Goldman Sachs: Ausländische Kapitalzuflüsse könnten Indiens Aktienrallye befeuern
Nach Rekordverkäufen sind globale Fonds in Indien stark untergewichtet – das schafft Potenzial für neue Zuflüsse in der zweiten Jahreshälfte.

Ausländische Investoren könnten zum wichtigsten Treiber der nächsten Aktienrallye in Indien werden. Das erklärt Goldman Sachs mit Verweis auf die deutliche Untergewichtung globaler Fonds am indischen Markt. Verbesserte makroökonomische Rahmenbedingungen und eine geringere Positionierung schaffen nach Einschätzung der Investmentbank Raum für neue Kapitalzuflüsse in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Der Hintergrund ist bemerkenswert: Ausländische Investoren haben in nur dreieinhalb Monaten während der ersten Jahreshälfte 2026 indische Aktien im Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar verkauft. Indien wurde dabei als sogenannter Finanzierungsmarkt genutzt – also als Quelle für Liquidität, die anderswo eingesetzt wurde. Geopolitische Spannungen, höhere Ölpreise und eine Schwäche der indischen Rupie belasteten die Anlegerstimmung erheblich.
Trendwende seit Mitte Juni
Seit Mitte Juni zeichnet sich jedoch eine Kehrtwende ab. Ausländische Investoren sind als moderate Nettokäufer an den indischen Markt zurückgekehrt, vor allem im Bereich Finanzwerte. Goldman Sachs wertet dies als Indiz dafür, dass der Höhepunkt des Verkaufszyklus möglicherweise überschritten ist.
Der verbesserte Ausblick stützt sich auf mehrere Faktoren: Die Rohölpreise sind von ihren kriegsbedingten Höchstständen zurückgegangen, die Rupie hat sich stabilisiert, das inländische Wirtschaftswachstum zeigt sich widerstandsfähig, und die Erwartungen für die Unternehmensgewinne im zweiten Quartal haben sich aufgehellt. Goldman Sachs bekräftigte vor diesem Hintergrund sein Nifty-Kursziel für Juni 2027 von 26.500 Punkten – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 10 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Zum Vergleich: Der Benchmark-Index hatte in der ersten Jahreshälfte eine Korrektur von etwa 9 Prozent verzeichnet.
Die konstruktivere Haltung der Bank folgt auf eine Phase deutlicher Underperformance. Zu Beginn des Jahres schichteten ausländische Investoren in günstigere Märkte wie China und Südkorea um. Japanische Aktien profitierten von Corporate-Governance-Reformen, Taiwan wurde durch die KI-getriebene Halbleiternachfrage gestützt. Indiens Premium-Bewertungen machten den Markt in diesem Umfeld besonders anfällig für Abflüsse.
Inländische Investoren als Puffer
Während ausländische Fonds verkauften, haben inländische institutionelle Investoren die Abgaben kontinuierlich absorbiert. Das half dabei, die Rückgänge in den Benchmark-Indizes abzufedern und den Markt zu stabilisieren. Auch die Rupie hat sich von ihrer vorangegangenen Schwäche erholt, begünstigt durch sinkende Ölpreise und steigende Erwartungen an künftige Kapitalzuflüsse.
Goldman Sachs warnt allerdings, dass Anleger weiterhin besorgt über das Verhältnis von Wachstum zu Bewertung in Indien sind. Zudem wird eine weitere Runde von Gewinnherabstufungen erwartet, bevor die Schätzungen ihren Tiefpunkt erreichen. Dennoch sollte die verbesserte Sichtbarkeit der Binnennachfrage Anleger dazu ermutigen, eine Erholung einzupreisen, bevor die Gewinnrevisionen wieder vollständig nach oben drehen.
Sektorpräferenzen: Banken und Binnenwirtschaft im Fokus
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Zur AktienanalyseGoldman Sachs erwartet eine Rotation hin zu Value-Aktien, Large-Cap-Unternehmen und binnenwirtschaftlich orientierten Sektoren. Banken dürften am stärksten profitieren, wenn sich die ausländische Positionierung normalisiert – zumal Finanzwerte in den vergangenen vier Monaten Verkäufe im Umfang von rund 12 Milliarden US-Dollar verzeichneten.
Darüber hinaus bevorzugt die Bank folgende Sektoren:
- Versorger
- Energieraffinerien
- Tourismus
- Verteidigung
Vorsicht ist laut Goldman Sachs hingegen bei Exporteuren und hoch bewerteten Mid-Cap-Aktien geboten. Die indischen Aktienmärkte notierten zuletzt kaum verändert, belastet von einem breiteren regionalen Rückschlag in Asien.


