Goldman Sachs: Technologischer Jobverlust kostet dauerhaft Lohn und Wohlstand
Eine Goldman-Sachs-Studie zeigt: Wer durch Technologie seinen Job verliert, kämpft jahrzehntelang mit Einkommenseinbußen und Karriereabstieg.

Eine neue Studie von Goldman Sachs belegt, dass Arbeitnehmer, die durch technologischen Wandel ihren Arbeitsplatz verlieren, mit langanhaltenden und gravierenden Folgen für ihr Einkommen und ihre Karriere rechnen müssen. Die Untersuchung analysierte individuelle Arbeitsmarktdaten aus vier Jahrzehnten und liefert damit eine der umfangreichsten Bestandsaufnahmen zu diesem Thema.
Für die Studie werteten die Ökonomen von Goldman Sachs Daten aus den sogenannten National Longitudinal Surveys aus. Dabei wurden über 20.000 Personen der Geburtsjahrgänge aus den 1950er, 1960er und 1980er Jahren untersucht. Die Forscher identifizierten Berufe, die seit 1980 in jedem Jahrzehnt durch Technologie verdrängt wurden – ein Zeitraum, der die Digitalisierung, Automatisierung und den Aufstieg der Computertechnologie umfasst.
Längere Jobsuche, geringere Löhne
Die Ergebnisse sind deutlich: Arbeitnehmer aus technologisch verdrängten Berufen benötigen im Schnitt etwa einen Monat länger für die Suche nach einer neuen Stelle als Beschäftigte aus stabileren Berufsfeldern. Gelingt die Wiederbeschäftigung, erleiden sie reale Einkommensverluste von über 3 Prozent – während Arbeitnehmer aus stabilen Berufen nur geringfügige Einbußen verzeichnen.
Besonders aufschlussreich ist der Langzeitvergleich: In den zehn Jahren nach dem Jobverlust wachsen die Realeinkommen technologisch verdrängter Arbeitnehmer um fast 10 Prozentpunkte weniger als bei Beschäftigten, die nie arbeitslos waren. Im Vergleich zu anderen entlassenen Arbeitskräften beträgt der Rückstand immer noch rund 5 Prozentpunkte. Zudem bleibt die Wahrscheinlichkeit, erneut arbeitslos zu werden, bei dieser Gruppe dauerhaft erhöht.
Als zentralen Mechanismus hinter diesen Befunden identifiziert die Studie den sogenannten „Occupational Downgrading" – also den beruflichen Abstieg. Technologisch verdrängte Arbeitskräfte wechseln häufiger in Routineberufe, die weniger analytische und zwischenmenschliche Fähigkeiten erfordern. Der Grund: Der technologische Wandel, der ihre Stellen überflüssig machte, hat gleichzeitig den Wert ihrer vorhandenen Qualifikationen gemindert.
Folgen reichen weit über den Lohn hinaus
Die Auswirkungen beschränken sich nicht allein auf das Einkommen. Arbeitnehmer, die zu Beginn ihrer Karriere verdrängt wurden, verzeichnen einen langsameren Vermögensaufbau – vor allem durch einen verzögerten Erwerb von Wohneigentum. Darüber hinaus beobachteten die Forscher Verzögerungen bei der Familiengründung, was auf eine umfassende Destabilisierung der Lebenssituation hindeutet.
Nicht alle Betroffenen tragen die Folgen gleichermaßen. Jüngere, akademisch gebildete und in Städten lebende Arbeitskräfte verzeichnen kumulative reale Einkommensverluste, die nur halb so groß sind wie bei anderen technologisch verdrängten Beschäftigten. Auch Arbeitnehmer mit kürzerer Betriebszugehörigkeit zum Zeitpunkt der Entlassung schneiden besser ab – vermutlich weil ihre Fähigkeiten breiter übertragbar sind.
Umschulung und Rezessionen als entscheidende Faktoren
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Zur AktienanalyseDie Studie zeigt auch, dass Umschulungsprogramme wirksam helfen können. Arbeitnehmer, die an solchen Programmen teilnehmen, erleiden geringere Verluste am Arbeitsmarkt, da Umschulungen den Übergang in Berufe erleichtern, die mehr analytische Fähigkeiten erfordern und Informations- sowie Kommunikationstechnologien ergänzen.
Ein weiterer wichtiger Befund betrifft die Rolle von Rezessionen: In wirtschaftlichen Abschwungphasen bauen Unternehmen überproportional viele Routinejobs ab. Dies verschärft die Lage für technologisch verdrängte Arbeitnehmer erheblich – um etwa drei Wochen zusätzliche Arbeitslosigkeit sowie jeweils 5 Prozentpunkte bei der Wahrscheinlichkeit einer Folgearbeitslosigkeit und dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben.
Die Studie liefert damit wichtige Erkenntnisse für die politische Debatte rund um Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Für deutsche Arbeitnehmer und Entscheidungsträger unterstreicht sie die Bedeutung von Weiterbildungsangeboten und gezielten Arbeitsmarktprogrammen, um die sozialen Kosten des technologischen Wandels abzufedern.


