Halbleiteraktien: Warnsignale deuten auf mögliche Toppbildung hin
Nach einem Rekordhalbjahr mit 82% Plus zeigen Chip-ETFs extreme Volatilität – Analysten warnen vor Konsolidierung oder bedeutenderem Trendwechsel.

Der VanEck Semiconductor ETF (SMH) schloss sein bestes erstes Halbjahr aller Zeiten ab und legte in den vergangenen sechs Monaten um beeindruckende 82% zu. Zusätzlich verzeichnete der ETF mit einem Plus von 71% den größten Quartalsgewinn seit dem zweiten Quartal 2021. Diese massiven Gewinne trieben den breiten Markt auf Allzeithochs, da Investoren in Scharen einstiegen, um ihr Engagement im Bereich der künstlichen Intelligenz zu erhöhen.
Doch die letzten beiden Handelstage der vergangenen Woche zeichneten ein deutlich anderes Bild. Der SMH fiel am Mittwoch um 5,4% und am Donnerstag um weitere 4,5%. Auslöser war ein Ausverkauf, der durch eine Umschichtung der Händler von KI-bezogenen Aktien in andere Marktsegmente geprägt war.
Extreme Volatilität als Warnsignal
Jonathan Krinsky, Chef-Markttechniker bei BTIG, wies darauf hin, dass der iShares Semiconductor ETF (SOXX) in den letzten sechs Handelstagen tägliche Schwankungen von mindestens 3,9% verzeichnete. „Diese Art von extremer Volatilität in der Nähe eines Hochs deutet bestenfalls auf eine lange Konsolidierungsphase und schlimmstenfalls auf eine bedeutendere Topbildung hin", sagte er. Krinsky fügte hinzu, dass Halbleiterwerte in den Sommermonaten zwar tendenziell gut abschneiden, die Gruppe dies jedoch mit ihren massiven Gewinnen im ersten Halbjahr bereits „vorweggenommen" habe.
Darüber hinaus notieren Optik- und Elektronikaktien weit unter ihren 52-Wochen-Hochs und haben laut Krinsky „noch erhebliches Abwärtspotenzial, bevor eine stärkere Unterstützung greift". Rechenzentrumsaktien sind zudem unter ihre gleitenden 50-Tage-Durchschnitte gefallen – ein weiteres technisches Warnsignal für den Sektor.
Der SOXX ETF schloss den letzten Handelstag der Woche – die US-Märkte waren am Freitag wegen des Feiertags zum 4. Juli geschlossen – bei 566,32 US-Dollar. Das liegt nur einen Bruchteil über seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 566,02 US-Dollar, was die angespannte technische Lage unterstreicht.
Blasensignal bereits Ende April ausgelöst
Jeff deGraaf, Leiter der technischen Analyse bei RenMac, merkte an, dass das SOX-Blasensignal seines Unternehmens bereits Ende April ausgelöst wurde – „und der Chip-Sektor nun der einzige Bereich des Marktes ist, der sich in einer Blase befindet." Er beschrieb die aktuelle Entwicklung als breiten, sich noch bestätigenden „Blow-off" nach dem Muster von 1995 und 2000 – und nicht wie das divergente Abkippen, das das Top von 2022 markierte.
Trotz der Warnsignale bleiben viele Wall-Street-Analysten optimistisch für die Chiphersteller. James Schneider von Goldman Sachs hob seine Kursziele für AMD und Applied Materials an. Das Analysehaus Bernstein erhöhte das Kursziel für den Halbleiterausrüster ASML. Solche Kurszielerhöhungen zeigen, dass die fundamentale Überzeugung in den Sektor bei vielen Marktteilnehmern ungebrochen ist.
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Zur AktienanalyseRotation in Gesundheitsaktien als Gegentrend
DeGraaf betonte zudem einen wichtigen Lichtblick: Nicht der gesamte Aktienmarkt befinde sich in einer Blase – nur die Chiphersteller. Krinsky stellte ergänzend fest, dass der Gesundheitssektor des S&P 500 nach oben ausbricht. Der XLV ETF, der die Branche abbildet, stieg im vergangenen Monat um 7% und übertraf damit den S&P 500, der im gleichen Zeitraum lediglich um 4% zulegte.
Dennoch warnte Krinsky vor einem übergeordneten Risiko: „Ein potenzielles Warnsignal ist die Tatsache, dass aufgrund der Korrelationen auf einem 20-Jahres-Tief das Risiko einer umfassenderen ‚Risk-off'-Bewegung im weiteren Verlauf des Sommers besteht." Er fügte hinzu: „Momentan halten wir dies für verfrüht und würden auf die Rotation setzen, aber das Thema rückt stärker in unseren Fokus." Für Anleger bedeutet das: Die Entwicklung im Halbleitersektor bleibt in den kommenden Wochen ein zentrales Beobachtungsfeld.

