Intesa Sanpaolo greift nach Monte dei Paschi für 30,6 Milliarden Euro
Italiens größte Bank will den Rivalen MPS schlucken – und schiebt damit Konkurrent Banco BPM aus dem Rennen.

Italiens Bankensektor steht vor seiner größten Fusion aller Zeiten. Intesa Sanpaolo, die führende Bankengruppe des Landes, hat am Montag ein Übernahmeangebot für Monte dei Paschi di Siena (MPS) in Höhe von 30,6 Milliarden Euro vorgelegt. Das Angebot erfolgt in bar und Aktien und enthält eine Prämie von 12,5 Prozent auf den MPS-Schlusskurs vom Freitag.
Die Reaktion an der Börse in Mailand ließ nicht lange auf sich warten: MPS-Aktien schossen um mehr als elf Prozent in die Höhe. Für Anleger, die bereits in der toskanischen Traditionsbank investiert sind, ist das ein deutliches Signal – der Markt bewertet das Angebot als ernsthaft und attraktiv.
Banco BPM im Abseits
Der überraschende Vorstoß von Intesa kommt nicht ohne Kalkül. Noch am Sonntag hatte Banco BPM angekündigt, MPS eine „Fusion unter Gleichen" vorschlagen zu wollen. Dieser Zusammenschluss hätte einen kombinierten Börsenwert von rund 50 Milliarden Euro ergeben und jährliche Vorsteuersynergien von mehr als 1,1 Milliarden Euro einbringen sollen – was den Gewinn je Aktie um über zehn Prozent gesteigert hätte. Doch nach italienischem Übernahmerecht verhindert das nun vorliegende formelle Angebot von Intesa, dass MPS ohne Zustimmung seiner Aktionäre eine Vereinbarung mit BPM eingeht. Der MPS-Verwaltungsrat trat am Montag zusammen, um die neue Lage zu bewerten.
Der Hintergrund ist komplex: BPM war erst im November 2024 bei MPS eingestiegen. Die Pläne für ein Zusammengehen der beiden Häuser hatten zuvor bereits Turbulenzen ausgelöst. Die Großbank UniCredit hatte versucht, BPM zu übernehmen, um genau diese Fusion zu verhindern – scheiterte damit jedoch im Juli 2025. UniCredit-Chef Andrea Orcel richtet seinen Blick seither auf die deutsche Commerzbank.
Ein Schwergewicht für die Eurozone
Sollte die Übernahme gelingen, entstünde die zweitgrößte Bankengruppe der Eurozone nach der spanischen Santander. Der kombinierte Börsenwert des neuen Instituts würde 126 Milliarden Euro erreichen. Für das Jahr 2029 peilt Intesa einen Nettogewinn von 16 Milliarden Euro an – nach einem gemeinsamen Gewinn von 13,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.
Intesa-Chef Carlo Messina erklärte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, sein Haus wolle die MPS-Tochter Mediobanca samt deren Marke sowie die dazugehörige Generali-Beteiligung behalten. Intesa selbst ist stark auf Vermögensverwaltung und Versicherungen ausgerichtet und plant, eine Beteiligung von drei Prozent an Generali zu halten. Generali solle die Bank jedoch nicht übernehmen, stellte Messina klar.
Filialen gehen an Unipol und BPER
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Zur AktienanalyseUm kartellrechtliche Bedenken zu zerstreuen, hat Intesa parallel ein Abkommen mit dem Versicherer Unipol geschlossen. Im Erfolgsfall sollen rund die Hälfte der MPS-Filialen – insgesamt 635 Geschäftsstellen – sowie die Zentrale in Siena für bis zu 3,5 Milliarden Euro an Unipol veräußert werden. Unipol plant, diese Einheiten mit der BPER Banca zusammenzuführen.
MPS selbst hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Bank wurde 2017 vom italienischen Staat gerettet und in den Jahren 2023 und 2024 schrittweise wieder privatisiert. Seit der Übernahme von Mediobanca gilt das Institut als begehrtes Ziel für Konsolidierungsbestrebungen im europäischen Bankensektor. UniCredit hatte zudem im vergangenen Jahr eine größere Beteiligung am Versicherer Generali aufgebaut, während MPS durch den Mediobanca-Kauf zum größten Einzelinvestor bei Generali aufgestiegen war.
Intesa selbst hatte sich nach dem Kauf der mittelgroßen Bank UBI im Jahr 2020 – der dem Institut ein Fünftel des italienischen Marktes sicherte und UniCredit überholte – bewusst aus der Konsolidierungswelle herausgehalten. Messina hatte das Treiben im Sektor einst als „Wilden Westen" bezeichnet. Mit dem jetzigen Angebot kehrt Intesa nun selbst als treibende Kraft auf die Bühne zurück.


