Infrafibre vor dem Aus? UGG stellt Ausbau infrage
Massenentlassungen, gestoppte Projekte und schrumpfende Ausbauziele erschüttern die Glasfaserbranche

Das Glasfaserunternehmen Infrafibre Germany steht vor einer ungewissen Zukunft. Noch vor wenigen Monaten galt die Übernahme durch Unsere Grüne Glasfaser (UGG) als Rettung für das finanziell angeschlagene Unternehmen. Doch nun drohen massive Einschnitte. Mitarbeiter berichten von geplanten Massenentlassungen, und der Ausbau von Glasfaseranschlüssen könnte stark eingeschränkt werden.
Auf der Weihnachtsfeier Ende 2024 hatte UGG der neuen Tochterfirma noch eine stabile Zukunft versprochen. Man wolle den bestehenden Ausbau weiterführen und für die geplanten 130.000 Haushalte finanzielle Mittel bereitstellen. In einer Pressemitteilung Anfang Dezember erklärte UGG zudem, dass alle bisherigen Vereinbarungen, Verträge und Ausbaupläne ihre Gültigkeit behielten. Doch bereits wenige Monate später ist von diesen Zusagen kaum noch etwas zu spüren.
Laut einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" steht ein Stellenabbau von mehr als zwei Dritteln der 300-köpfigen Belegschaft bevor. An den Standorten Unterschleißheim und Deggendorf gründen Mitarbeiter derzeit Betriebsräte. Ein Insider beschreibt die Entwicklung als eine "Abrissbirne". Geschäftsführer Jürgen Hansjosten verlässt das Unternehmen bereits Ende März auf eigenen Wunsch. Noch im Februar hatte er in einer Pressemitteilung betont, dass UGG und Infrafibre gemeinsam die "Schlagkraft beim Glasfaserausbau" erhöhen würden.
Nach aktuellen Informationen darf Infrafibre nur noch ein Drittel der für 2025 und 2026 geplanten Glasfaseranschlüsse umsetzen. Der Fokus liegt dabei auf bereits begonnenen Projekten, etwa im Main-Tauber-Kreis, sowie auf öffentlich gefördertem Ausbau. Andere Absichtserklärungen, darunter Vereinbarungen mit Gemeinden über Hunderttausende weiterer Anschlüsse, werden voraussichtlich nicht umgesetzt. Offiziell spricht UGG von einer "Pausierung". Den bayerischen Landkreisen Miltenberg und Gronau wurde dies bereits mitgeteilt.
Ein UGG-Sprecher erklärte, dass der Integrationsprozess noch Monate dauern werde und keine finalen Entscheidungen getroffen seien. Dennoch soll Infrafibre auch 2025 weiterhin an Ausbauprojekten arbeiten. Experten sehen in der Entwicklung ein Warnsignal für den gesamten Glasfasermarkt. Telekommunikationsprofessorin Sandra Thomas weist darauf hin, dass sich viele Glasfaserunternehmen in einer ähnlichen Situation wie Infrafibre befinden. Laut einer Studie der Unternehmensberatung AlixPartners benötigen 65 Prozent der Netzbetreiber in Deutschland innerhalb der kommenden zwei Jahre eine Refinanzierung.
Finanzierungsprobleme erschweren den weiteren Ausbau. Banken fordern zunehmend, dass Eigenkapitalgeber zusätzliche Mittel bereitstellen. Da jedoch oft Restriktionen für einzelne Portfolio-Positionen bestehen, stoßen Investoren an ihre Grenzen. Klaus Hölbling von AlixPartners geht davon aus, dass viele Glasfaseranbieter künftig durch Konsolidierungen oder Marktaustritte betroffen sein werden.
Die strategische Neuausrichtung von UGG lässt Spekulationen aufkommen. Während das Unternehmen ursprünglich 2,2 Millionen Anschlüsse als Ausbauziel angab, soll diese Zahl nun auf unter 1,5 Millionen reduziert worden sein. Dazu gibt UGG keine offizielle Stellungnahme ab. In der Branche gilt sie als weniger effizienter Glasfaserausbauer. Im Vergleich zu Infrafibre hat UGG mit erheblich höherem Kapitalaufwand nur einen Bruchteil der geplanten Haushalte angeschlossen.
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Zur AktienanalyseMitarbeiter von Infrafibre hatten darauf gehofft, durch ihre Erfahrung zur Optimierung des UGG-Ausbaus beitragen zu können. Doch nun soll die Boston Consulting Group (BCG) beratend eingeschaltet worden sein. Dazu äußerte sich weder UGG noch BCG. Die Muttergesellschaft Allianz Capital Partners, die UGG gemeinsam mit der spanischen Telefónica betreibt, führt die aktuelle Entwicklung auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen zurück. Höhere Kosten, wirtschaftliche Unsicherheiten und Konkurrenz durch überlappende Ausbauprojekte hätten zu einer Verlangsamung des Glasfaserausbaus in Deutschland geführt. Der Fokus liege daher im Jahr 2025 auf der Fertigstellung bereits begonnener Projekte.
Professorin Thomas sieht in der Entwicklung ein strukturelles Problem. Der Kapitalmarkt fordere mittlerweile konkrete Anschlüsse und nicht nur Pläne für potenzielle Haushalte. Viele Netzbetreiber hätten in der Vergangenheit stark auf die Anzahl von Homes Passed gesetzt, ohne den Fokus auf die tatsächliche Aktivierung von Kunden zu legen. Dies könnte sich nun rächen. Die künftige Herausforderung liege darin, bestehende Netze effizienter zu nutzen und die Anschlussquote zu erhöhen.


