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Großbritannien: Wirtschaftsminister Reynolds lehnt Rückkehr in EU-Zollunion ab

Trotz wachsenden Drucks aus den eigenen Reihen hält Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds an der Labour-Parteilinie fest.

Großbritannien: Wirtschaftsminister Reynolds lehnt Rückkehr in EU-Zollunion ab

Großbritanniens Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds hat sich klar gegen eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs in die EU-Zollunion ausgesprochen. In einem Interview mit der Financial Times bekräftigte er, dass die Position im Labour-Wahlprogramm von 2024 – die eine Rückkehr in den Binnenmarkt, die Zollunion oder die Personenfreizügigkeit ausdrücklich ausschließt – „absolut richtig" sei. Damit versucht Reynolds, aufkeimende Spekulationen über eine engere EU-Anbindung zu stoppen.

Der Druck innerhalb der Partei ist jedoch spürbar. Im Dezember vergangenen Jahres unterstützten bereits 13 Labour-Abgeordnete einen Gesetzentwurf der Liberaldemokraten für eine EU-UK-Zollunion. Auch prominente Parteivertreter wie der ehemalige stellvertretende Premierminister David Lammy und Gesundheitsminister Wes Streeting hatten in der Vergangenheit die Vorteile einer Zollunion hervorgehoben.

Was ist die EU-Zollunion?

Die EU-Zollunion ermöglicht den freien Warenverkehr innerhalb des Blocks ohne Zölle oder Steuern. Zudem gilt ein einheitlicher Zollsatz für Waren, die von außerhalb des Wirtschaftsraums eingeführt werden. Für das Vereinigte Königreich würde ein Beitritt bedeuten, eigene Zollpositionen gegenüber Drittstaaten aufzugeben – ein zentrales Argument von Reynolds gegen diesen Schritt.

Reynolds warnte explizit vor den Konsequenzen: „Ich halte es einfach nicht für realistisch, in einer Position zu sein, in der beispielsweise die US-Regierung bestimmte Zölle ankündigt und wir davon betroffen sind, weil wir uns in einer Zollunion mit einer politischen Einheit befinden, der wir nicht angehören." Diese Aussage verdeutlicht die strategische Abwägung zwischen europäischer Nähe und globaler handelspolitischer Flexibilität.

Britische Handelspolitik setzt auf eigene Abkommen

Statt einer Rückkehr in EU-Strukturen verwies Reynolds auf eine eigenständige britische Handelspolitik. Er bezeichnete diese als „unglaublich erfolgreich" und nannte konkrete Abkommen: ein Handelsabkommen mit Indien, Vereinbarungen mit den Golfstaaten, ein Abkommen mit der Schweiz über Geschäftsmobilität und Dienstleistungen sowie ein neues Freihandelsabkommen mit Südkorea. Zudem verwies er auf bevorstehende Abkommen, die den Handel mit pflanzlichen, tierischen und Lebensmittelerzeugnissen sowie die Verknüpfung der EU- und Kohlenstoffmärkte betreffen.

Reynolds betonte dabei: „Das Parlament muss eine komplexe regulatorische Beziehung so gestalten, dass sie für die britischen Verbraucher und die Industrie funktioniert, und ich weise jede Vorstellung zurück, es sei nicht ehrgeizig, dies umzusetzen."

Interessanterweise erhielt Reynolds für seine Haltung Rückendeckung aus dem politischen Lager der Opposition. Andrew Griffith, der konservative Schatten-Wirtschaftsminister, erklärte, Reynolds habe „recht damit, seine zahlreichen Kollegen in die Schranken zu weisen, die öffentlich Verwirrung stiften". Griffith mahnte jedoch zugleich, dass das Vereinigte Königreich seine Fähigkeit zur eigenständigen Regulierung nicht aufgeben dürfe.

Wirtschaft und EU-Seite zurückhaltend

Auch aus der Wirtschaft kommen skeptische Stimmen. Unternehmen in der Londoner City haben vor einer Zollunion gewarnt, da die Square Mile von der Rücknahme bestimmter EU-Richtlinien profitiert hat – darunter die Abschaffung der Obergrenze für Banker-Boni und die Verzögerung der sogenannten Basel-III-Reformen zum Eigenkapital von Banken. Der Industrieverband CBI erklärte zudem, die britischen Unternehmen hätten das Thema hinter sich gelassen und wollten „die Debatte nicht neu aufrollen".

Auf EU-Seite hatte Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis Anfang des Jahres signalisiert, Brüssel werde „ergebnisoffen prüfen", falls das Vereinigte Königreich der Zollunion beitreten wolle. EU-Beamte betonten jedoch, dass derzeit kein proaktiver Austausch stattfinde. Der von Premierminister Sir Keir Starmer angekündigte UK-EU-Gipfel, der als „Neustart" der Beziehungen geplant war, wurde mehrfach verschoben – zunächst vom Mai auf Juli, dann aufgrund des Wechsels im Amt des Premierministers erneut auf die Zeit nach dem Sommer vertagt.

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