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Hyundai warnt: Nahost-Konflikt stört Autoexporte nach Europa massiv

Der südkoreanische Automobilriese Hyundai Motor schlägt Alarm wegen schwerer Lieferkettenstörungen durch den eskalierenden Nahost-Konflikt.

Hyundai warnt: Nahost-Konflikt stört Autoexporte nach Europa massiv

Hyundai Motor hat am Freitag offiziell vor erheblichen Exportstörungen gewarnt, die durch den anhaltenden Nahost-Konflikt verursacht werden. Betroffen sind vor allem Lieferungen nach Europa und Nordafrika, die normalerweise über Schifffahrtsrouten durch den Nahen Osten abgewickelt werden. Das Unternehmen gehört gemeinsam mit seiner Tochtergesellschaft Kia Corp zu den drei größten Automobilherstellern der Welt gemessen am Absatz.

Kim Dong-jo, Senior Vice President im Global Policy Office von Hyundai Motor, sprach am Hafen von Pyeongtaek-Dangjin, südwestlich von Seoul. Dort kamen Regierungsvertreter, Logistikunternehmen und Automobilhersteller zusammen, um die Auswirkungen des Konflikts zu bewerten. „Selbst wenn der Konflikt endet, wird es beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen, die bestehenden Lieferketten wiederaufzubauen und wiederherzustellen", sagte Kim.

Die Kulisse des Treffens war dabei symbolisch: Am Kai des Hafens standen Fahrzeuge in langen Reihen, bereit zur Verladung auf einen riesigen Autotransporter, der rund 4.900 Fahrzeuge an die US-Westküste liefern soll. Das Bild verdeutlicht die Dimension des globalen Automobillogistikgeschäfts – und wie anfällig es für geopolitische Störungen ist.

Logistikkosten steigen, Routen werden umgeleitet

Die Logistiksparte der Hyundai Motor Group, Hyundai Glovis, bestätigte, dass bestimmte Routen im Nahen Osten derzeit nicht nutzbar sind. Das Unternehmen ist gezwungen, Fracht vorübergehend an alternativen Standorten zwischenzulagern, bis sich die Lage stabilisiert. Zwar seien die Routen an die amerikanische West- und Ostküste bislang nicht wesentlich beeinträchtigt, doch höhere Treibstoffkosten und eingeschränkter Zugang zum Nahen Osten belasten Betrieb und Effizienz spürbar.

Südkoreas Handelsminister Yeo Han-koo erläuterte, dass einige Lieferungen zu Zwischenknotenpunkten wie Sri Lanka umgeleitet werden, wo sie auf günstigere Transportbedingungen warten. Dieses Problem ist nicht neu: Reuters berichtete bereits im Vormonat, dass japanische Gebrauchtwagenexporte Sri Lanka nicht mehr erreichen konnten, weil dortige Häfen durch umgeleitete Fracht aus Dubai überlastet waren. Der Stau in den globalen Schifffahrtsrouten pflanzt sich also weiter fort.

Kim Dong-jo betonte zudem, dass steigende Logistikkosten und rohstoffbedingte Engpässe auch die Zulieferer und die Produktion unter Druck setzten. Hyundai arbeite daher eng mit Zulieferern und der südkoreanischen Regierung zusammen, um die Störungen so gering wie möglich zu halten.

Absatzzahlen und Börsenkurs unter Druck

Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits in den aktuellen Verkaufszahlen sichtbar. Hyundai Motor meldete für März weltweit 358.759 verkaufte Fahrzeuge – ein Rückgang von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Sowohl die Inlandsverkäufe (-2,0 %) als auch die Auslandsverkäufe (-2,4 %) gaben nach. Lieferunterbrechungen kompensierten dabei die weiterhin starke Nachfrage nach umweltfreundlichen Fahrzeugen.

Auf makroökonomischer Ebene zeigt sich ein gemischtes Bild für Südkorea: Die Gesamtexporte des Landes verzeichneten im März das stärkste Wachstum seit fast vier Jahrzehnten. Doch die Lieferungen in den Nahen Osten brachen um dramatische 49 Prozent ein – ein deutliches Zeichen, wie stark der Konflikt diese Handelsbeziehungen belastet.

An der Börse reagierten die Anleger verhalten. Die Aktien von Hyundai Motor schlossen am Freitag mit einem Minus von 1,2 Prozent, Hyundai Glovis verlor 0,7 Prozent. Damit entwickelten sich beide Titel deutlich schlechter als der südkoreanische Leitindex KOSPI, der am selben Tag um 2,7 Prozent zulegte.

Globale Lieferketten bleiben anfällig

Der Fall Hyundai steht exemplarisch für ein globales Problem: Die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von stabilen Schifffahrtsrouten durch den Nahen Osten ist enorm. Bereits der Angriff auf Handelsschiffe im Roten Meer durch die Huthi-Miliz hatte Anfang des Jahres zu massiven Umwegen und Kostensteigerungen geführt. Nun verstärkt der Iran-Konflikt diese Dynamik weiter.

Für deutsche Automobilimporteure und Verbraucher bedeutet dies: Lieferverzögerungen und potenziell steigende Fahrzeugpreise könnten auch hierzulande spürbar werden, sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht bald entspannen. Die Warnung von Hyundai, dass selbst ein baldiges Kriegsende keine schnelle Normalisierung bringen werde, lässt wenig Raum für Optimismus.

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