Hormuz-Spannungen treiben Ölpreise und neue US-Sanktionen gegen Iran
Angriffe auf Öltanker in der Straße von Hormuz lassen Brent-Futures um 5,5 Prozent steigen und zwingen Washington zu harten Gegenmaßnahmen.

Die geopolitische Lage rund um die Straße von Hormuz hat sich drastisch verschlechtert. Erneute Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran, darunter Angriffe auf internationale Schiffstanker, haben die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt. Brent-Rohöl-Futures steuern auf ein wöchentliches Plus von 5,5 Prozent zu – mit spürbaren Folgen für amerikanische Verbraucher an der Zapfsäule.
Alex Hodes, Direktor für Energiemarktstrategien bei StoneX, bezeichnete den „massiven Anstieg beim Rohöl" als direkte Folge der Tankerangriffe. Die Straße von Hormuz ist eine der wichtigsten maritimen Engstellen der Welt und wickelte vor dem Konflikt rund 20 Prozent der täglichen globalen Öl- und Gasversorgung ab. Die Unterbrechung dieser Route trifft die Märkte daher mit voller Wucht.
Zusätzlich hat Washington eine Generallizenz widerrufen, die zuvor den Verkauf iranischen Öls erlaubte. Diese Entscheidung verschärft die Versorgungsängste weiter und heizt die Preisspirale zusätzlich an.
Benzinpreise auf Jahreshoch – politischer Druck auf Trump-Regierung
Der Preisanstieg trifft die USA mitten in der Hauptreisesaison des Sommers. Die durchschnittlichen US-Benzinpreise stiegen in der vergangenen Woche um sechs Cent auf 3,88 Dollar pro Gallone – der größte wöchentliche Anstieg seit Mitte Mai. Das stellt die Trump-Regierung vor eine erhebliche politische Herausforderung im Vorfeld der Midterm-Wahlen im November.
Präsident Trump reagierte mit scharfer Kritik an Ölkonzernen und warf ihnen Preistreiberei vor. Er forderte das Justizministerium auf, entsprechende Untersuchungen einzuleiten. Darüber hinaus startete die Regierung lokale Preissenkungsinitiativen in Pennsylvania und New Jersey, um die Auswirkungen auf die Wähler abzufedern.
Die Versorgungsengpässe beschränken sich nicht auf den Nahen Osten. In Russland haben wiederholte Angriffe auf Infrastruktur die Produktion von Benzin, Diesel und Kerosin stark dezimiert, was Moskau zu Exportbeschränkungen und erhöhten Importen zwingt. In den USA selbst kämpft der Raffineriesektor mit ungeplanten Ausfällen: Betroffen sind unter anderem Marathon Petroleums Raffinerie in Detroit mit einer Kapazität von 146.000 Barrel pro Tag sowie Deltas Anlage in Trainer, Pennsylvania, mit 190.000 Barrel pro Tag.
Die US-Energiebehörde EIA meldete zuletzt einen Rückgang der Benzinvorräte um 1,9 Millionen Barrel auf 212,1 Millionen Barrel – ein Stand, der knapp 10 Millionen Barrel unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegt. Besonders angespannt ist die Lage an der Golfküste, dem wichtigsten Raffineriezentrum der USA: Dort sanken die Lagerbestände auf 76,4 Millionen Barrel, verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von 82,3 Millionen Barrel.
US-Finanzministerium verschärft Sanktionen gegen iranische Netzwerke
Parallel zur militärischen Auseinandersetzung eskaliert Washington auch den Wirtschaftskrieg gegen Teheran. Finanzminister Scott Bessent kündigte neue Sanktionen gegen Ali Ansari an, einen zentralen Finanzier des iranischen Obersten Führers Mojtaba Khamenei. Laut US-Finanzministerium verwaltete Ansari ein globales Netzwerk aus Immobilien und Unternehmensbeteiligungen in Europa, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Vereinigten Königreich, um Regimefunktionäre und die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) zu bereichern.
Ansari war zuvor Eigentümer der Ayandeh Bank, die bereits sanktioniert worden war und im Oktober 2025 kollabierte. Das Finanzministerium wirft ihm vor, durch übermäßige Kredite und Scheinfirmen – darunter die auf Saint Kitts und Nevis registrierte Smart Global Limited – Milliarden von Dollar iranischer Bürger veruntreut zu haben.
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus sanktionierte das Finanzministerium drei große iranische Devisenwechselstuben: Mohammad Darbani and Partners, Lavasani and Partners sowie Mohsen Khandan and Partners. Diese sollen gemeinsam Hunderte Millionen Dollar in Fremdwährung für bereits sanktionierte iranische Banken wie Bank Melli, Bank Saderat und Bank Sepah halten. Zur Abwicklung dieser Transaktionen wurden zudem zwei Tarnfirmen designiert: die in Hongkong ansässige CDM Trading Limited und die in den VAE registrierte Naba Alzaki Raw Materials Trading LLC. Alle betroffenen Vermögenswerte innerhalb der US-Jurisdiktion werden eingefroren; US-Personen ist jede Transaktion mit diesen Entitäten untersagt.
Marktausblick: Volatilität bleibt das bestimmende Thema
Während die USA zuletzt Rekordmengen an Erdölprodukten exportierten – in der Woche bis zum 3. Juli waren es 8,7 Millionen Barrel pro Tag – profitieren Raffinerien von starken Margen. Doch die Kombination aus geopolitischer Instabilität im Nahen Osten und inländischen Versorgungsengpässen lässt wenig Spielraum für Entspannung.
Denton Cinquegrana von Dow Jones Energy fasste die Lage treffend zusammen: „Es scheint, dass die Preise kurzfristig vor allem auf und ab driften werden." Für Händler und Verbraucher gleichermaßen bleibt die Lage angespannt – und das mitten in der umsatzstärksten Reisesaison des Jahres.

