Großbritannien: Reeves plant Entlastungen wegen Iran-Krieg-Folgen
Britische Finanzministerin Rachel Reeves kündigt Mehrwertsteuersenkungen, Zollaussetzungen und Unternehmenshilfen angesichts steigender Energiepreise an.

Die britische Finanzministerin Rachel Reeves hat am Donnerstag ein Paket von Maßnahmen vorgestellt, das Verbraucher und Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges entlasten soll. US-israelische Angriffe auf den Iran im Februar hatten die Energiepreise deutlich in die Höhe getrieben und damit die Bemühungen von Premierminister Keir Starmer erschwert, britische Haushalte bei den Lebenshaltungskosten zu unterstützen. Der politische Druck auf Starmer innerhalb seiner eigenen Labour-Partei ist erheblich.
Zu den angekündigten Maßnahmen gehört eine vorübergehende Senkung des Mehrwertsteuersatzes für bestimmte Touristenattraktionen über den Sommer – von 20 Prozent auf 5 Prozent. Darüber hinaus sollen Busreisen für Kinder unter 15 Jahren im August kostenlos sein. Beide Maßnahmen zielen darauf ab, die Lebenshaltungskosten für Familien in der Ferienzeit zu senken.
Zollsenkungen bei Lebensmitteln und Druck auf Supermärkte
Großbritannien wird außerdem die Einfuhrzölle auf Dutzende Lebensmittelarten aussetzen, darunter Kekse, Schokolade und Nüsse. Reeves machte dabei deutlich, dass sie von den Supermärkten erwartet, diese Einsparungen vollständig an die Kunden weiterzugeben. „Ich habe mich mit Vertretern von Supermärkten getroffen, um sie zu drängen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Preise niedrig zu halten", sagte Reeves. „Ich erwarte von den Supermärkten, dass sie diese Einsparungen in vollem Umfang an ihre Kunden weitergeben."
Die Aussage fiel nach einem öffentlichen Streit darüber, ob Einzelhändler mit Preisobergrenzen für wichtige Güter konfrontiert werden könnten. Finanziert werden sollen die Maßnahmen durch eine Beschleunigung geplanter Änderungen bei der Besteuerung internationaler Öl- und Gaskonzerne in Großbritannien.
Unterstützung für energieintensive Industrien
Neben den Verbraucherentlastungen kündigte Reeves auch Hilfen für besonders betroffene Wirtschaftszweige an. Die Chemie- und Keramikindustrie – zwei bedeutende energieintensive Sektoren – sollen spezielle Unterstützungspakete erhalten. Eine aktuelle Umfrage hatte bereits am Donnerstag gezeigt, dass britische Unternehmen aufgrund der politischen Unsicherheit im Inland und der Auswirkungen des Nahostkonflikts den stärksten Rückgang ihrer Geschäftstätigkeit seit über einem Jahr verzeichnen.
Reeves betonte zudem die Bereitschaft der Regierung zu weiteren Schritten: „Wir sind bereit zu handeln, falls sich die Bedingungen am Energiemarkt im weiteren Jahresverlauf deutlich verschlechtern." Sie erklärte, sie habe „regierungsübergreifende Notfallplanungen für die Gestaltung potenzieller künftiger gezielter und vorübergehender Unterstützungen für Unternehmen geleitet".
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Zur AktienanalyseInflation und weitere Maßnahmen im Überblick
Die regulierten Nebenkosten in Großbritannien sowie bereits früher angekündigte Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten für Haushalte hatten dazu beigetragen, die Inflation im April in Schach zu halten. Dennoch wird erwartet, dass das Preiswachstum in den kommenden Monaten auf etwa 4 Prozent ansteigen wird – ein Wert, der deutlich über dem Zielwert der Bank of England liegt.
Die Regierung hatte bereits am Mittwoch mitgeteilt, dass eine Senkung der Kraftstoffsteuer für den Transport, die eigentlich im September hätte auslaufen sollen, bis zum Jahresende verlängert wird. Weitere Maßnahmen zur Unterstützung von Spediteuren und Fahrern wurden ebenfalls angekündigt. Im März hatte Premierminister Starmer zudem ein Paket in Höhe von 53 Millionen Pfund (rund 71,25 Millionen US-Dollar) für besonders gefährdete Haushalte vorgelegt, die auf Heizöl zum Beheizen ihrer Häuser angewiesen sind.

