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Indonesien stoppt illegalen Zinnabbau – Preis zieht an

Regierung schließt Hunderte Minen, Schmuggelströme und Lieferkettenprobleme verschärfen die Lage

Indonesien stoppt illegalen Zinnabbau – Preis zieht an

Der Zinnpreis an der London Metal Exchange ist in kurzer Zeit auf mehr als 37.500 US-Dollar pro Tonne gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit April erreicht. Auslöser der jüngsten Rallye ist ein konsequentes Vorgehen der indonesischen Regierung gegen den illegalen Bergbau in den zinnreichen Inselregionen Bangka und Belitung. Präsident Prabowo Subianto kündigte an, rund 1.000 nicht genehmigte Abbaustätten schließen zu lassen. Wie groß der Anteil dieser Minen an der Gesamtförderung ist, lässt sich nicht genau beziffern. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass die offizielle Produktion zulegt, wenn die illegalen Aktivitäten eingedämmt werden.

Indonesien kämpft seit Jahren mit der Kontrolle seines Zinnsektors. Nach der Deregulierung zum Ende des vergangenen Jahrhunderts hat sich ein großer informeller Markt gebildet, der schwer zu überwachen ist. Ein erheblicher Teil der Förderung stammt von Kleinschürfern, wodurch sich kaum klar trennen lässt, welche Betriebe über Lizenzen verfügen und welche nicht. Die Grenzen zwischen legaler und illegaler Produktion sind so stark verwischt, dass der führende Produzent PT Timah bereits wegen der Begünstigung des Schwarzmarkthandels in die Kritik geraten ist. Einige illegale Abbauorte bestehen lediglich aus einfachen Flößen, die nachts in lizenzierte Gewässer fahren, um dort Zinn zu fördern.

Ein Teil der so gewonnenen Rohstoffe wird anschließend aus dem Land geschmuggelt. Ein Beispiel lieferte die malaysische Küstenwache, die jüngst ein Boot mit 26,5 Tonnen Erz beschlagnahmte. Die behördlichen Maßnahmen gegen den Schwarzabbau haben bereits Anfang September begonnen und zu ersten Schließungen geführt. Das Ausmaß der Schattenproduktion bleibt jedoch schwer greifbar, da diese Mengen in den offiziellen Statistiken nicht auftauchen. Während Indonesien ausschließlich raffiniertes Zinn exportieren darf, weisen chinesische und malaysische Zollbehörden regelmäßig Importe von indonesischem Erz aus. In den ersten acht Monaten dieses Jahres meldete China 1.192 Tonnen solcher Einfuhren, Malaysia in sieben Monaten 642 Tonnen.

Schätzungen zufolge könnten jährlich bis zu 12.000 Tonnen Zinn illegal ausgeführt werden, wobei der Schattensektor in der Region Bangka Belitung rund 80 Prozent der Gesamtproduktion ausmachen soll. Diese Entwicklung hat die Kapazität der offiziellen Anbieter geschwächt. PT Timah verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 einen Rückgang der Erzförderung um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ausfuhren raffinierten Zinns aus Indonesien fielen 2024 auf ein Mehrjahrestief von 46.000 Tonnen und dürften in diesem Jahr nur leicht auf 53.000 Tonnen steigen.

Die Marktreaktion verdeutlicht die Empfindlichkeit globaler Lieferketten. Innerhalb einer Woche verteuerte sich Zinn um zehn Prozent, während sich die Terminspreizungen deutlich verengten. Die Versorgungslage bleibt angespannt, da neben Indonesien auch andere wichtige Förderländer Schwierigkeiten haben. In Myanmar fließt trotz angekündigter Wiederaufnahme der Produktion in der Man-Maw-Mine nur wenig Material nach China. Auch im Kongo besteht weiter Unsicherheit, obwohl die Bisie-Mine nach einer Unterbrechung wieder in Betrieb ist. Händler müssen daher mit weiteren Störungen rechnen.

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