Hims & Hers: Markenwechsel bei Adipositas-Medikamenten belastet Quartalsergebnis
Der Telemedizin-Anbieter verzeichnet einen unerwartet hohen Verlust – die Aktie bricht nachbörslich um 6 Prozent ein.

Hims & Hers Health hat für das zweite Quartal 2025 einen deutlich höher als erwartet ausgefallenen Verlust gemeldet. Der Nettoverlust belief sich auf 37 Cent pro Aktie – Analysten hatten laut LSEG-Daten lediglich einen Verlust von 1 Cent pro Aktie prognostiziert. Die Aktie des Telemedizin-Unternehmens reagierte mit einem Kurseinbruch von 6 Prozent im nachbörslichen Handel.
Haupttreiber des Verlustes ist die strategische Umstellung auf Markenmedikamente im Bereich GLP-1 zur Gewichtsreduktion. Dieser Übergang verursachte im zweiten Quartal Restrukturierungskosten in Höhe von 4,6 Millionen US-Dollar. Führungskräfte und Investoren räumten ein, dass der laufende Ausbau die Bruttomargen spürbar belastet habe.
Starkes Abonnentenwachstum trotz Kostendruck
Trotz der erhöhten Kosten zeigt das operative Geschäft von Hims & Hers deutliche Wachstumssignale. Die Zahl der Abonnenten stieg im zweiten Quartal auf knapp 2,9 Millionen – ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der monatliche Online-Umsatz pro durchschnittlichem Abonnenten kletterte um 21 Prozent auf 92 US-Dollar.
Das Unternehmen hob seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr deutlich an: von bisher 2,8 bis 3,0 Milliarden US-Dollar auf nun 3,1 bis 3,3 Milliarden US-Dollar. In dieser Prognose ist der Beitrag von Eucalyptus enthalten, einem australischen Digital-Health-Unternehmen, dessen Übernahme im Februar vereinbart wurde. Die meisten Analysten berücksichtigen die Eucalyptus-Umsätze in ihren Schätzungen bislang nicht.
Finanzvorstand Yemi Okupe betonte gegenüber Reuters, dass das Kerngeschäft die ursprünglichen Erwartungen übertroffen habe: „Selbst wenn man Eucalyptus aus der Prognose herausrechnet, lagen das Inlandsgeschäft und das bestehende internationale Geschäft bereits über unserer Prognosespanne." Okupe zeigte sich zudem zuversichtlich hinsichtlich der langfristigen Cashflow-Entwicklung: „Haben wir die Fähigkeit, das Fundament für starke Cashflows in der Zukunft zu legen? Die Antwort lautet ganz klar: Ja."
Internationale Expansion drückt auf die Margen
Das Unternehmen geht davon aus, dass die Bruttomargen aufgrund der beschleunigten Aktivitäten im Bereich Gewichtsreduktion und der internationalen Expansion vorerst unter dem historischen Niveau bleiben werden. Paul Cerro, Chief Investment Officer bei Cedar Grove Capital Management und Anteilseigner von Hims, kommentierte die internationale Strategie nüchtern: „Es ist kein schlechtes Geschäft. Es ist nur nicht so lukrativ." Er ergänzte, dass viele internationale Märkte zwar weniger profitabel seien als die USA, langfristig jedoch höhere Umsätze generieren könnten.
Hims & Hers vertreibt ein breites Spektrum an Behandlungen, darunter Medikamente zur Gewichtsreduktion und Hormontherapien. Das Unternehmen investiert zunehmend in Diagnostik und Laborinfrastruktur, um seine Strategie der personalisierten Pflege auszubauen. Anfang des Jahres erwarb Hims zudem eine Produktionsstätte für Peptide in Kalifornien und testet derzeit Inhaltsstoffe für die Herstellung entsprechender Präparate.
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Zur AktienanalyseRückkehr zur Profitabilität erst 2027 erwartet
Angesichts der laufenden Investitionen erwartet Hims & Hers die Rückkehr in die Gewinnzone erst im Jahr 2027. Raul Shah, Chief Investment Officer bei DocShah Financial, geht davon aus, dass das Unternehmen in fünf Jahren zu seinen historischen Gewinnmargen zurückfinden wird. Langfristig hält Hims an seinem ambitionierten Umsatzziel von 6,5 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030 fest.
Regulatorisch bewegt sich das Unternehmen in einem dynamischen Umfeld: Ein Beratungsausschuss der US-Arzneimittelbehörde FDA sprach sich im Juli dafür aus, Beschränkungen aus der Biden-Ära für die Herstellung von sechs Peptiden aufzuheben – trotz Warnungen von FDA-Mitarbeitern, dass Belege für deren Sicherheit und Wirksamkeit fehlten. Okupe betonte, man sei zuversichtlich, Peptid-Produkte in großem Umfang anbieten zu können, sofern die US-Vorschriften dies erlauben.


