Goldman Sachs warnt: Diese zwei Risiken bedrohen den Bullenmarkt
Trotz neuem S&P-500-Rekordhoch und angehobenem Kursziel auf 8.000 Punkte sieht Goldman Sachs wachsende Warnsignale am Aktienmarkt.

Analysten von Goldman Sachs haben ihr Kursziel für den S&P 500 zum Jahresende von 7.600 auf 8.000 Punkte angehoben – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 6 % gegenüber dem Stand von Donnerstagmittag. Gleichzeitig warnen sie jedoch, dass die Risiken für den laufenden Bullenmarkt zunehmen. Die Kombination aus übermäßiger Spekulation und einem sich eintrübenden fundamentalen Umfeld könnte die Rallye gefährden.
Der S&P 500 ist acht Wochen in Folge gestiegen und steuert auf die neunte Gewinnwoche in Folge zu – die längste Serie des Index seit 2023. Angetrieben wird die Rallye vor allem von Chipherstellern und anderen Profiteuren der KI-Infrastruktur, darunter Anbieter von optischen Netzwerkkomponenten. Am Donnerstag markierte der Index ein neues Rekordhoch.
Zwei Warnsignale laut Goldman Sachs
In einer Mitteilung vom Dienstag beschrieb ein Team von Goldman-Sachs-Aktienanalysten zwei Dynamiken, die typischerweise das Ende rasanter Bullenmärkte einläuten. Erstens treibe „ein Übermaß an spekulativer Risikobereitschaft" die Aktienbewertungen auf ein unhaltbar hohes Niveau und mache den Markt anfälliger für Überraschungen. Zweitens drohe ein „sich verschlechterndes fundamentales Umfeld", das in der Regel mit steigenden Zinssätzen und sinkendem Wachstum einhergeht.
Goldman sieht bereits konkrete Anzeichen für übermäßige Spekulation – darunter den „jüngsten sprunghaften Anstieg der Risikobereitschaft der Anleger und des Momentum-Faktors". Beim sogenannten Factor Investing werden Aktien anhand bestimmter Merkmale ausgewählt; Momentum – also eine relative Kurssteigerung – ist dabei ein besonders beliebtes Kriterium. Die Analysten betonen jedoch, dass die Spekulation nicht völlig außer Kontrolle geraten ist: Der Handel durch Privatanleger hat zwar zugenommen, bleibt aber unter historischen Höchstständen. Auch die IPO-Aktivität steigt, ohne dass der Markt wie in den Jahren 1999 oder 2021 mit Neuemissionen überschwemmt wird.
Besonders deutlich zeigt sich das unaufhaltsame Momentum im KI-Sektor bei Chip- und Speicheraktien. Der Speicherchiphersteller Micron (MU) erreichte am Dienstag einen Marktwert von über 1 Billion US-Dollar, nachdem die Aktie ohne nennenswerten Katalysator um fast 20 % gestiegen war. Micron ist damit einer von fünf Werten im S&P 500, die ihren Wert seit Jahresbeginn mindestens verdreifacht haben. Die anderen vier sind Sandisk (SNDK), Intel (INTC), Seagate Technology (STX) und Western Digital (WDC) – allesamt Profiteure der boomenden Nachfrage der Rechenzentren nach Speichergeräten und Halbleitern. Goldman warnt allerdings, dass die Kursgewinne der Halbleiteraktien zuletzt das erwartete Gewinnwachstum übertroffen haben – eine Diskrepanz, die auf irrationalen Überschwang hindeuten könnte.
Ölpreise und Gegenwind für die Wirtschaft
Als zweiten Risikofaktor nennt Goldman Sachs die Häufung von Risiken für das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne. Hohe Ölpreise infolge des Krieges im Iran „sollten zu schwächeren Konsumausgaben, mehr Druck auf die Gewinnmargen, einer höheren Inflation und weniger Lockerungen durch die Fed führen, als wir zu Beginn des Jahres erwartet hatten", schreiben die Analysten. Gleichzeitig lassen einige Rückenwinde nach, etwa die Vorteile der Steuersenkungen des vergangenen Jahres.
Trotz dieser Bedenken bleibt Goldman Sachs grundsätzlich optimistisch und sieht den wirtschaftlichen Ausblick primär aufgrund des Rückenwinds durch den KI-Rechenzentrumsboom als eher positiv. Die Bedingungen, die in der Vergangenheit das Ende von Bullenmärkten mit hoher Bewertung und hoher Konzentration markierten, seien „heute größtenteils noch nicht vorhanden, obwohl sich einige dieser Bedingungen anzunähern scheinen", heißt es in der Mitteilung.
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Zur AktienanalyseBank of America: „Ich mag den Index derzeit nicht"
Auch andere Marktstrategen äußern sich kritisch zur aktuellen Marktkonzentration. Savita Subramanian, Leiterin der Aktienstrategie bei Bank of America Securities, sagte am Donnerstagmorgen gegenüber CNBC: „Wenn man darüber nachdenkt, welches der am stärksten überlaufene Aktienticker der Welt ist, dann ist es der S&P 500." Sie warnte, dass der Index bei einem Umfeld, in dem Anleger Kapital beschaffen müssen, als Erstes verkauft werden dürfte.
Subramanian sieht sich jedoch nicht als Pessimistin: „Ich mag Aktien – ich mag nur den Index derzeit nicht." Der Aufschlag, den Anleger für Unternehmen mit hohem Umsatzwachstum zahlen, sei der höchste seit mindestens 20 Jahren. Unternehmen außerhalb des Technologiesektors mit gesunden Margen und soliden Wachstumsaussichten erhielten nicht die gleiche Aufmerksamkeit. Sie empfiehlt, die Wachstumserwartungen etwas zurückzuschrauben und sich Sektoren wie Material und Energie zuzuwenden – um am Wachstum teilzuhaben, ohne den „KI-Preisaufschlag" zu zahlen.


