Gold- und Silber-ETCs: Wie Anleger von Rekordpreisen profitieren
Gold durchbricht 4.800 Dollar, Silber nähert sich der 100-Dollar-Marke. ETCs bieten Anlegern einfachen Zugang zu den Edelmetallen – doch nicht alle Produkte sind gleich.

Die Edelmetallmärkte befinden sich im Höhenrausch. Gold hat erstmals die Marke von 4.800 Dollar je Feinunze überschritten, während Silber mit einem Rekordhoch von 95,87 Dollar an die psychologisch wichtige 100-Dollar-Schwelle heranrückt.
Warum Gold und Silber steigen
Die Treiber der Rally sind vielfältig: Das schwindende Vertrauen in den US-Dollar, die wachsende Staatsverschuldung der Industrienationen und anhaltende Goldkäufe der Zentralbanken sorgen für Rückenwind. Die jüngste Eskalation im Grönland-Streit verstärkt die Flucht in sichere Häfen zusätzlich.
"Traditionelle sichere Häfen wie der Dollar und US-Staatsanleihen zeigen Anzeichen von Belastung", erklärt Ole Hansen, Rohstoffstratege der Saxo Bank. Anleger wendeten sich daher verstärkt Sachwerten zu.
Bei Silber kommt die industrielle Nachfrage als Preistreiber hinzu. Seit Jahren übersteigt der Verbrauch das Angebot, die Lagerbestände schrumpfen kontinuierlich. In den vergangenen zwölf Monaten hat Silber Gold bei der Performance sogar überholt.
ETCs als Alternative zu Barren und Münzen
Anleger können über börsengehandelte Rohstoffzertifikate (Exchange Traded Commodities, kurz ETCs) unkompliziert in Edelmetalle investieren. Im Gegensatz zu physischen Barren benötigen ETCs weder Schließfach noch Versicherung – ein Wertpapierdepot genügt.
Wichtig zu wissen: ETCs sind Inhaberschuldverschreibungen, kein Sondervermögen wie bei ETFs. Bei Insolvenz des Emittenten besteht ein Ausfallrisiko, sofern keine physische Besicherung vorliegt. Gold- und Silber-ETCs sind jedoch meist mit echtem Metall hinterlegt.
Die wichtigsten Gold-ETCs im Vergleich
Der iShares Physical Gold (IE00B4ND3602) führt mit über 31 Milliarden Euro Volumen das Feld an. Die Gesamtkostenquote liegt bei günstigen 0,12 Prozent jährlich. Nachteil: Es besteht kein Anspruch auf physische Auslieferung, wodurch Verkaufsgewinne der Abgeltungsteuer unterliegen.
Ähnlich positioniert ist der Invesco Physical Gold (IE00B579F325) mit mehr als 26 Milliarden Euro Volumen und ebenfalls 0,12 Prozent Kosten. Beide ETCs lassen sich über gängige Online-Broker wie Trade Republic handeln.
Steuervorteile durch Auslieferungsanspruch
Xetra-Gold (DE000A0S9GB0) verbrieft das Eigentum an einem Gramm physischem Gold pro Anteil. Der entscheidende Vorteil: Anleger können sich das Gold ausliefern lassen. Nach einem Jahr Haltedauer sind Gewinne damit steuerfrei – wie bei physischem Gold.
Die jährliche Lagergebühr beträgt 0,36 Prozent, klassische Verwaltungsgebühren fallen nicht an. Bei Trade Republic ist Xetra-Gold allerdings nicht verfügbar.
Eine Alternative bietet Euwax Gold II (DE000EWG2LD7) der Börse Stuttgart. Auch hier besteht ein Auslieferungsanspruch mit entsprechenden Steuervorteilen. Dafür entfällt die Lagergebühr komplett, allerdings ist der Spread höher als bei Xetra-Gold.
Neu am Markt: Euwax Gold Core will mit 0,25 Prozent Gebühren und engerem Spread Xetra-Gold Konkurrenz machen.
Silber-ETCs: Mehrwertsteuer legal umgehen
Beim physischen Silberkauf fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an – bei ETCs entfällt diese. Für größere Investments sind ETCs daher die praktischere Lösung.
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Zur AktienanalyseGrößter Silber-ETC ist der iShares Physical Silver (IE00B4NCWG09) mit 0,2 Prozent jährlichen Kosten. Noch günstiger sind der Invesco Physical Silver (IE00B43VDT70) und der WisdomTree Core Physical Silver (JE00BQRFDY49) mit jeweils 0,19 Prozent.
Besonderheit: Nur der WisdomTree Core Physical Silver verbrieft einen Auslieferungsanspruch. Damit sind Gewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei – wie bei physischem Silber.
Wie lange hält die Rally an?
Die strukturellen Treiber der Edelmetallhausse bleiben intakt. Gleichzeitig erhöht das rasante Tempo der Preissteigerungen das Risiko scharfer Korrekturen. Bei Silber könnte die wirtschaftliche Realität bremsend wirken, da viele Industrieunternehmen steigende Kosten nicht unbegrenzt mittragen können.
Für Gold-Investoren könnten Rücksetzer gute Einstiegschancen bieten. Die geopolitische und wirtschaftliche Lage spricht weiterhin für Edelmetalle als Portfolio-Beimischung.
Bei Silber ist Vorsicht geboten: Das Metall ist aufgrund geringerer Liquidität volatiler als Gold und wird derzeit stark von Spekulationen getrieben. Wie bei allen Investments gilt: Diversifikation ist entscheidend. Alles auf Edelmetalle zu setzen, wäre riskant.


