Golden Dome: US-Raketenabwehr könnte 1,2 Billionen Dollar kosten
Das Congressional Budget Office schätzt die Gesamtkosten von Trumps „Golden Dome" auf astronomische 1,2 Billionen Dollar über 20 Jahre.

Trumps ambitioniertes Raketenabwehrprojekt „Golden Dome" wird deutlich teurer als bislang angenommen. Das Congressional Budget Office (CBO) – das offizielle Haushaltsbüro des US-Kongresses – hat die Gesamtkosten des Systems auf 1,2 Billionen US-Dollar über einen Zeitraum von 20 Jahren beziffert. Damit übertrifft die offizielle Prognose den ursprünglich genannten Einstiegspreis von 151 Milliarden Dollar um ein Vielfaches.
Das Projekt wurde im Januar 2025 per Dekret von Präsident Trump angekündigt. Die ersten Verträge waren bereits im Dezember 2024 vergeben worden. Ziel ist es, eine US-Version des israelischen „Iron Dome"-Systems zu errichten, das Amerika vor „ballistischen, Hyperschall- und Marschflugkörpern sowie anderen fortschrittlichen Luftangriffen" schützen soll. Schon der ursprüngliche Preis von 151 Milliarden Dollar hätte „Golden Dome" zu einem der teuersten Verteidigungsprojekte in der Geschichte des Pentagons gemacht.
Die Kostenstruktur im Detail
Das CBO gliedert „Golden Dome" in sechs Hauptkomponenten sowie einen separaten Forschungs- und Entwicklungsbereich von 92 Milliarden Dollar. Die einzelnen Posten im Überblick:
- Selbstschutz bestehender bodengestützter Raketenabwehrstützpunkte: 4 Milliarden Dollar
- Erweitertes Netzwerk bodengestützter Abfangraketen gegen tieffliegende Raketen: 29 Milliarden Dollar
- Bodengestützte Abfangraketen gegen Bedrohungen in der oberen Atmosphäre: 46 Milliarden Dollar
- Umlaufende Satelliten mit weltraumgestützten Abfangraketen: 90 Milliarden Dollar
- Bodengestützte Abfangraketen für regionale Verteidigungszonen: 187 Milliarden Dollar
- 7.800 weltraumgestützte Abfangraketen (SBI): 743 Milliarden Dollar
Die reine Materialbeschaffung schlägt mit rund 1 Billion Dollar zu Buche. Hinzu kommen jährliche Betriebs- und Wartungskosten von 8,3 Milliarden Dollar – und selbst diese Zahl gilt laut Analysten als optimistisch.
Das strukturelle Problem der Weltraumkomponente
Der mit Abstand größte Kostentreiber sind die 7.800 weltraumgestützten Abfangraketen, die allein 743 Milliarden Dollar kosten sollen. Das eigentliche Problem liegt jedoch in der Physik: Um feindliche Raketen in der sogenannten Boost-Phase – also kurz nach dem Start, wenn sie am verwundbarsten sind – abfangen zu können, müssen die Trägersatelliten in sehr niedrigen Umlaufbahnen von etwa 300 bis 500 Kilometern Höhe operieren.
Satelliten in diesen niedrigen Umlaufbahnen haben jedoch eine begrenzte Lebensdauer von etwa fünf Jahren, bevor sie langsamer werden und in der Atmosphäre verglühen. Das bedeutet: Jedes Jahr müssen rund 20 Prozent der gesamten SBI-Flotte – also etwa 1.600 Satelliten – ersetzt werden. Über den ersten 20-Jahres-Zeitraum summiert sich das auf rund 30.000 benötigte Satelliten. Das ist dreimal mehr, als SpaceX seit seiner Gründung insgesamt gestartet hat. Das CBO hält das Starship von SpaceX für unverzichtbar, um überhaupt die nötige Startkapazität bereitzustellen.
Zweifel an Wirksamkeit und Realisierbarkeit
Neben den enormen Kosten stellt sich auch die Frage nach der tatsächlichen Schutzwirkung. Da die SBI-Abfangjäger Bedrohungen an ihrem Ursprungsort bekämpfen müssen, können sich die Satelliten nicht allein über den USA konzentrieren. Sie müssten stattdessen die gesamte Erde umspannen – jeden potenziellen Abschussort auf dem Land und jeden Ozeanbereich, in dem ein Atom-U-Boot operieren könnte.
Diese globale Verteilung hat eine entscheidende Konsequenz: Zu jedem Zeitpunkt wären nur wenige SBI-Raketen nah genug an einer Bedrohung, um einzugreifen. Das CBO schätzt, dass „Golden Dome" Amerika im besten Fall vor maximal zehn gleichzeitigen Raketenstarts schützen könnte.
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Zur AktienanalyseRelevanz für Rüstungsaktionäre
Für Anleger, die in Rüstungsunternehmen investiert sind oder dies planen, hat die Kostenentwicklung erhebliche Bedeutung. Zu den Unternehmen, die bereits Aufträge im Rahmen von „Golden Dome" erhalten haben, zählen Branchenriesen wie Boeing, Lockheed Martin und die RTX Corporation, aber auch kleinere Akteure wie Intuitive Machines, Rocket Lab und Viasat.
Die entscheidende Frage ist jedoch, ob das Projekt in seiner geplanten Form jemals vollständig umgesetzt wird. Angesichts der enormen Kosten von 1,2 Billionen Dollar und der technischen Herausforderungen wächst die Skepsis, ob der US-Kongress die notwendigen Mittel dauerhaft bewilligen wird. Es könnte Jahre dauern und Milliarden Dollar kosten, bis eine endgültige politische Entscheidung fällt – mit entsprechenden Risiken für alle beteiligten Unternehmen und ihre Investoren.


