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Insiderhandel-Verdacht: Millionenwetten vor Trumps Ankündigungen

Trader platzierten Millionenwetten kurz vor marktbewegenden Aussagen von US-Präsident Trump – ein konsistentes Muster wirft schwere Fragen auf.

Insiderhandel-Verdacht: Millionenwetten vor Trumps Ankündigungen

Eine BBC-Untersuchung von Handelsvolumendaten an mehreren Finanzmärkten hat ein beunruhigendes Muster aufgedeckt: Während der gesamten zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump wurden Millionen von US-Dollar auf Finanzmärkte gesetzt – und zwar unmittelbar bevor Trump wichtige, marktbewegende Ankündigungen machte. Die Ausschläge traten teils nur Minuten vor der Veröffentlichung eines Social-Media-Posts oder eines Medieninterviews auf.

Einige Analysten sehen darin die Handschrift von illegalem Insiderhandel – also Wetten, die auf der Grundlage von Informationen abgeschlossen werden, die der breiten Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Andere halten das Bild für komplexer und betonen, dass manche Trader schlicht geschickter darin geworden seien, die Interventionen des Präsidenten vorherzusagen. Die BBC hat fünf der bedeutendsten Beispiele dokumentiert.

Ölmarkt: 47 Minuten Vorsprung vor Trumps Kriegsaussage

Am 9. März 2026 erklärte Trump in einem Telefoninterview mit CBS News, der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran sei „so gut wie vorbei". Um 19:16 Uhr GMT postete ein Reporter darüber auf X – der frühestmögliche Zeitpunkt, zu dem die Öffentlichkeit davon erfahren konnte. Der Ölpreis brach daraufhin um rund 25 Prozent ein.

Doch die Marktdaten zeigen: Bereits um 18:29 Uhr GMT – volle 47 Minuten vor dem Post – wurde eine gewaltige Welle von Wetten auf einen fallenden Ölpreis platziert. Die Trader, die diese Positionen eingingen, dürften durch den Preiseinbruch Millionen von US-Dollar verdient haben.

Ein ähnliches Muster zeigte sich am 23. März 2026. Nur zwei Tage nachdem Trump gedroht hatte, iranische Kraftwerke „auszulöschen", postete er auf Truth Social über „SEHR GUTE UND PRODUKTIVE GESPRÄCHE" mit Teheran über eine „VOLLSTÄNDIGE UND TOTALE BEILEGUNG" der Feindseligkeiten. Bereits 14 Minuten vor diesem Post gab es laut BBC eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Wetten auf den US-Ölpreis. Der Preis fiel nach der Ankündigung um 11 Prozent. Ein Öl-Analyst bezeichnete die Trades damals gegenüber der BBC als „definitiv abnormal".

Liberation Day: 20 Millionen Dollar Gewinnpotenzial in Minuten

Auch abseits des Nahost-Konflikts gibt es auffällige Beispiele. Am 9. April 2025 kündigte Trump eine 90-tägige Pause der Zölle für alle Länder außer China an – eine Woche nach dem sogenannten „Liberation Day", an dem er ein umfassendes Zollpaket gegen nahezu alle Länder der Welt verhängt hatte. Der S&P 500 sprang daraufhin um 9,5 Prozent nach oben – einer seiner größten Tagesgewinne seit dem Zweiten Weltkrieg.

Kurz nach 18:00 Uhr BST – 18 Minuten vor der offiziellen Ankündigung – schnellte die Zahl der gehandelten Kontrakte auf einen S&P-500-Fonds auf über 10.000 pro Minute. Zuvor hatte sie im Bereich von einigen Hundert gelegen. Einige Trader setzten an diesem Tag über 2 Millionen US-Dollar auf einen steigenden Aktienmarkt, obwohl dieser zuvor sieben Tage in Folge Verluste verzeichnet hatte. Der enorme Kursanstieg hätte ihnen einen Gewinn von fast 20 Millionen US-Dollar einbringen können.

Mehrere hochrangige Demokraten im US-Senat wandten sich daraufhin schriftlich an die Börsenaufsichtsbehörde SEC und forderten eine Untersuchung, ob die Ankündigungen des Präsidenten „Insider der Regierung und Freunde auf Kosten der amerikanischen Öffentlichkeit bereichert haben". Ein Sprecher der SEC lehnte gegenüber der BBC einen Kommentar ab. Das Weiße Haus reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.

Prognosemärkte: Millionengewinne auf Polymarket

Auch auf Blockchain-basierten Prognosemärkten wie Polymarket und Kalshi – Plattformen, auf denen Nutzer auf politische Ereignisse wetten können – zeigen sich verdächtige Muster. Bemerkenswert: Donald Trump Jr., Sohn des Präsidenten, ist Investor bei Polymarket und Mitglied des Beirats sowie strategischer Berater bei Kalshi.

Im Dezember 2025 erstellte ein Nutzer namens „Burdensome-Mix" ein Konto auf Polymarket und setzte zwischen dem 30. Dezember und dem 2. Januar insgesamt 32.500 US-Dollar darauf, dass Venezuelas Präsident Nicolás Maduro bis Ende Januar 2026 aus dem Amt sein würde. Als Maduro am 3. Januar von US-Spezialkräften festgenommen und abgesetzt wurde, gewann „Burdensome-Mix" 436.000 US-Dollar. Kurz darauf änderte das Konto seinen Benutzernamen und hat seitdem keine Wetten mehr platziert.

Laut der Blockchain-Analyse-Website Bubblemaps wurden im Februar 2026 sechs Konten auf Polymarket erstellt, die alle auf einen US-Angriff auf den Iran bis zum 28. Februar wetteten. Als Trump die Angriffe in den frühen Morgenstunden dieses Tages bestätigte, verdienten die sechs Konten zusammen 1,2 Millionen US-Dollar. Fünf dieser Konten haben seitdem keine weiteren Wetten platziert. Das sechste verdiente anschließend weitere 163.000 US-Dollar mit einer korrekten Wette auf einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran bis zum 7. April 2026.

Die Häufung dieser Fälle und die zeitliche Präzision der Wetten stellen die Frage, ob vertrauliche Regierungsinformationen systematisch an Marktteilnehmer weitergegeben wurden – ein Vorwurf, der die zweite Amtszeit Trumps zunehmend überschattet.

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