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Insider kaufen: Johnson Matthey und GB Group als Kaufgelegenheit

Führungskräfte zweier FTSE-250-Unternehmen investieren eigenes Kapital – ein klassisches Kaufsignal für Anleger.

Insider kaufen: Johnson Matthey und GB Group als Kaufgelegenheit

Insider-Käufe gelten unter Börsenprofis als eines der stärksten Signale für unterbewertete Aktien. Bei Johnson Matthey (LSE: JMAT) und GB Group (LSE: GBG) haben die ranghöchsten Führungskräfte in der vergangenen Woche erhebliche Summen in eigene Aktien investiert – und damit ein klares Zeichen gesetzt.

Bei Johnson Matthey, dem britischen Spezialisten für saubere Lufttechnologie, kaufte Verwaltungsratschef Andrew Cosslett am Mittwoch Aktien im Wert von 150.000 Britischen Pfund zu einem Kurs von 2.168 Pence. Zwei Tage zuvor hatte Vorstandsvorsitzender Liam Condon bereits Anteile für 96.000 Britische Pfund zu 2.127 Pence erworben. Es ist nicht das erste Mal: Bereits im Februar investierten die beiden Führungskräfte gemeinsam rund 200.000 Britische Pfund, als die Aktie nach einer Preissenkung beim Verkauf der Katalysatortechnik-Sparte an Honeywell auf bis zu 1.920 Pence gefallen war.

Johnson Matthey: Strategischer Umbau und Milliarden-Rückzahlung

Die jüngsten Käufe erfolgten im Anschluss an die Jahresergebnisse und die Übernahme von Cormetech, einem auf Rechenzentren spezialisierten Hersteller von Gasturbinenkatalysatoren, für 360 Millionen US-Dollar (rund 270 Millionen Britische Pfund). Der Zukauf ist Teil einer umfassenden strategischen Neuausrichtung: Johnson Matthey fokussiert sich künftig auf Emissionskontrolle bei Fahrzeugen sowie margenstärkere Dienstleistungen im Bereich der Platingruppenmetalle.

Der Verkauf der Katalysatortechnik-Sparte an Honeywell ist das Herzstück dieser Transformation. Das Unternehmen plant, die Erlöse vollständig an die Aktionäre zurückzugeben – insgesamt 1 Milliarde Britische Pfund: 800 Millionen Pfund über eine Sonderdividende mit Aktienzusammenlegung sowie weitere 200 Millionen Pfund über einen Aktienrückkauf. Johnson Matthey ist überzeugt, dass die Verschlankung zu einem deutlichen „Sprung" bei der Cash-Generierung führen wird.

Noch steht die behördliche Genehmigung in China aus, wo Johnson Matthey ein führender Akteur bei Katalysatoren für wichtige Chemikalien wie Methanol und Formaldehyd ist. Berenberg warnt, dass ein Scheitern der Transaktion das Potenzial hätte, 600 Millionen Pfund an Marktwert zu vernichten. Das Management betont jedoch, der Verkauf verlaufe nach Plan – der entscheidende Stichtag ist der 21. August.

Analysten sehen erhebliches Kurspotenzial

Die Analystengemeinschaft zeigt sich überwiegend optimistisch. Panmure Liberum hob das Kursziel in der vergangenen Woche auf 2.580 Pence an und erhöhte die Gewinnschätzung für 2027 um 18 Prozent. Der Broker argumentiert, der Markt honoriere das durch den Verkauf der Katalysatortechnik-Sparte freigesetzte Aufwärtspotenzial noch nicht ausreichend. Panmure Liberum sieht zudem in den Bereichen Clean Air Solutions und Hydrogen Technologies „kostenlose Wachstumsoptionen" für Johnson Matthey.

Die Deutsche Bank setzt das Kursziel auf 2.400 Pence und bezeichnet die Kursschwäche seit den Jahresergebnissen am 28. Mai als „nicht nachvollziehbar". Die Bank bewertet die verbleibenden Geschäftsbereiche mit dem 5,6-fachen der prognostizierten Gewinne für 2028 – gegenüber einem Aufwärtsszenario vom 7,5-fachen. Berenberg schätzt den fairen Wert auf 2.300 Pence und hebt hervor, dass die Übernahme von Cormetech das Narrativ eines „verwalteten Niedergangs" entkräftet habe. Die stationäre Emissionskontrolle, primär für Rechenzentren, könnte bis 2029 mehr als 10 Prozent des Konzernergebnisses ausmachen. Aktuell notiert die Aktie rund ein Fünftel über ihren Tiefstständen von Mitte März, liegt aber noch unter dem Vierjahreshoch vom Januar bei 2.388 Pence.

GB Group: Kurseinbruch lockt Führungskräfte zum Kauf

Auch beim Identitäts- und Standorttechnologieunternehmen GB Group griffen die Führungskräfte beherzt zu. Vorstandschef Dev Dhiman investierte am Freitag 49.500 Britische Pfund zu einem Kurs von 198 Pence, Finanzchef David Ward erwarb am Donnerstag Aktien für 23.500 Britische Pfund zu 196,3 Pence. Zusammen flossen damit 73.000 Britische Pfund eigenes Kapital in den Titel.

Auslöser des Kursrückgangs waren die Jahresergebnisse: Am Dienstag wurde bekannt, dass die operative Marge im laufenden Jahr auf etwa 21 bis 22 Prozent sinken wird. Vor dieser Ankündigung notierte die Aktie noch bei 247 Pence – der Kurs brach daraufhin um rund ein Fünftel ein. Als Grund nannte GB Group einmalige Investitionen in die neu eingeführte globale Identitätsplattform GBG Go. Das Unternehmen betonte, diese gezielten Investitionen seien bewusst und zukunftsgerichtet.

Insider-Käufe direkt nach einem solchen Kurseinbruch senden ein starkes Signal: Die Führungskräfte sehen den Rückgang offenbar als übertrieben und vertrauen auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens. Für deutsche Anleger, die in britische Mid-Cap-Werte investieren möchten, bieten beide Titel damit eine interessante Ausgangslage – wenngleich die Risiken, insbesondere bei Johnson Matthey die ausstehende China-Genehmigung, nicht außer Acht gelassen werden sollten.

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