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Großbritannien prüft Leonardo-Hubschrauber-Deal vor ablaufender Frist

Der einzige verbliebene Bieter Leonardo warnt: Ohne Auftrag droht die Schließung des letzten britischen Militärhubschrauber-Werks.

Großbritannien prüft Leonardo-Hubschrauber-Deal vor ablaufender Frist

Großbritannien steht unter Zeitdruck: Der Rüstungskonzern Leonardo hat sein Angebot für das britische Programm für neue mittelschwere Hubschrauber (New Medium Helicopter) nur noch bis zum 1. März aufrechterhalten. Das geht aus Informationen hervor, die Reuters aus einer mit der Sache vertrauten Quelle erhielt. Leonardo ist der einzige verbliebene Bieter für diesen Auftrag.

Im Mittelpunkt des Deals steht das Werk im englischen Yeovil, der letzte verbliebene britische Produktionsstandort für Militärhubschrauber. Dort arbeiten rund 3.000 Menschen direkt – hinzu kommen weitere 9.000 Stellen in der Lieferkette. Leonardo hat unmissverständlich erklärt: Erhält das Unternehmen den Auftrag nicht, wird das Werk geschlossen.

In den kommenden Tagen sind weitere Gespräche zwischen der britischen Regierung und Leonardo wahrscheinlich, wie die Quelle mitteilte. Ein Sprecher von Leonardo lehnte eine Stellungnahme ab. Das zuständige Ministerium erklärte lediglich, das Programm laufe noch und es seien noch keine endgültigen Vergabeentscheidungen getroffen worden.

Besuch abgesagt – Finanzministerium blockiert Entscheidung

Nach Informationen von Sky News wollte Verteidigungsminister John Healey das Werk in Yeovil am Donnerstag besuchen, um den Deal offiziell bekannt zu geben. Der Besuch wurde jedoch kurzfristig abgesagt, da das britische Finanzministerium die Freigabe noch nicht erteilt hatte. Die Regierung hatte zuvor betont, zunächst ihren Verteidigungsinvestitionsplan abschließen zu müssen, bevor der Hubschrauberauftrag vergeben werden könne.

Dieser Plan hat sich gegenüber dem Herbst 2025 erheblich verzögert. In britischen Medien wird derweil über ein Loch von 28 Milliarden Pfund (rund 38 Milliarden US-Dollar) im Militärbudget spekuliert – trotz der öffentlichen Zusagen von Premierminister Keir Starmer, die Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen.

Traditionsstandort mit über 100 Jahren Geschichte

Das Werk in Yeovil blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Gegründet im Jahr 1915 unter dem Namen Westland, produzierte es zunächst Flugzeuge für den Ersten Weltkrieg. In den 1950er Jahren spezialisierte sich der Standort auf Hubschrauber und fertigte zuletzt die Modelle Merlin und Apache – beides Typen, die auch bei der Bundeswehr bekannt sind. Eine Schließung würde nicht nur tausende Arbeitsplätze kosten, sondern auch Großbritanniens industrielle Fähigkeit zur eigenständigen Militärhubschrauber-Produktion beenden.

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