Gold überholt Euro bei Zentralbankreserven
Geopolitische Spannungen und Sanktionen treiben die Nachfrage nach dem Edelmetall kräftig an

Gold hat den Euro als zweitwichtigste Reservewährung der Welt abgelöst. Infolge massiver Zukäufe durch Zentralbanken und eines damit verbundenen Preisbooms erreicht das Edelmetall neue Höchststände im Wert und in seiner Bedeutung für die internationalen Währungsreserven. Ende 2024 betrug der Goldanteil an den weltweiten Reserven 20 Prozent – ein Wert, mit dem der Euro, dessen Anteil bei 16 Prozent lag, überholt wurde. Der Dollar bleibt mit 46 Prozent führend, obwohl sein Anteil weiter schrumpft.
Der Kursanstieg des Goldes ist rasant: Seit Ende 2022 hat sich der Preis verdoppelt. Wesentlich verantwortlich für diesen Trend ist die gesteigerte Nachfrage staatlicher Institutionen. Zentralbanken kauften in den letzten drei Jahren jährlich über 1.000 Tonnen Gold – doppelt so viel wie im Schnitt der Jahre zuvor. Die globalen Bestände befinden sich damit auf einem Niveau, wie es zuletzt Ende der 1970er Jahre erreicht wurde.
Ein entscheidender Auslöser für diese Entwicklung war der russische Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022. Infolge der westlichen Sanktionen und des Einfrierens russischer Devisenreserven in den Währungen der G7 begannen zahlreiche Staaten, ihre Abhängigkeit vom westlich dominierten Finanzsystem zu überdenken. Diese geopolitischen Risiken, gepaart mit Inflationssorgen und einem möglichen weniger entgegenkommenden Verhalten der USA gegenüber ausländischen Gläubigern, verstärkten die Hinwendung zum Gold.
Bemerkenswert ist, dass die traditionelle Beziehung zwischen Goldpreis und Realzinsen seit 2022 nicht mehr wie gewohnt greift. Üblicherweise führen steigende Realrenditen zu sinkender Goldnachfrage, da das zinslose Edelmetall im Vergleich unattraktiver wird. Dennoch haben viele Zentralbanken ihre Goldkäufe auch in einem Umfeld steigender Zinsen fortgesetzt – offenbar aus sicherheitspolitischen Erwägungen.
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Zur AktienanalyseBesonders stark fiel der Goldanteil an den Devisenreserven bei Ländern aus, die geopolitisch näher an China und Russland liegen. Seit dem letzten Quartal 2021 zeigen diese Staaten eine auffällige Erhöhung ihrer Goldbestände, wie aus der Analyse der Europäischen Zentralbank hervorgeht. Der Euro hat damit nicht nur prozentual an Bedeutung verloren, sondern auch im Vertrauen zahlreicher Währungsbehörden weltweit.


