Intel-Aktie: KI-Wette zahlt sich aus – Zeit zur Neubewertung?
Intels Aktie stieg in 52 Wochen um 484 Prozent. Neue KI-Partnerschaften und Foundry-Umsätze befeuern die Rallye.

Intel (INTC) stand einst unangefochten an der Spitze der Halbleiterindustrie. Doch das Unternehmen verpasste den KI-Boom, verlor seinen technologischen Vorsprung an Konkurrenten wie Advanced Micro Devices (AMD) und Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) und stolperte beim Einstieg in das wettbewerbsintensive Foundry-Geschäft. Was einst wie eine unaufhaltsame Dominanz wirkte, wurde zur ernüchternden Lektion darüber, wie schnell selbst die stärksten Chip-Konzerne fallen können.
Nun aber häufen sich die positiven Signale. Eine Reihe von Erfolgen deutet darauf hin, dass sich Intels KI-Wette endlich auszuzahlen beginnt. Der Umsatz verbessert sich, Foundry-Partnerschaften nehmen zu und das Vertrauen der Anleger ist offensichtlich zurückgekehrt. Dennoch erzählen die Schlagzeilen nicht die ganze Geschichte.
Kursrallye von über 480 Prozent in einem Jahr
Die Kursentwicklung der Intel-Aktie war kaum zu ignorieren. Seit Jahresbeginn legte der Titel um mehr als 230 Prozent zu, in den vergangenen 52 Wochen sogar um 484 Prozent. Zuletzt durchbrach die Aktie die Marke von 140 US-Dollar und markierte damit ein neues Allzeithoch. Eine solche Rallye geschieht nicht ohne Grund.
Intels Kostensenkungen beginnen sich in den Zahlen niederzuschlagen, und der erneute Fokus auf Künstliche Intelligenz zieht die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich. Besonders bedeutsam waren dabei zwei strategische Partnerschaften: Im April kündigte Intel eine vertiefte Zusammenarbeit mit Alphabet an, um den Einsatz seiner Xeon-CPUs und maßgeschneiderten IPUs für KI-Workloads auszuweiten. Etwa zur gleichen Zeit trat Intel dem Terafab-Projekt als strategischer Partner an der Seite von Space Exploration Technologies und Tesla bei und steuerte Design-, Fertigungs- und fortschrittliche Packaging-Kapazitäten bei.
Diese Kooperationen sind ehrgeizig – aber SpaceX und Tesla sind bereit, echtes Geld zu investieren. Genau das ist die Art von Geschäft und Validierung, die Intel in den vergangenen Jahren gefehlt hatte. Und sie führen direkt zum größten Kurstreiber: dem Foundry-Geschäft.
Foundry-Umsatz erreicht 5,4 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal
Jahrelang galt Intel Foundry als riesiges Milliardengrab. Das Unternehmen steckte Zehnmilliarden in fortschrittliche Fertigungskapazitäten, Prozesstechnologie und Fabrikerweiterungen, während das Segment operative Verluste in Milliardenhöhe auswies. Von den Anlegern wurde Geduld verlangt – selbst als sich die Verluste weiter anhäuften.
Nun ändert sich das Narrativ. Der Quartalsumsatz der Foundry-Sparte entwickelt sich zu einem bedeutenden Teil des Gesamtgeschäfts. Das bedeutet: Intel ist nicht mehr ausschließlich auf den Verkauf eigener Prozessoren angewiesen. Das Unternehmen kann auch Chips für andere Firmen fertigen – ein entscheidender strategischer Wandel. Da der KI-Boom weiterhin in vollem Gange ist und Hyperscaler Milliarden ausgeben, um sich führende Halbleiterlösungen zu sichern, bietet sich Intel die Chance, einen Teil eines Marktes zu erobern, in den es spät eingestiegen ist.
Operative Verluste bleiben ein ernstes Problem
Trotz der positiven Entwicklungen bleibt das Foundry-Geschäft unrentabel. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete das Segment einen operativen Verlust von rund 2,44 Milliarden US-Dollar. Intel blieb auf GAAP-Basis weiterhin in den roten Zahlen, und der Nettoverlust weitete sich im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 350 Prozent aus. Das sind keine Zahlen, die man kleinreden sollte.
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Zur AktienanalyseNiemand hat jedoch erwartet, dass die Foundry-Sparte über Nacht in die Gewinnzone springt. Der wichtigere Punkt ist, dass sich der Umsatz in die richtige Richtung bewegt. Partnerschaften mit Hyperscalern und KI-Marktführern sorgen für Glaubwürdigkeit – und diese könnte sich in einen echten Wettbewerbsvorteil in der Auftragsfertigung übersetzen. Wenn Intel seine Roadmap weiter umsetzt, die Fertigungsausbeute verbessert und weitere hochkarätige Kunden gewinnt, könnte die ursprüngliche Foundry-Vision schließlich Gestalt annehmen.
Ist Intel heute ein Kauf?
Die Intel-Aktie wird von der Wall Street derzeit mehrheitlich mit „Buy" eingestuft. Dennoch tendieren immer mehr Analysten zu „Hold", da sich der Kurs seinem Kursziel nähert. Dieses Zögern ist nachvollziehbar: Es ist eine Sache, die Unternehmensstory durch Partnerschaften zu untermauern und den Umsatz zu steigern. Es ist eine andere, diese guten Nachrichten in stetige, dauerhafte Gewinne umzuwandeln.
Anleger werden weitere Bestätigungen benötigen, bevor sie von einer nachhaltigen Trendwende sprechen können. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint es jedoch fair zu sagen, dass Intels Foundry-Wette nicht mehr nur ein kostspieliges Experiment ist. Es ist ein legitimer Weg für zukünftiges Wachstum – und ein wichtiger Grund, warum einige Investoren die Aktie neu bewerten.


