Großbritannien: Staatliche Neuverschuldung im April übersteigt Erwartungen deutlich
Großbritanniens Staatsdefizit lag im April bei 24,3 Milliarden Pfund – weit über der offiziellen Prognose von 20,9 Milliarden Pfund.

Die britische Regierung hat im April 2026 deutlich mehr Kredite aufgenommen als erwartet. Die Neuverschuldung – also die Differenz zwischen Staatsausgaben und Steuereinnahmen – belief sich auf 24,3 Milliarden Pfund. Das sind 4,9 Milliarden Pfund mehr als im gleichen Monat des Vorjahres, wie das britische Statistikamt Office for National Statistics (ONS) mitteilte.
Der Wert übertraf zudem die Prognose der unabhängigen Haushaltsbehörde Office for Budget Responsibility (OBR) deutlich. Diese hatte lediglich 20,9 Milliarden Pfund vorhergesagt. Grant Fitzner, Chefökonom des ONS, bezeichnete die Neuverschuldung im April als „erheblich höher" als im Vorjahr.
Sozialleistungen und Zinsen treiben die Ausgaben
Als Hauptursache für den Anstieg nannte Fitzner gestiegene Ausgaben, die höhere Steuereinnahmen mehr als ausgeglichen hätten. Die Staatsausgaben für Sozialleistungen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,7 Milliarden Pfund. Laut ONS war dies größtenteils auf inflationsbedingte Erhöhungen vieler Sozialleistungen sowie den einkommensabhängigen Anstieg der staatlichen Rente zurückzuführen.
Besonders auffällig: Die Zinszahlungen für die Staatsschuld erreichten mit 10,3 Milliarden Pfund einen Rekordwert für den Monat April. Das entspricht einem Anstieg von 0,9 Milliarden Pfund gegenüber dem Vorjahr. Hohe Schuldzinsen belasten den britischen Haushalt damit weiterhin erheblich.
Experten warnen vor weiteren Haushaltsrisiken
Dennis Tatarkov, Senior Economist bei KPMG UK, ordnete die Zahlen kritisch ein. „Die Neuverschuldung des öffentlichen Sektors lag im April über der Prognose des OBR vom März, was vor allem auf höhere Ausgaben der Zentralregierung zurückzuführen ist", sagte er. „Angesichts der zunehmend unsicheren Wirtschaftsaussichten könnte dies richtungsweisend für den Rest des Geschäftsjahres sein."
Tatarkov verwies zudem auf die Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiepreise, die dazu führen, dass die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nun deutlich unter den OBR-Vorhersagen vom März liegen. Dies erhöhe den Druck auf die Haushaltspolitik spürbar.
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Zur AktienanalyseDer Experte warnte, dass die Neuverschuldung des öffentlichen Sektors mittelfristig erhöht bleiben dürfte. „Dies könnte den Finanzminister dazu zwingen, zum Zeitpunkt des Herbsthaushalts weitere Anpassungen an der Finanzpolitik vorzunehmen", so Tatarkov. Für Anleger und Beobachter der britischen Wirtschaft sind die April-Zahlen damit ein erstes Warnsignal für das laufende Haushaltsjahr.
Für deutsche Anleger mit Engagements in britischen Staatsanleihen (Gilts) oder britischen Aktien sind solche Haushaltsdaten von Bedeutung, da steigende Defizite die Zinspolitik und das Pfund-Wechselkursniveau beeinflussen können.


