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ifo-Umfrage: Deutschlands Baubranche versinkt tiefer im Pessimismus

Das Geschäftsklima im Wohnungsbau fällt weiter – Auftragsmangel, Materialengpässe und steigende Stornierungen belasten die Branche.

ifo-Umfrage: Deutschlands Baubranche versinkt tiefer im Pessimismus

Das Stimmungsbarometer der deutschen Baubranche zeigt weiter nach unten. Das Geschäftsklima im Wohnungsbau sank laut einer aktuellen ifo-Umfrage im Juni auf minus 31,0 Punkte – nach minus 29,5 Punkten im Mai. Damit verschlechtert sich die Lage sowohl bei der Einschätzung des laufenden Geschäfts als auch beim Ausblick auf die kommenden Monate.

„Der Wohnungsbau verharrt in einer Phase der Unsicherheit", kommentiert Klaus Wohlrabe vom Münchner ifo Institut die Ergebnisse. „Viele Unternehmen sehen derzeit keine Anzeichen für eine nachhaltige Belebung des Wohnungsbaus", so der Ökonom weiter. Die Stimmung unter den befragten Unternehmen bleibt damit auf einem besorgniserregenden Tiefstand.

Auftragsmangel und Materialengpässe verschärfen die Lage

Der operative Druck auf die Unternehmen wächst spürbar. Der Anteil der Betriebe, die über fehlende Aufträge klagen, stieg von 42,2 auf 43,7 Prozent. Gleichzeitig berichtet fast jedes zehnte Unternehmen erneut von Engpässen bei wichtigen Vorprodukten – ein Problem, das die Branche seit Monaten belastet.

Hinzu kommt die geopolitische Lage: Der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus haben die Energiepreise stark steigen lassen. Das treibt die Inflation an und verschärft bestehende Materialengpässe zusätzlich. Viele Investoren und private Bauherren reagieren mit Zurückhaltung. Die Stornierungsquote bei Projekten verharrt im Juni bei erhöhten 11,4 Prozent.

Zwar galt die steigende Zahl an Baugenehmigungen zuletzt als Hoffnungsschimmer für die Branche. Doch laut den Wirtschaftsforschern würde selbst ein Rückgang der Stornierungen die fehlenden Neuaufträge nicht ausgleichen können.

Wohnungsmangel in Deutschland erreicht kritisches Ausmaß

Die Folgen dieser Entwicklung sind gravierend. Nach einer Auswertung des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen. In diesem Jahr dürften bundesweit nur noch etwa 200.000 Einheiten fertiggestellt werden – so die Einschätzung des Immobilienverbands GdW. Der tatsächliche Bedarf liegt jedoch bei rund 320.000 Wohnungen pro Jahr. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wächst damit weiter.

Für Privatanleger, die in Immobilienaktien oder REITs investiert sind, sind diese Zahlen ein wichtiges Signal. Ein anhaltend schwacher Wohnungsbau belastet nicht nur Bauunternehmen direkt, sondern wirkt sich auch auf Zulieferer, Baustoffhersteller und den gesamten Immobiliensektor aus.

Politik sucht nach Lösungen – Experten mahnen zur Eile

Die Bundesregierung hat das strukturelle Problem erkannt und will mit dem neuen „Gebäudetyp E" sowie reduzierten Bauvorschriften gegensteuern. Ein entsprechender Gesetzentwurf befindet sich in Arbeit. Experten bewerten den Ansatz grundsätzlich als richtig, betonen aber, dass er konsequent zu Ende gedacht werden müsse.

Auch staatliche Förderprogramme stehen in der Kritik. Bislang würden vor allem aufwendige und teure Neubauten gefördert – eine Ausrichtung, die angesichts des massiven Wohnungsmangels dringend angepasst werden müsse. Ob die politischen Maßnahmen rechtzeitig greifen, bleibt abzuwarten.

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