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Illegaler Goldbergbau überholt Kokain als Einnahmequelle des organisierten Verbrechens

Steigende Goldpreise und schwache Strafverfolgung machen illegalen Bergbau lukrativer als Drogenhandel – mit globalen Folgen für Finanzsysteme.

Illegaler Goldbergbau überholt Kokain als Einnahmequelle des organisierten Verbrechens

Der illegale Goldbergbau hat sich zu einem der profitabelsten Geschäftszweige des organisierten Verbrechens entwickelt. Für einige kriminelle Gruppen hat er Kokain als wichtigste Einnahmequelle bereits überholt. Finanzinstitute, Raffinerien und Regierungen weltweit sehen sich damit einer schnell wachsenden Bedrohung durch illegale Finanzströme ausgesetzt.

Jahrzehntelang prägte Kokain das organisierte Verbrechen in ganz Lateinamerika. Heute haben steigende Goldpreise und eine schwächere Strafverfolgung den illegalen Bergbau in ein Geschäft mit geringerem Risiko und höherer Rendite verwandelt. Das erklärt Julia Yansura, Programmdirektorin für Umweltkriminalität und illegale Finanzströme bei der FACT Coalition.

„Illegales Gold ist zu einem Geschäft mit geringem Risiko und hoher Belohnung geworden", sagte Yansura gegenüber Mining.com. „Es generiert enorme Gewinne bei einer viel geringeren Wahrscheinlichkeit der Entdeckung oder Strafverfolgung als der illegale Drogenhandel."

Dieser Wandel spiegelt eine umfassendere Transformation des organisierten Verbrechens wider. Kriminelle Organisationen haben ihre Aktivitäten auf Bereiche wie illegalen Bergbau, Erpressung und Waffenhandel ausgeweitet. Dabei wählen sie gezielt jene Märkte, die die höchsten Renditen bei der geringsten Entdeckungswahrscheinlichkeit bieten.

Die Regierungen haben sich jedoch langsamer angepasst. Jahrzehntelange Investitionen in die Drogenbekämpfung haben dazu geführt, dass der illegale Bergbau vergleichsweise vernachlässigt wurde. Dies ermöglichte es kriminellen Gruppen, in ein Geschäft zu expandieren, das umfassendere kriminelle Operationen finanziert und gleichzeitig massive Umweltschäden verursacht.

Goldwäsche: Wie illegales Metall in legale Märkte gelangt

Im Gegensatz zu Kokain kann illegal abgebautes Gold vergleichsweise einfach in legitime Lieferketten integriert werden – das macht es für das organisierte Verbrechen besonders attraktiv. Yansura erklärte, dass illegales Gold oft bereits in der Nähe der Mine mithilfe gefälschter Dokumente oder falscher Identitäten gewaschen wird. Wenn Raffinerien, Händler oder Banken mit dem Metall in Berührung kommen, erscheint es auf dem Papier häufig legitim.

Eine weitere Schwachstelle ist das sogenannte „Handgepäck-Schlupfloch". Während Reisende, die in die USA einreisen oder diese verlassen, Bargeld über 10.000 US-Dollar deklarieren müssen, gelten vergleichbare Meldepflichten nicht für Goldbarren. Dies ermöglicht es kriminellen Organisationen, hochwertiges Gold mit weitaus geringerer Kontrolle über Grenzen zu bewegen.

Ecuador ist zu einem der deutlichsten Beispiele für diesen Wandel geworden. Der nationale Sicherheitsplan des Landes für den Zeitraum 2026 bis 2029 stuft den illegalen Bergbau von einem Umwelt- und Regulierungsproblem zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheit hoch. Behörden stellten fest, dass kriminelle Banden die Goldlieferkette von der Gewinnung bis zum Export vollständig infiltriert haben.

Banken und Finanzinstitute im Risiko

Die finanziellen Risiken erstrecken sich weit über die Bergbauregionen hinaus. Obwohl Transaktionen in der Nähe illegaler Minen oft Bargeld, Gold oder Kryptowährungen beinhalten, werden Exporte in der Regel über das internationale Bankensystem finanziert. Damit sind Finanzinstitute weltweit dem Risiko illegaler Finanzströme ausgesetzt.

Eine aktuelle Umfrage von WWF-UK und Themis unter mehr als 600 Finanzexperten in 22 Ländern liefert alarmierende Zahlen: Mehr als 80 Prozent der Finanzinstitute sind Risiken durch illegale Finanzströme im Zusammenhang mit illegalem Bergbau ausgesetzt – doch 40 Prozent haben bislang keine Maßnahmen ergriffen, um diese zu adressieren.

Das Risiko ist in den USA besonders hoch. Untersuchungen der FACT Coalition ergaben, dass die USA der größte Abnehmer für kolumbianische Goldexporte sind. Schätzungsweise 80 Prozent des kolumbianischen Goldes soll dabei aus illegalen oder kriminellen Quellen stammen.

Yansura fordert deshalb ein umfassendes Maßnahmenpaket: strengere Regeln für wirtschaftlich Berechtigte, um Briefkastenfirmen als Verschleierungsinstrument zu unterbinden, die Einstufung von transnationals illegalem Goldbergbau als Vortat zur Geldwäsche nach US-Recht sowie die Schließung von Zollschlupflöchern beim Goldtransport über Grenzen.

„Regierungen müssen nicht nur dem Gold folgen, sondern dem Geld", sagte Yansura. „Nur so können wir die kriminellen Netzwerke hinter diesem Handel zerschlagen, anstatt lediglich die unmittelbaren Umweltfolgen zu bekämpfen."

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