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Immer mehr Deutsche leben auf Pump

Vor allem Jüngere verschulden sich wegen teurer Lebensmittel und Alltagskosten

Immer mehr Deutsche leben auf Pump

Viele Menschen in Deutschland müssen sich für alltägliche Ausgaben Geld leihen. Das betrifft nicht nur größere Anschaffungen, sondern zunehmend auch den Einkauf von Lebensmitteln. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Barclays zeigt, dass mehr als die Hälfte der unter 50-Jährigen in den vergangenen 24 Monaten auf Kredite oder geliehenes Geld zurückgegriffen hat. Insgesamt wurden im Juli und August 10.007 Erwachsene befragt. Besonders auffällig ist, dass ein Großteil der Befragten nicht auf Luxusausgaben verweist, sondern auf die Deckung grundlegender Bedürfnisse.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass 44 Prozent der Betroffenen bei Familienmitgliedern um finanzielle Unterstützung baten, während 40 Prozent einen Kredit bei einer Bank aufnahmen. Für viele geht es dabei nicht nur um Ausgaben rund ums Auto, sondern vor allem um Alltägliches: Rund 26,6 Prozent nutzten das geliehene Geld für Lebensmittel, 21,4 Prozent für Kleidung oder ähnliche Konsumzwecke. Die Umfrage zeigt zudem, dass sich fast jeder Dritte in den kommenden 24 Monaten erneut Geld leihen muss.

Besonders stark betroffen sind die Jüngeren. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen gaben 60,4 Prozent an, auf Pump gelebt zu haben. Gut ein Drittel von ihnen nannte alltägliche Ausgaben als Hauptgrund. Auch in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen ist dieser Zweck mit 31,6 Prozent der wichtigste. Oft handelt es sich um kleinere Summen: Bei fast der Hälfte der Befragten lag der Kredit unter 1000 Euro. Unter den Jüngsten waren es überdurchschnittlich oft nur bis zu 200 Euro. Etwa ein Viertel aller Befragten borgte sich Beträge zwischen 1001 und 5000 Euro.

Der Grund für die verbreitete Kreditaufnahme liegt in der Entwicklung der Lebensmittelpreise. Zwar hat sich die große Teuerungswelle abgeschwächt, doch gerade Lebensmittel sind nach wie vor ein Inflationstreiber. Im August lag die Inflation insgesamt bei 2,2 Prozent, während Nahrungsmittel im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent teurer wurden. Vor allem Kaffee mit einem Plus von 22,8 Prozent und Schokolade mit 21,3 Prozent verteuerten sich deutlich. Auch Obst wurde um 7,1 Prozent teurer, während Gemüse leicht günstiger wurde.

Die steigenden Preise führen dazu, dass viele Menschen ihr Konsumverhalten anpassen. Laut einer Yougov-Umfrage gaben 57 Prozent der Befragten an, ihre Einkaufsgewohnheiten verändert zu haben. Rund 71 Prozent achten inzwischen stärker auf Sonderangebote, ein gutes Drittel kauft seltener ein. Besonders auffällig ist, dass 84 Prozent versuchen, weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Häufig werden Reste bewusst verwertet oder abgelaufene, aber noch genießbare Lebensmittel verzehrt.

Auch Dienstleistungen haben sich verteuert. Im Juli lagen die Preise hier um 3,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders stark stiegen die Kosten für Personenbeförderung mit 11,1 Prozent und für Versicherungen mit 6,4 Prozent. Dennoch zeigt die Gesamtinflation ein anderes Bild, weil sich Preise in anderen Bereichen stabilisierten oder sogar sanken, etwa bei internationalen Flügen. Energie war im August 2,4 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor, was den Gesamtdurchschnitt beeinflusst.

Trotz der Belastung durch höhere Lebenshaltungskosten steigen auch die Löhne. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts legten sie im zweiten Quartal um 4,1 Prozent zu, was einer Reallohnsteigerung von 1,9 Prozent entspricht. Kaufkraftverluste aus den Jahren 2022 und 2023 werden dadurch teilweise ausgeglichen, auch wenn das Niveau von vor der Corona-Pandemie noch nicht erreicht ist. Die Bundesbank erwartet, dass die Inflation in den kommenden Monaten um die Zwei-Prozent-Marke pendeln wird.

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