Großbritannien: Eltern im Sozialbezug erhalten bis zu 4.500 Pfund für Ausbildung
Die britische Regierung will finanzielle Hürden für Berufsausbildungen beseitigen und Familien mit Stipendien unterstützen.

Die britische Regierung hat ein neues Stipendienprogramm angekündigt: Eltern, die Sozialleistungen beziehen, sollen bis zu 4.500 Britische Pfund pro Jahr erhalten, wenn ihre Kinder eine Berufsausbildung aufnehmen. Ziel ist es, junge Menschen in Arbeit zu bringen und die wachsende Zahl sogenannter Neets – junger Menschen, die sich weder in Ausbildung noch in Beschäftigung befinden – zu reduzieren. Derzeit gelten in Großbritannien mehr als eine Million Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren als Neet.
Das Programm soll den Wegfall von Universal-Credit-Zahlungen ausgleichen, der entsteht, wenn ein Kind in einem Haushalt eine Ausbildung beginnt. Da Ausbildungen als bezahlte Beschäftigung eingestuft werden, verringern sich automatisch die Sozialleistungen für betroffene Familien. Schätzungsweise einige tausend Haushalte drohen dadurch einen Verlust zwischen 17 und 330 Britischen Pfund pro Woche zu erleiden.
Perverse Anreize im Sozialsystem
Besonders drastisch ist die Situation für alleinerziehende Eltern mit einem behinderten Kind: Sie könnten laut einem Bericht des Social Security Advisory Committee bis zu 340 Britische Pfund pro Woche an Sozialleistungen verlieren – ein Betrag, der das erwartete Ausbildungsgehalt von 258 Britischen Pfund pro Woche sogar übersteigt. Der Ausschuss warnte ausdrücklich vor den „perversen Auswirkungen" des Sozialleistungssystems auf die Berufswahl junger Menschen.
Der Ausschuss stellte fest, dass das bestehende System die Bemühungen der Regierung behindert, die Neet-Quote zu senken. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des ehemaligen Gesundheitsministers Alan Milburn warnte zudem, dass in den nächsten fünf Jahren jeder sechste junge Mensch ein Neet sein könnte, sofern keine dringenden Maßnahmen ergriffen werden.
Finanzierung über die Wachstums- und Qualifizierungsabgabe
Das neue Stipendium wird aus einem Topf von 30 Millionen Britischen Pfund finanziert, der durch die sogenannte Growth and Skills Levy gespeist wird. Diese Abgabe richtet sich an Arbeitgeber mit einer jährlichen Lohnsumme von über 3 Millionen Britischen Pfund. Das Programm ist Teil eines umfassenderen Unterstützungspakets, das auch die vollständige Finanzierung der Ausbildungskosten für unter 25-Jährige sowie zusätzliche Unterstützung für Arbeitgeber umfasst, die Auszubildende einstellen.
Arbeits- und Rentenminister Pat McFadden betonte: „Indem wir Stipendien für diejenigen bereitstellen, die sie am dringendsten benötigen, und die Ausbildungskosten vollständig finanzieren, stellen wir sicher, dass die Kosten nicht der Grund dafür sind, dass jemand eine Chance verpasst."
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Zur AktienanalysePolitischer Streit um die Finanzierung
Die Konservativen begrüßten zwar die grundsätzliche Unterstützung von Premierminister Andy Burnham für Berufsausbildungen, kritisierten jedoch die Finanzierungspläne scharf. Schattenministerin Helen Whately erklärte, der Plan sei „nicht durchfinanziert": „Es wird Geld ausgegeben, das bereits an anderer Stelle verplant ist. Entweder handelt es sich also um eine weitere nicht finanzierte Ankündigung, oder Andy Burnham ist uns gegenüber nicht ehrlich, was seine Pläne angeht."
Burnham selbst erklärte, er befinde sich auf einer „Mission", um die Zahl der Neets zu reduzieren. „Der Trend ist derzeit steigend, daher ist das Erste, was ich tun muss, diesen Anstieg zu stoppen", sagte er. Parallel dazu legte Burnham Pläne vor, im Bildungssystem ein besseres Gleichgewicht zwischen akademischen und technischen Fähigkeiten herzustellen – ein Thema, das auch in Deutschland seit Jahren diskutiert wird.


