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Guinness Global Innovators: KI-Wetten, Halbleiter und Software im Fokus

Co-Manager Ian Mortimer erklärt, warum Halbleiter den Fonds beflügeln und Software-Aktien wie Salesforce belasten.

Guinness Global Innovators: KI-Wetten, Halbleiter und Software im Fokus

Ian Mortimer, Co-Manager des Guinness Global Innovators Fund, gibt in einem Interview mit Interactive Investor Einblicke in die Portfoliostrategie seines Fonds. Im Mittelpunkt stehen die starke Performance des gleichgewichteten Portfolios, der KI-Investitionsboom und der Umgang mit dem Ausverkauf bei Software-Aktien.

Der Fonds profitierte laut Mortimer maßgeblich von einer frühzeitigen Übergewichtung im Halbleitersektor. „Ich glaube nicht, dass wir unsere Gewichtung im Halbleiterbereich im Jahr 2018 unbedingt aufgrund unserer damaligen Einschätzung zur künftigen Rolle der KI erhöht haben", erklärt Mortimer. Vielmehr habe das Team damals säkulare Wachstumsthemen identifiziert – darunter Elektrofahrzeuge, das Internet der Dinge (IoT), den Aufbau von Rechenzentren und die Cloud. Diese Themen trieben die Nachfrage nach Halbleitern und erwiesen sich als langfristiger Rückenwind.

Halbleiter als Gewinner, Software unter Druck

Auf der anderen Seite belasteten Software-Aktien die Performance. Unternehmen wie Salesforce (NYSE: CRM) und Roper Technologies (NASDAQ: ROP) gerieten unter Druck, weil der Markt noch nicht abschließend beurteilen kann, welche Softwareanbieter langfristig von der KI profitieren werden. Mortimer beschreibt die zentrale Unsicherheit: Es ist noch unklar, ob Softwareunternehmen KI in ihren eigenen Betrieb integrieren oder ob sich ihr Geschäftsmodell von Software-as-a-Service hin zu nutzungsbasierter Abrechnung verschieben wird.

Interessant ist dabei, dass die Konsensschätzungen der Analysten für die Gewinne vieler Softwareunternehmen in den nächsten drei Jahren keine Verschlechterung, sondern sogar Verbesserungen zeigen. „Ich denke, der Markt fragt sich eher: Was passiert mit diesen Unternehmen in drei, vier oder fünf Jahren?", so Mortimer. Diese Unsicherheit führt zu starken Kursschwankungen – auf Ausverkäufe folgen Erholungsphasen, weil das Narrativ am Markt noch nicht vollständig geklärt ist.

KI-Ausgaben der Hyperscaler: Chancen und Risiken

Ein weiteres zentrales Thema ist das massive Investitionsvolumen der sogenannten Hyperscaler – also der großen Cloud-Anbieter wie Microsoft (NASDAQ: MSFT) mit Azure. Im Jahr 2025 belohnte der Markt steigende Investitionsausgaben (Capex) noch als Zeichen wachsender Nachfrage. Im Verlauf des Jahres 2026 begann der Markt jedoch, die tatsächliche Kapitalrendite (ROI) dieser Ausgaben kritischer zu hinterfragen.

Mortimer bleibt dennoch verhalten optimistisch. Er verweist darauf, dass die Bewertungen dieser großen Unternehmen im Vergleich zum Gesamtmarkt moderat seien – in einigen Fällen würden sie sogar mit einem Abschlag gehandelt. Zudem seien die Bilanzen stark: Die Investitionsausgaben erfolgten noch innerhalb des operativen Cashflows, die Verschuldungsgrade seien niedrig. Als Gegenbeispiel nennt Mortimer Oracle (NYSE: ORCL): Das Unternehmen gebe mehr aus als seinen Cashflow, habe eine deutlich höhere Verschuldung und müsse Schulden aufnehmen, um seine Investitionen zu finanzieren – was sich in einer deutlich schwächeren Kursentwicklung niederschlage.

Gleichgewichtetes Portfolio als Risikopuffer

Ein besonderes Merkmal des Guinness Global Innovators Fund ist sein gleichgewichteter Ansatz. Keine einzelne Aktie soll das Portfolio dominieren. Mortimer räumt ein, dass man im Nachhinein mit einer höheren Nvidia-Gewichtung (NASDAQ: NVDA) mehr hätte verdienen können – verweist aber darauf, dass sich die Aktie während der Haltedauer des Fonds auch zweimal halbiert habe. „Es ist also nicht immer alles ein linearer Aufstieg", betont er.

Das Team trimmt Positionen, wenn sie etwa 5 bis 5,5 Prozent des Portfolios ausmachen. Dieser Ansatz diene dem Management des titelspezifischen Risikos und verhindere eine zu starke Konzentration auf einzelne Gewinner. Mortimer sieht darin eine bewusste Balance zwischen dem Laufenlassen von Gewinneraktien und dem Schutz vor Klumpenrisiken – eine Strategie, die gerade in einem von KI-Euphorie und Unsicherheit geprägten Marktumfeld an Bedeutung gewinnt.

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