Goldman Sachs: Fed-Entscheidung diese Woche ungewöhnlich ungewiss
Analysten von Goldman Sachs erwarten keine Zinserhöhung – schwache Inflationsdaten und geopolitische Spannungen prägen die Debatte.

Die bevorstehende geldpolitische Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve ist laut Analysten von Goldman Sachs „ungewöhnlich ungewiss". Dennoch halten die Experten, darunter David Mericle, eine Zinserhöhung am Mittwoch für unwahrscheinlich. Die schwächeren Inflationsdaten für Juni hätten die Unterstützung für eine sofortige Anhebung verringert.
Hinzu kommt ein historisches Argument: Die Fed hat in der Vergangenheit stets vermieden, „überraschende Zinsschritte" zu vollziehen. Dieses Prinzip der Vorhersehbarkeit spielt auch diesmal eine wichtige Rolle bei der Einschätzung der Marktteilnehmer.
Markterwartungen: Mehrheit rechnet mit Zinspause
Das CME FedWatch Tool zeigt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 64 %, dass die Leitzinsen unverändert in einer Spanne von 3,5 % bis 3,75 % belassen werden. Gleichzeitig besteht laut Marktpreisen eine Chance von etwa eins zu drei für eine Zinserhöhung in dieser Woche. Die Unsicherheit ist damit deutlich höher als bei vielen vorangegangenen Fed-Sitzungen.
Diese Wetten erfolgen vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten, die zuletzt für erhebliche Volatilität an den Ölmärkten gesorgt haben. Anleger beobachten die Lage genau, da steigende Energiepreise die Inflation weltweit anheizen können.
Ölpreise zwischen Eskalation und Entspannung
Am Montag führte eine Kampfpause zwischen den USA und dem Iran zu einem deutlichen Rückgang der Brent-Rohöl-Futures auf unter 90 US-Dollar pro Barrel. Zuvor hatten Sorgen über einen sich ausweitenden Konflikt den Brent-Preis auf bis zu rund 100 US-Dollar pro Barrel getrieben. Kurz nach der Unterzeichnung eines – kurzlebigen – Rahmenabkommens für einen Waffenstillstand im Juni hatte Brent noch bei etwa 70 US-Dollar pro Barrel notiert – auf dem Niveau von vor dem Krieg.
Der erneute Anstieg der Ölpreise hat in vielen Ländern die Angst vor einem Inflationsschub geschürt. Theoretisch kann die Anhebung der Kreditkosten dazu beitragen, die Inflation einzudämmen – allerdings auf die Gefahr hin, das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt zu belasten. Genau dieses Spannungsfeld macht die aktuelle Entscheidung der Fed so komplex.
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Zur AktienanalyseGoldman Sachs: Gegenstimmen möglich, aber keine Mehrheit für Erhöhung
Vor diesem Hintergrund könnte die Fed in ihrer geldpolitischen Erklärung die Aufwärtsrisiken für die Inflation anerkennen, die durch den erneuten geopolitischen Konflikt entstehen. Goldman-Sachs-Analysten erwarten, dass „es wahrscheinlich mindestens eine Gegenstimme zugunsten einer Erhöhung geben wird". Eine Mehrheit für eine sofortige Zinsanhebung halten sie jedoch für unwahrscheinlich.
Die Analysten betonen zudem, dass sich die Inflationsdaten grundsätzlich verbessert haben – auch wenn sich die geopolitischen Nachrichten „in den letzten Wochen verschlechtert" haben. Für die anstehenden Daten zum PCE-Kernpreisindex für Juni erwarten sie einen „schwächeren Trend", was die Argumentation für eine Zinspause weiter stützen würde. Der PCE-Kernpreisindex gilt als bevorzugtes Inflationsmaß der Fed und wird von Marktteilnehmern besonders aufmerksam verfolgt.


