Indien fordert Milliarden von Gasbetreibern
Schiedsverfahren zu Offshore-Feldern belastet Reliance und BP

Indien fordert in einem seit Jahren laufenden Schiedsverfahren mehr als 30 Milliarden US-Dollar von Reliance Industries und dem britischen Energiekonzern BP. Hintergrund ist der Vorwurf der Regierung, dass die beiden Unternehmen in Offshore-Gasfeldern vor der Ostküste des Landes deutlich weniger Gas gefördert hätten als ursprünglich vorgesehen. Nach Angaben mehrerer mit dem Verfahren vertrauter Personen beruht die Forderung auf der Annahme, dass fehlerhafte Betriebsführung zu erheblichen Verlusten an förderbaren Reserven geführt habe.
Gegenstand des Verfahrens sind die Tiefseefelder D1 und D3 im sogenannten D6-Block des Krishna-Godavari-Beckens. Das Schiedsgericht befasst sich seit 2016 mit dem Streit, die abschließenden Anhörungen fanden Anfang November statt. Eine Entscheidung wird nach dem aktuellen Zeitplan für die Mitte des Jahres 2026 erwartet. Anschließend besteht für beide Seiten die Möglichkeit, den Schiedsspruch vor indischen Gerichten anzufechten.
Die betroffenen Felder galten bei ihrer Entwicklung als Schlüsselprojekt für Indiens Energieversorgung und sollten die Abhängigkeit von Importen verringern. In der Praxis kam es jedoch zu erheblichen Problemen, unter anderem durch Wassereinbruch und Druckverluste im Reservoir. Diese Schwierigkeiten führten zu einer deutlich geringeren Förderung als zunächst prognostiziert und belasteten zudem das Verhältnis zwischen Betreiber und Staat durch Auseinandersetzungen über Kostenrückerstattungen.
Nach früheren Angaben des indischen Ölministeriums hatte Reliance vor Beginn der Arbeiten die förderbaren Reserven der beiden Felder auf rund 10 Billionen Kubikfuß geschätzt, diese Zahl später jedoch deutlich nach unten korrigiert. Tatsächlich seien nach Darstellung der Regierung nur etwa 20 Prozent der ursprünglich angenommenen Menge produziert worden. Auf dieser Grundlage verlangt der Staat nun den Gegenwert der aus seiner Sicht entgangenen Gasmenge.
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Zur AktienanalyseDie Regierung argumentiert im Schiedsverfahren, dass das geförderte Gas rechtlich ihr Eigentum sei und dass eine aus ihrer Sicht zu aggressive Förderstrategie die Lagerstätten dauerhaft geschädigt habe. Konkret wird angeführt, dass weniger Bohrungen als geplant genutzt worden seien und notwendige Infrastruktur gefehlt habe. Reliance und BP weisen diese Vorwürfe zurück und bestreiten, dem Staat Zahlungen zu schulden.


