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Indiens Wirtschaft wächst im ersten Quartal 2026 um 7,8 Prozent

Stärker als erwartet: Indiens BIP legte von Januar bis März um 7,8% zu – trotz wachsender Risiken durch den Iran-Krieg.

Indiens Wirtschaft wächst im ersten Quartal 2026 um 7,8 Prozent

Indiens Wirtschaft hat im ersten Quartal 2026 überraschend stark zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Januar bis März im Jahresvergleich um 7,8 Prozent – und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Eine Reuters-Umfrage hatte lediglich ein Wachstum von 7,2 Prozent prognostiziert, was bereits unter dem Vorquartalswert von 7,8 Prozent gelegen hätte.

Damit bestätigt Indien einmal mehr seinen Status als am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt. Das Ergebnis ist umso bemerkenswerter, da das Quartal von erheblichen geopolitischen und wirtschaftlichen Verwerfungen geprägt war.

Handelsabkommen und Zollsenkungen als Wachstumstreiber

In der ersten Hälfte des Quartals verbesserten sich Indiens Handelsaussichten erheblich. Das Land schloss das sogenannte „Mutter aller Abkommen" mit der Europäischen Union ab – ein Meilenstein in den Handelsbeziehungen zwischen Indien und dem größten Binnenmarkt der Welt. Gleichzeitig gelang es Indien, die USA zu einer Senkung der Zölle auf indische Waren von 50 Prozent auf 18 Prozent zu bewegen. Diese wurden anschließend auf 10 Prozent weiter reduziert, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die Zölle von Präsident Donald Trump als rechtswidrig aufgehoben hatte.

Diese Entwicklungen stärkten das Vertrauen in die indische Exportwirtschaft und dürften maßgeblich zum starken Quartalsergebnis beigetragen haben.

Iran-Krieg trübt den Ausblick

Ende Februar begann jedoch der Iran-Krieg, der seither erhebliche Risiken für die indische Wirtschaft mit sich bringt. Die durch den Konflikt verursachten Störungen der Energieversorgung haben Indiens Importrechnung deutlich aufgebläht und den Druck auf die indische Rupie erhöht. Die Währung leidet zusätzlich unter Rekordabflüssen ausländischer Investoren.

Die Reserve Bank of India (RBI), Indiens Zentralbank, reagierte auf die veränderte Lage und passte ihre Prognosen entsprechend an. Am Freitag hob die RBI ihre Inflationsprognose für das im März 2027 endende Geschäftsjahr um 50 Basispunkte auf 5,1 Prozent an. Gleichzeitig senkte sie die Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 6,6 Prozent, nach zuvor prognostizierten 6,9 Prozent.

Inflation bleibt vorerst unter Zielwert – weitere Risiken drohen

Stand April liegt die Inflation noch unterhalb des RBI-Zielwerts von 4 Prozent. Allerdings hat die indische Regierung im Mai die gestiegenen globalen Kraftstoffpreise an die Verbraucher weitergegeben, nachdem sie diese Erhöhungen einige Monate lang zurückgehalten hatte. Dies dürfte die Inflation in den kommenden Monaten spürbar anheizen.

Zusätzlich wird für das laufende Jahr das Wetterphänomen El Niño erwartet, das Ernteausfälle verursachen und die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben könnte. Angesichts dieser Gemengelage erklärte die RBI, dass die Geldpolitik aufgrund der sich verschlechternden globalen Wirtschaftsbedingungen einen „vorsichtigen" Kurs eingeschlagen habe.

Für deutsche Anleger und Beobachter bleibt Indien trotz der kurzfristigen Risiken ein bedeutender Wachstumsmarkt. Die Kombination aus starkem Binnenwachstum, neuen Handelsabkommen und einer bevölkerungsreichen Volkswirtschaft macht das Land zu einem der wichtigsten Akteure in der globalen Wirtschaft – auch wenn geopolitische Unsicherheiten und Inflationsdruck die Dynamik in den kommenden Quartalen bremsen könnten.

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