahlen – mit sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen und Herausforderungen.

DETROIT — Die drei großen amerikanischen Automobilhersteller General Motors, Ford und Stellantis legen in dieser Woche ihre Ergebnisse für das erste Quartal 2026 vor. Die Wall Street erwartet dabei deutlich unterschiedliche Resultate, denn die Unternehmen befinden sich in sehr verschiedenen Situationen. Erschwerend hinzu kommen steigende Öl- und Rohstoffkosten infolge des Iran-Krieges sowie eine nachlassende Verbrauchernachfrage nach Neufahrzeugen.
General Motors gilt dabei als der stabilste der drei Konzerne. Analysten rechnen laut den von LSEG zusammengestellten Durchschnittsschätzungen mit einem bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) von 2,61 US-Dollar für das erste Quartal. Ford folgt mit deutlichem Abstand bei lediglich 19 Cent je Aktie. Für Stellantis liegt die durchschnittliche Jahresprognose bei 73 Euro-Cent (85 US-Cent), wobei die LSEG-Schätzungen keinen direkten Quartalsvergleich erlauben.
Die Analystenempfehlungen spiegeln diese Unterschiede wider: GM wird laut FactSet mit „Overweight" und einem Kursziel von 94,71 US-Dollar bewertet. Ford und Stellantis hingegen erhalten lediglich ein „Hold"-Rating, bei Kurszielen von 13,67 US-Dollar beziehungsweise 9,09 US-Dollar.
General Motors auf stabilem Kurs
GM veröffentlicht seine Quartalszahlen als erstes am Dienstag. Analysten erwarten, dass der Konzern seine Jahresprognose für 2026 bestätigen oder sogar leicht anheben wird. CFO Paul Jacobson bezeichnete 2026 bereits als den „stabilsten Jahresauftakt, den wir in den letzten fünf Jahren erlebt haben". GM ist zudem bekannt für seine konservative Prognoseerstellung, was Anleger als positives Signal werten.
Die Gewinnprognose von GM für das Gesamtjahr 2026 ist ambitioniert: Der Konzern erwartet einen den Aktionären zuzurechnenden Nettogewinn zwischen 10,3 und 11,7 Milliarden US-Dollar, ein EBIT zwischen 13 und 15 Milliarden US-Dollar sowie ein EPS zwischen 11 und 13 US-Dollar. Diese Werte liegen über den Erwartungen und Ergebnissen des Vorjahres. Begünstigt werden könnte das erste Quartal durch potenzielle Zollrückerstattungen, eine widerstandsfähige Preisgestaltung und Wachstum bei Einstiegsfahrzeugen. Bisher hat GM Abschreibungen in Höhe von 7,6 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit seinem Elektrofahrzeug-Portfolio bekannt gegeben.
Ford kämpft mit Lieferkettenproblemen
Ford präsentiert seine Zahlen am Mittwoch und steht vor deutlich größeren Herausforderungen. Das Unternehmen gab zuletzt einen Führungswechsel und eine Unternehmensumstrukturierung bekannt. Besonders belastend sind Lieferkettenunterbrechungen bei Aluminium, einem Schlüsselmaterial für die populären F-Serie-Pick-up-Trucks.
Konkret verlor Ford im vergangenen Jahr die Produktion von 100.000 Einheiten der F-Serie, nachdem es in einem New Yorker Aluminiumwerk des Zulieferers Novelis zu Bränden gekommen war. Laut Ford wird der Zulieferer frühestens zwischen Mai und September wieder betriebsbereit sein. Ford plant zwar, mindestens die Hälfte der verlorenen Einheiten in diesem Jahr nachzuholen, doch Analysten warnen, dass dies eine nahezu rekordverdächtige Produktionsleistung für den Rest des Jahres erfordern würde.
Zusätzlich belasten steigende Aluminiumpreise das Unternehmen. Im Zuge des Iran-Krieges stiegen die Aluminium-Spotpreise im Quartalsvergleich um 13 Prozent, wie die Deutsche Bank anmerkte. Ford musste das Material im ersten Halbjahr von anderen Lieferanten zu höheren Kosten beziehen. Die Jahresprognose von Ford sieht dennoch ein bereinigtes EBIT zwischen 8 und 10 Milliarden US-Dollar vor, nach 6,8 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.
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Zur AktienanalyseStellantis setzt auf Jeep und Ram
Stellantis, der 2021 aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA entstandene Konzern, legt seine Zahlen am Donnerstag vor. Der neue CEO Antonio Filosa setzt auf eine Strategie zur Absatzsteigerung, die erste Früchte trägt: Die weltweiten Fahrzeugauslieferungen stiegen im ersten Quartal um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in den USA allein um 4 Prozent.
Das Unternehmen stützt sich dabei stark auf seine stärksten Marken: Jeep machte im ersten Quartal 47 Prozent des US-Absatzes aus, Ram Trucks weitere 37 Prozent. Zusammen entfielen damit rund 84 Prozent des US-Volumens auf diese beiden Marken. Dennoch meldete Stellantis für 2025 seinen ersten Jahresverlust von 22,3 Milliarden Euro (rund 26 Milliarden US-Dollar), unter anderem durch Abschreibungen in Höhe von 25,4 Milliarden Euro im Zuge einer strategischen Abkehr von Elektrofahrzeugen. Für 2026 erwartet der Konzern einen Anstieg des Nettoumsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich sowie eine bereinigte operative Marge im niedrigen einstelligen Bereich.

