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Hochtief steigt in den DAX – Geopolitik belastet Börsenstimmung

Nach 30 Jahren kehrt der Essener Baukonzern Hochtief in Deutschlands erste Börsenliga zurück und ersetzt die Porsche SE.

Hochtief steigt in den DAX – Geopolitik belastet Börsenstimmung

Die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx hat im Rahmen ihrer vierteljährlichen Index-Überprüfung weitreichende Anpassungen für die DAX-Familie bekannt gegeben. Die Änderungen treten zum 22. Juni in Kraft. Das bedeutendste Ereignis: Der Essener Baukonzern Hochtief steigt erstmals seit 30 Jahren wieder in den deutschen Leitindex DAX auf.

Hochtief ersetzt dort die Porsche SE, den Großaktionär von Volkswagen, der in den MDAX absteigt. Der Aufstieg kommt für Marktbeobachter nicht überraschend. Das Unternehmen hat massiv vom globalen Bauboom bei Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) sowie von staatlichen Infrastrukturprogrammen und weltweit steigenden Verteidigungsausgaben profitiert.

Innerhalb eines Jahres hat sich der Aktienkurs von Hochtief nahezu verdreifacht. Mit einem Börsenwert von über 38 Milliarden Euro erfüllt das Unternehmen die Kriterien für den DAX – obwohl der Streubesitz mit 22,5 Prozent vergleichsweise gering ist. Der Großteil der Anteile verbleibt beim spanischen Infrastrukturriesen ACS. In der maßgeblichen Mai-Rangliste belegte Hochtief Platz 32, was den Aufstieg per sogenannter „Fast Entry"-Regel ermöglichte. Die Lufthansa verpasste den Wiedereinstieg in den DAX auf Platz 34 erneut knapp.

Halbleiter-Fokus im MDAX

Die Index-Anpassungen betreffen auch die Nebenwerteindizes. Im MDAX kommt es zu einem deutlichen Fokus auf die Halbleiterbranche: Die Unternehmen Suss Microtec, Elmos Semiconductor und Siltronic steigen aus dem SDAX auf. Sie ersetzen Redcare Pharmacy, Ströer und Jungheinrich, die in den SDAX absteigen.

Der SDAX selbst erfährt eine umfassende Neuausrichtung mit sieben neuen Mitgliedern, darunter die Börsenneulinge Vincorion und Asta Energy Solutions. Gleichzeitig müssen bekannte Namen wie Borussia Dortmund und ProSiebenSat.1 den SDAX verlassen, ebenso wie Adesso und die Verve Group.

Parallel zu diesen strukturellen Veränderungen steht der deutsche Aktienmarkt unter dem Eindruck einer angespannten geopolitischen Lage. Der DAX startete mit einem erwarteten Minus von 0,2 Prozent bei 24.745 Punkten in den Handel, nachdem bereits am Vortag Verluste von über einem Prozent verzeichnet wurden. Belastend wirken die erneuten Spannungen im Nahen Osten, insbesondere die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran trotz bestehender Waffenruhe.

Ein Lichtblick bleibt die Einigung zwischen Israel und dem Libanon auf einen Weg zur Umsetzung einer wirksamen Waffenruhe. Dies spiegelt sich bereits in sinkenden Preisen für Nordsee-Rohöl (Brent) wider. Dennoch verliert auch die KI-Rally, die den Markt über Monate getragen hat, an Dynamik. Nach einer Rekordserie konnten der S&P 500 und der Nasdaq 100 in den USA keine neuen Höchststände mehr erreichen, was weltweit zu Gewinnmitnahmen führte – unter anderem im japanischen Nikkei 225 und dem koreanischen Kospi.

SpaceX-Börsengang und Commerzbank-Übernahmestreit

Ein weiteres Großereignis wirft seine Schatten voraus: In den USA bereitet Tech-Milliardär Elon Musk den Börsengang seines Raumfahrtunternehmens SpaceX vor. Mit einem angestrebten Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie könnte das Unternehmen 75 Milliarden Dollar einsammeln, was einer Gesamtbewertung von rund 1,8 Billionen Dollar entspräche. Es wäre der voraussichtlich größte Börsengang der Geschichte.

Auf dem deutschen Parkett sorgt zudem der Übernahmekampf um die Commerzbank für Unruhe. Die Frankfurter Bank hat bei der Finanzaufsicht BaFin Bedenken gegen das Vorgehen der italienischen UniCredit angemeldet. Die Commerzbank kritisiert, dass die von den Italienern kommunizierten Daten zu ihrem Anteil von 34,35 Prozent „ohne ergänzende Erläuterungen irreführend" seien.

Die Bank wirft der UniCredit vor, ihre Position durch die Einbeziehung von Derivatepositionen künstlich aufzublähen, um den Markt zu beeinflussen. Eine offizielle Stellungnahme der BaFin zu diesen Vorwürfen steht bislang noch aus.

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