ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Großbritannien: Hohe Energiekosten treiben Industrie ins Ausland

Industrie und Gewerkschaften warnen: Ohne schnelle Entlastung bei Energiepreisen droht Großbritannien eine gefährliche Deindustrialisierung.

Großbritannien: Hohe Energiekosten treiben Industrie ins Ausland

Mehr als die Hälfte der britischen Industrieunternehmen profitiert nicht von der vor einem Jahr gestarteten Industriestrategie zur Senkung der Stromkosten. Das geht aus einer Umfrage des Industrieverbands Make UK hervor. Ein Viertel der befragten Unternehmen hat die Produktion bereits ins Ausland verlagert oder zieht dies in Betracht.

Großbritannien hatte im Rahmen seiner Industriestrategie zugesagt, die Stromkosten für energieintensive Industrien durch Befreiungen von bestimmten Öko-Abgaben zu senken. Die Regierung erklärte seither, das Programm ausweiten und rückwirkend anwenden zu wollen. Doch die Umsetzung kommt offenbar nicht schnell genug voran.

„Großbritannien droht die Deindustrialisierung, wenn die Hersteller keine Entlastung von den hohen Energiepreisen erhalten", warnte Stephen Phipson, Hauptgeschäftsführer von Make UK. Er forderte, das Programm auf die gesamte Industrie auszuweiten und die Umsetzung zu beschleunigen. „Wir können es uns nicht leisten, durch politische Umwälzungen oder weitere Konsultationen aufgehalten zu werden."

Milliardenschweres Programm soll Millionen Jobs sichern

Phipson bezifferte die Kosten einer vollständigen Ausweitung des Programms auf alle Unternehmen des Sektors auf jährlich drei Milliarden Pfund – umgerechnet rund vier Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug würden damit 2,5 Millionen Arbeitsplätze gesichert. „Im Interesse tausender Arbeitsplätze in ganz Großbritannien muss die Regierung jetzt eingreifen und handeln", so Phipson.

Rückendeckung erhält die Industrie vom Gewerkschaftsbund Trades Union Congress (TUC). Generalsekretär Paul Nowak betonte, das Programm müsse ausgeweitet werden, um „Arbeitsplätze zu schützen und den Betrieb von Fabriken und Anlagen zu gewährleisten". Die seltene Allianz zwischen Industrieverband und Gewerkschaft unterstreicht die Dringlichkeit der Lage.

Der politische Druck auf Premierminister Keir Starmer wächst derweil von mehreren Seiten. Innerhalb seiner Labour-Partei formiert sich nach einer Reihe von Kurswechseln und Rücktritten Unmut. Einige Abgeordnete unterstützen den Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, für eine mögliche Herausforderung um die Parteiführung, sollte dieser bei einer Nachwahl in dieser Woche ins Parlament zurückkehren.

Iran-Krieg verschärft die Energiekrise

Zusätzlich belasten die Folgen des Iran-Kriegs die wirtschaftliche Lage: Die Energiepreise für Haushalte und Unternehmen sind infolge des Konflikts weiter gestiegen. Das erhöht den Handlungsdruck auf die Regierung Starmer erheblich – zumal konkurrierende Ausgabenprioritäten, von der Verteidigung bis hin zum Sozialwesen, die öffentlichen Finanzen bereits stark belasten.

Für deutsche Beobachter ist die Situation in Großbritannien nicht ohne Parallelen: Auch Deutschland und andere europäische Industrieländer kämpfen mit hohen Energiekosten, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie gefährden. Die britische Debatte zeigt exemplarisch, wie stark energieintensive Branchen unter dem Druck globaler Energiemärkte stehen und welche politischen Weichenstellungen nötig sind, um Produktionsverlagerungen ins Ausland zu verhindern.

Großbritannien EnergiekostenDeindustrialisierungMake UkIndustriestrategieEnergiepreise IndustrieProduktionsverlagerungBritische Wirtschaft

Disclaimer