Grubenunglück in Shanxi erschüttert Chinas Stahl- und Energiemärkte
Eine Minenexplosion mit 82 Toten löst Masseninspektionen aus und treibt Kokskohlepreise um 11% in die Höhe.

Eine verheerende Explosion in einer Kokskohlemine in der chinesischen Provinz Shanxi hat nicht nur 82 Menschenleben gefordert, sondern auch weitreichende wirtschaftliche Folgen für die Stahl-, Energie- und Chemieindustrie ausgelöst. Das Unglück gilt als das tödlichste Bergwerksunfall seit 2009 und hat eine landesweite Welle von Sicherheitsinspektionen und Stilllegungen ausgelöst. Die Zentralregierung entsandte umgehend ein Team zur Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen in allen Bergwerken des Landes.
Shanxi ist Chinas bedeutendste Kohleprovinz und förderte im April 107 Millionen Tonnen – das entspricht rund einem Drittel der gesamten chinesischen Jahresproduktion von etwa 1,3 Milliarden Tonnen. Laut einem Branchenverband wird die Produktion in der Provinz im Mai voraussichtlich um 8% sinken. Berichten der Jefferies Financial Group zufolge wurden bereits mindestens 109 Minen suspendiert, was knapp 10% aller Bergwerke der Provinz ausmacht.
Kokskohlepreise springen um 11% an
Die unmittelbarsten Marktreaktionen zeigten sich beim Kokskohlepreis. Die Dalian-Futures schlossen am Mittwoch mit einem Wochenplus von 11%. Das Gebiet rund um den Unglücksort ist ein zentrales Zentrum für Kohle zur Stahlherstellung, was die Preisreaktion zusätzlich verstärkte. Analysten erwarten jedoch, dass die Auswirkungen durch verstärkte Lieferungen aus der Mongolei und Russland – den wichtigsten ausländischen Lieferanten für Kokskohle – abgefedert werden können.
Li Xiaolong, Analyst bei der China Coal Transportation and Distribution Association, zeigte sich verhalten optimistisch: „Massive Produktionskürzungen sind unwahrscheinlich, da die Behörden dazu neigen, pauschale Beschränkungen im Vorfeld der kritischen Sommerperiode zu vermeiden." Er geht davon aus, dass die Einschränkungen nur etwa eine Woche andauern werden.
Der deutlich größere Markt für Kraftwerkskohle reagierte bislang moderater. Laut CCTD stieg der Preis bis Mittwoch nur leicht von 833 Yuan zu Wochenbeginn auf 846 Yuan (rund 125 US-Dollar) pro Tonne. Doch der Druck auf die Energieversorgung könnte zunehmen – denn der Stromverbrauch in Südchina erreichte am Montag ein Rekordhoch, wobei der saisonale Höchststand etwa einen Monat früher als üblich eintrat.
El Niño verschärft die Energielage zusätzlich
Heißes, feuchtes Wetter im Zusammenhang mit dem Klimaphänomen El Niño hat die Temperaturen in Teilen Südchinas stark ansteigen lassen und gleichzeitig Überschwemmungen sowie Stromausfälle verursacht. Der Spotpreisindex für Strom in Guangdong, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes, schnellte laut der örtlichen Börse in dieser Woche um 40% in die Höhe. Die Kombination aus verschärften Sicherheitskontrollen und extremen Wetterbedingungen erschwert die Bemühungen der Behörden, die Energiesicherheit aufrechtzuerhalten.
Zusätzlich warnten die Behörden vor erhöhten Erdrutschrisiken, die die Bergbauaktivitäten weiter einschränken könnten. Länger anhaltende Unterbrechungen der Kohleförderung hätten damit das Potenzial, eine Vielzahl miteinander verbundener Branchen zu belasten.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWeitreichende Folgen für Chemie- und Gasmärkte
Neben Stahl und Strom könnte auch Chinas Kohlechemie-Industrie unter den Folgen leiden. Das Land versucht, diesen Sektor als strategische Absicherung gegen Lieferunterbrechungen bei Öl und Gas aus dem Nahen Osten auszubauen – ein Vorhaben, das laut SDIC Futures Co. durch die aktuellen Ereignisse Schaden nehmen könnte.
Shanxi ist zudem auf die Förderung von Grubengas (Coal-Bed Methane) spezialisiert, das als Ersatz für herkömmliches Erdgas eingesetzt wird. Eine geringere Förderung könnte die Gasmärkte verengen, wie das chinesische Beratungsunternehmen JLC warnte. Umgekehrt könnten geringere Kohlelieferungen die Nachfrage nach Flüssigerdgas (LNG) – einem wichtigen Kraftstoff für den Gütertransport – schwächen und damit auch internationale LNG-Märkte beeinflussen.


