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Goldpreis im Kursrutsch: Ist der sichere Hafen Geschichte?

Nach einem Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar brach Gold um fast 30 Prozent ein – Experten analysieren Ursachen und Aussichten.

Goldpreis im Kursrutsch: Ist der sichere Hafen Geschichte?

Wenn Kriege toben und Börsen schwanken, flüchten Anleger traditionell ins Gold. Doch diese bewährte Regel hat zuletzt deutlich an Verlässlichkeit verloren. Seit dem Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar Ende Januar ist der Goldpreis zeitweise um fast 30 Prozent eingebrochen – ein Rückschlag, der viele Privatanleger aufhorchen lässt.

Die Wurzeln des Absturzes liegen in der vorangegangenen Überhitzung des Marktes. Bereits 2024 legte Gold rund ein Viertel an Wert zu. 2025 beschleunigte sich die Rally dann dramatisch: Der Preis stieg um 67 Prozent und markierte im Jahresverlauf gleich 53 neue Allzeithochs. „Das ist einfach zu viel gewesen in kurzer Zeit, da war zu viel Spekulation drin", erklärt Michael Blumenroth, Rohstoffexperte von Deutsche Bank Research, gegenüber der ARD-Finanzredaktion.

Auch inflationsbereinigt war Gold zu Jahresbeginn so teuer wie nie zuvor in der Geschichte. Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment, bezeichnete den anschließenden Preisrückgang daher als „ganz gesund" – eine notwendige Korrektur nach einer außergewöhnlichen Übertreibungsphase.

Volatilität schreckt selbst Zentralbanken ab

Doch nicht nur das Ausmaß des Rückgangs bereitet Marktteilnehmern Sorgen – es ist vor allem die gestiegene Schwankungsbreite. „Gold war zeitweise sogar schwankungsanfälliger als Bitcoin", so Benedix. Diese ungewöhnlich hohe Volatilität hat offenbar auch Zentralbanken verunsichert, die daraufhin ihre Goldkäufe verlangsamten.

Dabei könnte sich das Blatt bald wenden. Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council – der Interessenvertretung der internationalen Goldbergbauindustrie – zeigt: 89 Prozent der befragten Zentralbanken rechnen damit, dass die weltweiten Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten steigen. Noch bedeutsamer: 45 Prozent planen, die eigenen Bestände aufzustocken – ein Rekordwert.

Gegen einen raschen Preisanstieg sprechen jedoch die veränderten Zinserwartungen. Steigende Ölpreise und die damit verbundenen Inflationsrisiken infolge des Iran-Kriegs haben die Erwartungen an die US-Geldpolitik grundlegend verschoben. Futures-Trader rechnen derzeit mit einer ersten Leitzinserhöhung der US-Notenbank bereits im September – und einer weiteren im April 2027. Zu Jahresbeginn hatten die Märkte für 2026 noch zwei Zinssenkungen eingepreist.

Steigende Zinsen belasten das zinslose Edelmetall

Das Problem für Gold: Das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Steigen die Renditen anderer als sicher geltender Anlagen – etwa bei deutschen oder amerikanischen Staatsanleihen –, verliert Gold im direkten Vergleich an Attraktivität. „Wenn jetzt andere als sicher geltende Anlagen höhere Zinsen abwerfen oder die Aussicht auf höhere Zinsen besteht, dann wird Gold aus relativer Sicht weniger attraktiv", betont Benedix.

Die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar je Unze gilt derzeit als zentrale Unterstützung. Zuletzt hatte sich der Goldpreis etwas erholt und notierte wieder oberhalb dieser Schwelle. Blumenroth schließt jedoch einen erneuten Test dieser Marke nicht aus: „Ich kann nicht ausschließen, dass wir nicht noch einmal einen Rückschlag sehen werden, der uns unter die 4.000 Dollar je Unze führt." Gleichzeitig beobachte er erste Anzeichen einer Bodenbildung.

Der World Gold Council erwartet für die zweite Jahreshälfte eher eine Seitwärtsbewegung. Neue Konjunktursorgen oder eine weitere geopolitische Eskalation könnten den Preis jedoch wieder nach oben treiben.

Kursziel 3.900 Dollar – Gold bleibt fundamental teuer

Benedix von Union Investment bleibt skeptisch. Gold befinde sich weiterhin in einem Abwärtstrend und sei – gemessen an fundamentalen Kriterien wie den Minenproduktionskosten – nach wie vor teuer bewertet. „Unser Kursziel für Gold zum Jahresende 2026 liegt daher bei 3.900 Dollar je Unze, also etwas niedriger als das aktuelle Niveau."

Entscheidend für die weitere Entwicklung am Goldmarkt bleibt der Verlauf des Iran-Kriegs. Davon hängen der Ölpreis, die Inflationsrisiken und letztlich die Zinsentwicklung ab. Eine nachhaltige Entspannung könnte nicht nur Aktien, sondern auch den Goldpreis wieder beflügeln.

Für Privatanleger, die Gold primär als Absicherung gegen Aktienmarkt-Turbulenzen halten, gilt: Auch das Edelmetall ist kein ruhiger Hafen mehr. Die vergangenen Monate haben eindrücklich gezeigt, dass erhebliche Schwankungen auch hier einkalkuliert werden müssen.

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