Inflationsrate in Deutschland sinkt weiter deutlich
Zinsentscheidung der EZB rückt näher, Experten warnen vor Eile

Die Inflationsrate in Deutschland ist weiterhin rückläufig. Im September stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent, wie eine erste Schätzung des Statistischen Bundesamts zeigt. Im August lag die Teuerungsrate noch bei 1,9 Prozent. Dieser Rückgang deutet auf eine Entschärfung des Inflationsproblems hin. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg kommentiert, dass die aktuelle Lage auf ein deutlicheres Abflauen der Inflation hindeutet. Auch Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht derzeit keine relevante Gefahr für die deutsche Wirtschaft.
Die Europäische Zentralbank (EZB) berechnet die Inflation leicht anders. Gemäß dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex lag die Teuerung im September bei 1,8 Prozent. Damit liegt das Preiswachstum erstmals seit mehr als drei Jahren unter der definierten Zielmarke der EZB von zwei Prozent. Diese Zahlen bestärken die Erwartungen, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung Mitte Oktober die Zinsen im Euro-Raum erneut senken könnte. Seit der Einleitung der Zinswende im Juni hat die EZB bereits zweimal die Zinsen gesenkt. Der relevante Einlagenzins, den die EZB für überschüssiges Kapital der Geschäftsbanken zahlt und der maßgeblich für die Spar- und Kreditzinsen ist, liegt aktuell bei 3,5 Prozent.
Am Dienstag folgt die Inflationsschätzung für den gesamten Euro-Raum. Aufgrund der sich abschwächenden Preisentwicklung in den wichtigsten Volkswirtschaften ist ein deutlicher Rückgang auf europäischer Ebene wahrscheinlich. In Italien stiegen die Verbraucherpreise zuletzt nur noch um 0,8 Prozent, während sie in Frankreich um 1,5 Prozent und in Spanien um 1,7 Prozent zulegten. Dies deutet insgesamt auf eine Entspannung der Preisentwicklung hin.
Ein weiterer Zinsschritt der EZB im Oktober galt lange als unwahrscheinlich. Doch aufgrund der neuen Daten wird ein solches Szenario an den Märkten nun als deutlich wahrscheinlicher eingestuft. Auch viele Ökonomen haben ihre Prognosen entsprechend angepasst. Die gedämpfte Preisentwicklung ist insbesondere auf die sinkenden Energiepreise zurückzuführen, die sich im September um 7,6 Prozent verbilligten, nachdem sie im August bereits um 5,1 Prozent gesunken waren. Der Kerninflationsindex, der Energie und Lebensmittel ausklammert, fiel leicht von 2,8 auf 2,7 Prozent.
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Zur AktienanalyseSebastian Becker von Deutsche Bank Research warnt jedoch vor vorschneller Freude. Das Inflationsproblem sei noch nicht gelöst, da auch die Kerninflationsrate spürbar zurückgehen müsste, was bislang nicht der Fall sei. Ein Grund für den nur mäßigen Rückgang der Kerninflation ist der Preisauftrieb bei Dienstleistungen, der nahezu konstant knapp unter vier Prozent verharrt. Dies ist auf das hohe Lohnwachstum zurückzuführen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rät der EZB daher, eine mögliche Zinssenkung im Oktober gut abzuwägen.


