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Indiens Generation Z rebelliert gegen Modi und Jobmisere

Zehntausende junge Inder protestieren gegen Prüfungsskandale, Arbeitslosigkeit und gebrochene Versprechen – die größte Herausforderung für Premier Modi.

Indiens Generation Z rebelliert gegen Modi und Jobmisere

Seit über einem Jahrzehnt regiert Indiens Premierminister Narendra Modi die größte Demokratie der Welt mit einer bewährten Formel: religiöse Mobilisierung kombiniert mit dem Versprechen auf wirtschaftlichen Fortschritt und acche din – die guten Tage. Zwölf Jahre lang funktionierte dies nahezu reibungslos. Nun stellt Indiens Generation Z, mit mehr als 370 Millionen Menschen die weltweit größte, diese Formel auf eine ernsthafte Probe.

Fünf Tage lang gingen zehntausende junge Inder im ganzen Land auf die Straße und lösten damit die größte Herausforderung aus, der Modi in seiner gesamten Amtszeit bislang gegenüberstand. Die Bewegung begann, nachdem Behörden aufgedeckt hatten, dass eine Aufnahmeprüfung für medizinische Hochschulen im Mai durch Leaks manipuliert worden war. Mehr als 2 Millionen Studenten wurden aufgefordert, die Prüfung zu wiederholen – nachdem viele von ihnen Jahre und beträchtliche Geldsummen in die Vorbereitung investiert hatten. Mindestens 12 Personen nahmen sich infolge des Skandals das Leben.

Der Funke: Prüfungsskandal und ein verhängnisvolles Wort

Eine polizeiliche Untersuchung ergab, dass Insider mit Verbindungen zum Prüfungsprozess für die Leaks verantwortlich waren. Die Studenten forderten daraufhin den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan, dessen Amtszeit von wiederholten Prüfungsleaks im ganzen Land geprägt war. Die Empörung eskalierte zusätzlich, als Indiens oberster Richter die arbeitslose Jugend des Landes als „Kakerlaken" bezeichnete – eine Aussage, von der er später behauptete, sie beziehe sich nur auf Personen mit gefälschten Abschlüssen.

Millionen junger Inder griffen daraufhin zu den sozialen Medien. Die Cockroach Janta Party (CJP), gegründet von Abhijeet Dipke, entstand als direkte Parodie auf Modis Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP). Die Bewegung hat mittlerweile über 25 Millionen Follower auf Instagram – und übertrifft damit die 9,4 Millionen der BJP bei Weitem.

Strukturelle Jobkrise treibt die Wut an

Hinter den Protesten steckt eine tiefgreifende wirtschaftliche Realität. Mehr als vier von fünf Arbeitslosen in Indien sind unter 30 Jahre alt. Besonders alarmierend: Die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen ist neunmal höher als unter Analphabeten. Staatliche Initiativen zur Kompetenzentwicklung greifen kaum – von 16 Millionen Ausgebildeten erhielten im letzten Jahrzehnt nur 15 Prozent einen Arbeitsplatz. Gleichzeitig stagnieren die Reallöhne.

Selbst Indiens renommierte IT-Branche bietet keinen Ausweg mehr. Die „Big Five" des Sektors stellten in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025-26 netto lediglich 17 Mitarbeiter ein – ein erschütterndes Signal für eine Generation, die auf Technologiejobs gesetzt hatte. Viele junge Menschen sind gezwungen, in Berufen zu arbeiten, für die sie massiv überqualifiziert sind: Ingenieure auf Baustellen als Aufseher, Postgraduierte in der Datenerfassung.

Mehr als 12 Millionen Inder sind mittlerweile in der Gig-Economy beschäftigt – schlecht bezahlte und oft ausbeuterische Arbeitsverhältnisse ohne soziale Absicherung. Prognosen zufolge wird sich diese Zahl allein in den nächsten drei Jahren nahezu verdoppeln. Die sozialen Folgen reichen weit: Es gibt Männer, die keine Partnerinnen finden, weil sie keine anständigen Jobs haben, und Akademiker mit Master-Abschluss, die ihre Familien nicht ernähren können.

Modis Versprechen und die bittere Realität

Modi hatte über ein Jahrzehnt lang genau diese Menschen als Zielgruppe seiner politischen Basis gewählt. Er versprach, jedes Jahr 20 Millionen Arbeitsplätze zu schaffen, 100 neue Städte zu bauen, die Infrastruktur zu verbessern, Korruption zu beseitigen und eine „Neo-Mittelschicht" zu formen. Nach zwölf Jahren hat sich für die junge Generation davon zu wenig materialisiert.

Die Reaktion der Regierung auf die Proteste fiel bislang verhalten aus. Modi machte einige Zugeständnisse, versäumte es jedoch, Bildungsminister Pradhan zu entlassen, und wandte sich noch nicht direkt an die protestierenden Studenten. Die Proteste schlugen zuletzt in Gewalt um, als Polizeibeamte Tränengas einsetzten und mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgingen.

Es ist eine „Instagram-First"-Generation, versiert im Erstellen von Reels und Memes voller Respektlosigkeit. In Delhi spielten Studenten Modis alte Reden über Lautsprecher ab, um ihn zu verspotten. Im heutigen Indien ist politische Rechenschaftspflicht weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden – doch Indiens Gen Z scheint nicht bereit, dies als gegeben hinzunehmen.

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