IG Metall kritisiert Stopp grüner Stahlpläne scharf
Gewerkschaft fordert Krisengipfel und sieht tausende Arbeitsplätze in Gefahr

ArcelorMittal will die geplante Umstellung seiner Werke in Bremen und Eisenhüttenstadt auf eine klimaneutrale Stahlproduktion nicht weiterverfolgen. Die Entscheidung des Konzerns sorgt für massive Kritik seitens der IG Metall. Die Gewerkschaft sieht dadurch die Zukunft tausender Arbeitsplätze gefährdet und fordert von der Bundesregierung rasches Handeln. Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, sprach von einer strategisch kurzsichtigen und unternehmerisch falschen Entscheidung. Mit Blick auf die Beschäftigten und die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen sei dieser Schritt „in höchstem Maße unverantwortlich“.
Geplant war, bei der Stahlproduktion künftig auf Wasserstoff statt Kohle zu setzen. Dieser sollte aus erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solarstrom gewonnen werden. ArcelorMittal hatte für das Projekt bereits staatliche Förderungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt bekommen. Dennoch erklärte der Konzern, dass das Vorhaben selbst mit Subventionen nicht wirtschaftlich sei und deshalb verworfen werde. Der Rückzug bedeutet nicht nur das vorläufige Aus für das Projekt in den beiden deutschen Werken, sondern stellt auch einen Rückschlag für die gesamte Industriepolitik dar.
Die IG Metall fordert nun Konsequenzen. Kerner appellierte an die Bundesregierung, sofort einen Krisengipfel für die Stahlindustrie einzuberufen. Er betonte, dass die Beschäftigten in Bremen und Eisenhüttenstadt sich auf den Umbau eingelassen hätten und die politischen Rahmenbedingungen mittlerweile besser seien als noch vor einigen Jahren. Besonders die Entwicklung der Strompreise sei positiv. In seinen Worten seien es die Manager von ArcelorMittal, die als Einzige „die Nerven verlieren und wackeln“.
Auch mit Blick auf die Klimaziele Deutschlands ist die Entscheidung des Stahlkonzerns ein herber Dämpfer. Die Stahlbranche zählt zu den größten CO₂-Emittenten im Land und spielt somit eine zentrale Rolle beim industriellen Klimaschutz. Der Ausstieg aus der geplanten „grünen“ Transformation in Bremen und Eisenhüttenstadt wirft daher auch grundsätzliche Fragen zur strategischen Ausrichtung der Industriepolitik auf.
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Zur AktienanalyseKerner forderte grundlegende politische Unterstützung. Es sei nicht hinnehmbar, dass Frankreich mit einem politisch geförderten Industriestrom Tatsachen schaffe, während Deutschland noch immer nach europarechtlich konformen Lösungen suche. Der Umbau der Stahlindustrie müsse zur Chefsache gemacht werden, so der IG-Metall-Vize.


