Indien verschärft Social-Media-Kontrolle: Drei-Stunden-Frist für Content-Löschung
Neue IT-Vorschriften zwingen Tech-Konzerne ab 20. Februar zu deutlich schnelleren Reaktionszeiten.

Indien verschärft seine Regulierung von Social-Media-Plattformen drastisch. Ab dem 20. Februar müssen Tech-Konzerne wie Meta, Google und X rechtswidrige Inhalte innerhalb von nur drei Stunden nach behördlicher Anordnung löschen. Die neuen Bestimmungen modifizieren die umstrittenen IT-Vorschriften aus dem Jahr 2021 und machen Indien zu einem der weltweit aggressivsten Regulatoren von Online-Inhalten.
Die Änderung betrifft einen Markt mit rund einer Milliarde Internetnutzern. Bisher hatten die Plattformen deutlich mehr Zeit, um auf Löschungsanforderungen zu reagieren. Die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi nannte keinen konkreten Grund für die drastische Verkürzung der Frist. Experten sehen die Umsetzbarkeit jedoch kritisch.
Praktische Umsetzung kaum möglich
"Es ist für Social-Media-Unternehmen praktisch unmöglich, Inhalte innerhalb von drei Stunden zu entfernen", warnt Akash Karmakar, Partner bei der Anwaltskanzlei Panag & Babu und Spezialist für Technologierecht. Die neue Regelung setze voraus, dass keine inhaltliche Prüfung stattfinde oder keine reale Möglichkeit bestehe, sich der Einhaltung zu widersetzen.
Die IT-Vorschriften ermächtigen die indische Regierung, die Entfernung von Inhalten anzuordnen, die nach geltendem Recht als illegal eingestuft werden. Dazu gehören Inhalte, die die nationale Sicherheit und die öffentliche Ordnung betreffen. Laut Transparenzberichten hat Indien in den vergangenen Jahren Tausende von Löschungsanordnungen erlassen.
Meta bereits stark betroffen
Allein der Facebook-Mutterkonzern Meta schränkte in den ersten sechs Monaten 2025 nach Regierungsanfragen mehr als 28.000 Inhalte in Indien ein. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme zu den neuen Änderungen ab. Auch X und Alphabets Google, der Betreiber von YouTube, reagierten zunächst nicht auf Anfragen.
Eine Führungskraft eines Social-Media-Unternehmens kritisierte unter der Bedingung der Anonymität: "Diese Regelung wurde nie zur Konsultation gestellt. Internationale Standards sehen einen längeren Zeitrahmen vor." Der Schritt reiht sich ein in eine globale Entwicklung, bei der Regierungen von Brüssel bis Brasilia schnellere Löschungen und größere Rechenschaftspflicht fordern.
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Zur AktienanalyseKennzeichnungspflicht für KI-Inhalte gelockert
Die geänderten Vorschriften lockerten zugleich einen früheren Vorschlag zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten. Ursprünglich sollten solche Inhalte über 10 Prozent ihrer Fläche oder Dauer sichtbar gekennzeichnet werden. Nun wird lediglich vorgeschrieben, dass sie "deutlich gekennzeichnet" sein müssen.
Indien hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Schritte unternommen, um die Online-Redefreiheit zu kontrollieren. Dies führte wiederholt zu Konflikten mit internationalen Technologieunternehmen wie Elon Musks X und stieß auf Kritik von Verfechtern digitaler Rechte. Die Plattformen stehen vor der Herausforderung, die Einhaltung der Vorschriften gegen wachsende Sorgen über staatliche Zensur abzuwägen.


