Grüne Energie gewinnt mit jedem Ölpreisschock an Attraktivität
Geopolitische Krisen am Persischen Golf beschleunigen die Energiewende – Regierungen fragen Investoren nach schnellerem Ausbau erneuerbarer Energien.

Jeder neue Konflikt am Persischen Golf macht erneuerbare Energien attraktiver. Das zeigt sich aktuell besonders deutlich auf den Philippinen: Nachdem die USA und Israel den Iran angegriffen hatten, drohte eine Schließung der Straße von Hormus die Treibstoffversorgung ganz Asiens zu drosseln. Die Reaktion der philippinischen Regierung war unmittelbar – und bezeichnend für einen globalen Trend.
Rahul Agrawal, Vertreter des Infrastrukturinvestors Actis, berichtete, dass sein Unternehmen kurz nach dem Angriff Anrufe von philippinischen Regierungsvertretern erhielt. Die Frage war simpel, aber dringend: Wie schnell könne Actis weitere erneuerbare Energieanlagen bauen? Angesichts einer drohenden Energiekrise suchte die Regierung nach Alternativen zur importabhängigen Treibstoffversorgung.
Mammutprojekt nördlich von Manila
Actis arbeitet bereits an einem der größten Energieprojekte der Philippinen. Geplant ist ein Solar- und Batteriepark nördlich von Manila, der sich über eine Fläche von fast 14 Quadratmeilen erstrecken soll. Das Projekt ist auf eine Versorgung von 2,4 Millionen Haushalten ausgelegt – eine beachtliche Größenordnung, die den strategischen Stellenwert erneuerbarer Energien für die Energiesicherheit des Landes unterstreicht.
Für Agrawal ist die Botschaft klar: Geopolitische Preisschocks bei fossilen Brennstoffen wirken wie ein Katalysator für die grüne Energiewende. Jede Eskalation im Nahen Osten, jede Bedrohung wichtiger Schifffahrtsrouten wie der Straße von Hormus, erhöht den Druck auf importabhängige Länder, ihre Energieversorgung zu diversifizieren und auf heimische, erneuerbare Quellen umzustellen.
Energiesicherheit als treibende Kraft
Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Rund 20 Prozent des globalen Ölhandels passieren diese enge Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman. Eine Blockade oder auch nur die Androhung einer solchen hätte weitreichende Folgen für die Energieversorgung Asiens – einer Region, die stark auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen ist.
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Zur AktienanalyseGenau diese Verwundbarkeit macht erneuerbare Energien für viele Schwellen- und Entwicklungsländer zunehmend attraktiv. Solar- und Windkraft lassen sich lokal erzeugen und sind nicht von volatilen Weltmarktpreisen oder geopolitischen Risiken in fernen Regionen abhängig. Für Länder wie die Philippinen, die kaum eigene fossile Ressourcen besitzen, ist die Energiewende damit nicht nur eine Klimafrage, sondern vor allem eine Frage der nationalen Sicherheit.
Das Beispiel Actis zeigt, wie privates Kapital und staatliches Interesse in solchen Krisenzeiten zusammenfinden. Infrastrukturinvestoren, die bereits in erneuerbaren Projekten engagiert sind, werden in Momenten geopolitischer Unsicherheit zu gefragten Partnern für Regierungen, die ihre Energieversorgung absichern wollen. Der nächste Preisschock dürfte die Nachfrage nach grüner Energie weiter befeuern.


