Intersport greift Decathlon mit neuem Superstore-Konzept an
Marktführer setzt auf Eigenmarken und Niedrigpreise – erste Filialen in Ostdeutschland geplant

Der deutsche Sporthandel steht vor einer strategischen Neuausrichtung: Marktführer Intersport startet mit einem neuen Superstore-Konzept den direkten Angriff auf den französischen Wettbewerber Decathlon. Im Frühjahr 2026 eröffnet in Halle an der Saale der erste deutsche Intersport-Superstore – ausgerechnet dort, wo auch Decathlon eine neue Filiale plant.
Das neue Format richtet sich explizit an "preissensiblere Kunden mit geringerer Markenorientierung", wie Intersport mitteilt. Mit 2.500 Quadratmetern Verkaufsfläche ist der Superstore doppelt so groß wie eine klassische Intersport-Filiale. Der Eigenmarkenanteil soll zwischen 20 und 30 Prozent liegen – deutlich höher als im bisherigen Sortiment.
"Das ist ein Angriff auf Decathlon, aber keine Kopie", erklärt Alexander von Preen, Chef von Intersport Deutschland. Die Konzernmarken McKinley und Energetics werden künftig eine zentrale Rolle spielen. Weitere Superstores folgen 2026 in Chemnitz und Thüringen, mindestens zwei zusätzliche Standorte sind geplant.
Decathlon wächst kontinuierlich
Die Zahlen zeigen, warum Intersport reagiert: Während der Marktführer im Geschäftsjahr 2024/2025 mit 3,46 Milliarden Euro Umsatz stagnierte, legt Decathlon kontinuierlich zu. Von 782 Millionen Euro (2020) steigerte der französische Händler seinen Deutschland-Umsatz auf 1,17 Milliarden Euro (2024).
Global ist Decathlon mit 16,2 Milliarden Euro Umsatz und 1.817 Filialen in 79 Ländern der weltgrößte Sporthändler. Das 1976 von den vermögenden Familien Mulliez und Leclercq gegründete Unternehmen dominiert mit Eigenmarken wie Quechua, Domyos und Kipsta. Analysen zeigen: 80 bis 90 Prozent des Sortiments sind Eigenmarken – Marken wie Nike und Adidas spielen nur eine Nebenrolle.
Intersport betreibt zwar 1.400 Geschäfte in Deutschland und ist damit wesentlich breiter aufgestellt als Decathlon mit seinen 105 Filialen. Doch die Wachstumsdynamik spricht für den französischen Herausforderer, der seine Expansion in Mitteldeutschland vorantreibt: Neben Halle entstehen 2026 neue Filialen in Leipzig und Dresden.
Verbraucher setzen auf Eigenmarken
Der Strategiewechsel bei Intersport reflektiert einen grundlegenden Markttrend: Deutsche Konsumenten sind preissensibler geworden. Laut NIQ-GfK geben Deutsche nur 547 Euro pro Kopf für Bekleidung und Schuhe aus – deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 772 Euro. McKinsey konstatiert einen Rückgang der Markentreue und eine "Fokussierung auf Erschwinglichkeit".
Das Superstore-Konzept ist für Intersport nicht neu: Die italienische Tochter Cisalfa testete das Format bereits erfolgreich in Udine, Rom und Montecchio Maggiore. Cisalfa, größter Sporthändler Italiens, verstärkte 2023 seine Deutschland-Präsenz durch die Übernahme von Intersport-Voswinkel (50 Filialen) und Sportscheck (25 Filialen) aus der Signa-Insolvenzmasse.
Ehrgeizige Wachstumsziele
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Zur AktienanalyseTrotz der aktuellen Stagnation bleibt Intersport optimistisch: CEO von Preen bekräftigte das Ziel, bis 2030 insgesamt 100 neue Geschäfte zu eröffnen und einen Umsatz von 6 Milliarden Euro zu erreichen. 56 neue Filialen seien bereits eröffnet worden. "Wir werden dieses Ziel übererfüllen", so von Preen.
Vorstandsmitglied Henriette Tesch sieht vor allem im Laufsport Wachstumspotenzial: "Der Running-Trend wird anhalten. Der klassische weiße Sneaker wird im Alltag zunehmend ersetzt durch einen Laufschuh mit Dämpfung." Auch Multifunktionalität gewinne an Bedeutung – Kunden kauften weniger spezialisierte Outfits und nutzten Produkte für mehrere Sportarten.
Die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2026 soll zusätzlichen Rückenwind bringen. Ob das neue Superstore-Konzept Intersport zurück auf Wachstumskurs bringt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Der Sporthandel steht jedenfalls vor einer spannenden Konsolidierungsphase.


