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Großbritannien: Stromrabatte für Haushalte nahe Netzausbauprojekten

Die britische Regierung bietet Anwohnern von über 40 Netzausbauprojekten Preisnachlässe auf ihre Stromrechnung – als Ausgleich für lokale Belastungen.

Großbritannien: Stromrabatte für Haushalte nahe Netzausbauprojekten

Haushalte in Großbritannien, die in einem Umkreis von 500 Metern zu einem der mehr als 40 großen Netzausbauprojekte leben, sollen künftig Preisnachlässe auf ihre Stromrechnungen erhalten. Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Netto-Null gab am Mittwoch die erste Gruppe von Projekten bekannt, die unter das neue Förderprogramm fallen. Die Maßnahme soll den wachsenden lokalen Widerstand gegen Netzausbauvorhaben abfedern, der deren Entwicklung zunehmend zu verzögern droht.

Konkret können betroffene Haushalte über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 2.500 Britische Pfund bei ihren Stromrechnungen sparen. Die Liste der Projekte umfasst die geplante Entwicklung oder Modernisierung von Stromleitungen, Strommasten und Konverterstationen – die überwiegende Mehrheit davon befindet sich in Schottland und im Osten Englands. Weitere Projekte sollen in Zukunft hinzugefügt werden.

Die Rabatte werden jedoch erst gewährt, wenn das jeweilige Projekt vollständig genehmigt ist und der Bau begonnen hat. Erste Auszahlungen werden für das nächste Jahr erwartet. Der Schritt markiert den lang erwarteten Abschluss von Empfehlungen, die der Branchenexperte Nick Winser bereits im Jahr 2023 der damaligen konservativen Regierung im Rahmen der Dekarbonisierungsbemühungen vorgelegt hatte.

Regierung sieht Netzausbau als strategische Priorität

Michael Shanks, Staatssekretär im Energieministerium, betonte, der Ausbau des Stromnetzes sei entscheidend für eine „sichere, heimische Energieversorgung". Er sei „entschlossen, dass jene Gemeinden, die Strommasten beherbergen, davon profitieren sollen". Die Finanzierung der Rabatte übernehmen die Energieversorger, die ihre Kosten wiederum über die Netznutzer zurückfordern.

Das Energieministerium geht davon aus, dass die Zahlungen die durchschnittlichen britischen Haushalte zwischen jetzt und 2044 insgesamt etwa 4 bis 5 Britische Pfund kosten werden, mit einer jährlichen Spitzenbelastung von rund 50 Pence. Der Netzausbau ist für Großbritannien aus mehreren Gründen dringend notwendig: Das Stromsystem muss den starken Anstieg von Wind- und Solarparks bewältigen sowie das erwartete Wachstum bei Elektroautos und Wärmepumpen auffangen.

Verzögerungen bei Projekten könnten das Ziel der Regierung gefährden, das Stromsystem bis 2030 zu dekarbonisieren. Dies würde bedeuten, dass mehr Windparks dafür bezahlt werden müssten, abgeschaltet zu bleiben, weil ihr Strom nicht dorthin transportiert werden kann, wo er benötigt wird – ein kostspieliges und klimapolitisch kontraproduktives Szenario.

Lokaler Widerstand bleibt trotz Rabatten stark

Nicht alle Betroffenen begrüßen die Ankündigung. Aktivisten, die sich gegen die von SSEN geplante 400-kV-Oberleitung Kintore-Tealing in Schottland aussprechen, bezeichneten die Maßnahme als „Schlag ins Gesicht" für die lokalen Gemeinden. Kate Matthews von der Bürgerinitiative Save Our Mearns kritisierte scharf: „Diese Regierung ist entweder völlig realitätsfern oder zeigt ihre Verachtung für die betroffenen Anwohner und Energieverbraucher." Die Anwohner lebten seit über drei Jahren in „schrecklicher Ungewissheit" und seien mit „ruinierten Unternehmen und unverkäuflichen Häusern" konfrontiert.

Lokale Aktivisten haben in mehreren Gebieten Einspruch gegen Projekte erhoben und führen dabei verschiedene Faktoren an – vom Risiko von Schäden an der Tierwelt über die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes bis hin zu Lärm und Landnutzung. Kritiker äußern zudem Besorgnis über die Gesamtkosten des Netzausbaus, die von allen Stromverbrauchern getragen werden und als ein Grund für die hohen Strompreise in Großbritannien gelten.

Für das umstrittene Kintore-Tealing-Projekt läuft derzeit eine von der schottischen Regierung angeordnete Untersuchung, nachdem lokaler Widerstand die Regionalräte zum Einspruch veranlasst hatte. Die Untersuchung soll ihre Empfehlungen bis Anfang Januar 2025 vorlegen, woraufhin eine endgültige Entscheidung der schottischen Minister folgen wird. SSEN, Betreiber des Übertragungsnetzes in Nordschottland, erklärte, die Oberleitung sei ein wesentlicher Bestandteil des umfassenderen Netzausbaus und werde Investitionen sowie Arbeitsplätze nach Nordostschottland bringen.

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