Goldman Sachs strauchelt im Anleihenhandel – Rivalen glänzen
Während JPMorgan, Morgan Stanley und Citigroup im ersten Quartal 2026 glänzende Ergebnisse im Fixed-Income-Geschäft feiern, enttäuscht Goldman Sachs deutlich.

Goldman Sachs hat im ersten Quartal 2026 eine ungewöhnlich deutliche Schwäche in seinem Anleihenhandel offenbart. Der Umsatz im Bereich festverzinsliche Wertpapiere sank um 10% und lag damit laut StreetAccount-Daten um 910 Millionen US-Dollar unter den Analystenerwartungen. Für eine Bank, die seit Jahrzehnten als führendes „Trader-Haus" der Wall Street gilt, ist dies eine bemerkenswerte Verfehlung.
Besonders schmerzhaft wirkt das Ergebnis im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. JPMorgan Chase verzeichnete im selben Zeitraum einen Sprung der Fixed-Income-Handelserträge um 21% auf 7,1 Milliarden US-Dollar – das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der Bank. Morgan Stanley, wo festverzinsliche Wertpapiere traditionell eine geringere Priorität genießen als das Aktiengeschäft, meldete sogar einen Anstieg von 29%. Die Citigroup legte ebenfalls stark zu: Ihre Erträge aus dem Anleihenhandel kletterten um 13% auf 5,2 Milliarden US-Dollar.
Falsche Positionierung bei Zinswetten als Hauptursache
Die vorherrschende Theorie unter Marktteilnehmern lautet, dass Goldman Sachs im ersten Quartal bei Wetten auf die Zinsentwicklung auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Mehrere Marktteilnehmer, die anonym bleiben wollten, berichten, dass viele Wall-Street-Firmen zu Beginn des Jahres noch davon ausgegangen seien, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen bis 2026 mindestens zweimal senken würde. Diese Erwartung prägte die Positionierung der Handelstische.
Doch die Lage änderte sich abrupt: Nachdem der Ölpreis infolge des Iran-Krieges stark anstieg und die Inflationserwartungen durcheinanderwirbelte, begannen die Märkte, die erwarteten Zinssenkungen wieder auszupreisen. Einige Investoren stellten sich sogar auf mögliche Zinserhöhungen in diesem Jahr ein. Wer in diesem Umfeld falsch positioniert war, zahlte einen hohen Preis.
Goldman Sachs ist seit der Ära vor der Finanzkrise 2008 unter dem damaligen CEO Lloyd Blankfein für seine Stärke im Anleihenhandel bekannt. Die Handelstische der Bank galten als der Neid der Wall Street – besonders in Zeiten von Marktverwerfungen, in denen Goldman überdurchschnittliche Gewinne erzielte. Dieses Image als überlegenes „Trader-Haus" hat die Identität der Bank über mehr als ein Jahrzehnt geprägt.
Aktie unter Druck trotz insgesamt starkem Quartal
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Zur AktienanalyseDer Anleihenhandel war jedoch der einzige Makel in einem ansonsten starken Quartal. Goldman Sachs übertraf die Gesamterwartungen dank seiner Aktienhändler und Investmentbanker deutlich. Dennoch fielen die Aktien des Unternehmens am Montag nach Veröffentlichung des Quartalsberichts um bis zu 4%. CEO David Solomon versuchte am selben Tag, die Performance des Quartals in einen breiteren Kontext zu setzen. Goldman Sachs selbst lehnte eine weitergehende Stellungnahme ab.
Für deutsche Anleger, die Goldman-Sachs-Aktien im Depot halten oder die Entwicklung der großen US-Investmentbanken verfolgen, verdeutlicht das Quartalsergebnis einmal mehr, wie stark einzelne Handelssparten das Gesamtbild einer Bank prägen können. Die Zinspolitik der Federal Reserve bleibt dabei ein zentraler Treiber – und eine Quelle erheblicher Unsicherheit für die gesamte Branche.


