Hälfte der japanischen Firmen leidet unter BoJ-Zinserhöhungen
Eine Reuters-Umfrage zeigt: 49% der japanischen Unternehmen spüren negative Folgen der Zinswende der Bank of Japan.

Fast die Hälfte der japanischen Unternehmen leidet unter den Zinserhöhungen der Bank of Japan (BoJ). Das zeigt eine Reuters-Umfrage, die am 16. Juli veröffentlicht wurde. Höhere Kreditkosten belasten die Unternehmensgewinne und bremsen Investitionen – ein deutliches Signal an die Notenbank vor ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung Ende Juli.
Konkret gaben rund 5% der befragten Unternehmen an, erhebliche negative Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb zu spüren. Weitere 44% berichteten von eher negativen Effekten. 46% der Befragten meldeten hingegen keine Auswirkungen, und lediglich 5% verzeichneten positive Effekte durch die höheren Zinsen.
Die BoJ hatte ihre jahrelange Negativzinspolitik im Jahr 2024 beendet. Im vergangenen Monat hob sie ihren kurzfristigen Leitzins von 0,75% auf 1,0% an – das höchste Niveau seit 31 Jahren. Die Notenbank signalisierte zudem Bereitschaft zu weiteren Zinsschritten, um den Preisdruck infolge des Energieschocks durch den Konflikt im Nahen Osten zu bekämpfen.
Unternehmen warnen vor weiteren Zinsschritten
„Die Zinslast ist gegenüber dem Vorjahr bereits stark gestiegen. Eine weitere Erhöhung hätte große Auswirkungen auf unser Unternehmen", schrieb ein Vertreter eines Maschinenbauers in der Umfrage. Auch ein Manager eines Transportunternehmens schilderte die Herausforderungen: „Es ist nicht einfach, unsere an Negativ- oder Niedrigzinsen gewöhnte Denkweise zu ‚normalisieren', wenn wir mit Kreditkosten für Bankdarlehen konfrontiert werden."
Gefragt nach dem wünschenswerten Zeitpunkt für eine weitere Zinserhöhung, zeigt sich ein gespaltenes Bild. 12% der Befragten befürworten eine Erhöhung noch im laufenden Quartal (Juli bis September), je 27% votieren für das vierte Quartal 2025 oder das erste Halbjahr 2027. Immerhin 26% lehnen eine weitere Erhöhung grundsätzlich ab.
Hinsichtlich der Investitionsschwellen gaben 12% der Befragten an, dass ein Leitzins von 1,25% bereits Investitionen drosseln würde. 16% sehen die kritische Schwelle bei 1,5%, und 27% erst bei Zinsen über 1,5%. Bemerkenswert: Fast ein Drittel der Befragten erklärte, dass Investitionen im aktuellen Zinsumfeld bereits beeinträchtigt werden.
Während viele Unternehmen unter den höheren Zinsen leiden, profitiert der Bankensektor. Die Mitsubishi UFJ Financial Group stieg in dieser Woche zur wertvollsten Aktie Japans nach Marktkapitalisierung auf – getrieben von der Erwartung der Anleger, dass höhere Zinsen die Bankgewinne steigern.
Schwacher Yen belastet Importeure
Neben den Zinssorgen beschäftigt die japanischen Unternehmen auch die anhaltende Yen-Schwäche. 55% der Befragten bewerteten den schwachen Yen als negativ für ihre Ergebnisse, während ein Drittel ihn als positiv einstufte. Exporteure profitieren zwar vom höheren Yen-Wert ihrer Auslandsgewinne, doch für importabhängige Branchen steigen die Kosten erheblich.
„Die Kosten sind gestiegen, da wir importierte Materialien verwenden, und es ist schwierig, die Preise für unsere Produkte anzuheben", sagte ein Manager eines Lebensmittelunternehmens. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran treibt zusätzlich die Preise für Öl und ölverwandte Produkte in die Höhe.
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Zur AktienanalyseAnfang Juli fiel der Yen auf ein 40-Jahres-Tief von 162,84 Yen gegenüber dem US-Dollar. Die japanische Regierung hatte von Ende April bis Anfang Mai einen Rekordbetrag von 11,7 Billionen Yen (umgerechnet rund 72,18 Milliarden US-Dollar) für Devisenmarktinterventionen aufgewendet, um die Yen-Schwäche einzudämmen – der damit verbundene Aufschwung des Yen hielt jedoch nicht an.
Auf die Frage nach einem angemessenen Wechselkurs für ihre Geschäfte wählten 28% der Befragten eine Spanne von 140 bis 149,99 Yen pro Dollar, 27% präferierten 150 bis 159,99 Yen. Nur 1% hält einen Kurs von 160 Yen oder mehr für akzeptabel. Rund 18% der Unternehmen erwägen, ihre Wechselkursannahmen für das laufende Geschäftsjahr anzupassen, 5% haben dies bereits getan.
Die Umfrage wurde von Nikkei Research im Auftrag von Reuters vom 1. bis 10. Juli durchgeführt. Von 511 kontaktierten Unternehmen antworteten 218 unter der Bedingung der Anonymität. Die nächste geldpolitische Sitzung der BoJ ist für den 30. bis 31. Juli geplant – die Ergebnisse der Umfrage dürften die Debatte über das weitere Vorgehen der Notenbank befeuern.


