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Iran-Konflikt entlarvt den Dollar als geschwächte Waffe

Der Stillstand in der Straße von Hormus zeigt: US-Sanktionen und der Dollar als geopolitisches Druckmittel verlieren an Wirkung.

Iran-Konflikt entlarvt den Dollar als geschwächte Waffe

Der Konflikt um die Straße von Hormus hat eines der mächtigsten geopolitischen Instrumente der USA in einem neuen Licht erscheinen lassen. Die Drohung, Ländern den Zugang zum globalen Dollarsystem zu entziehen, wirkt zunehmend stumpf. Analysten sprechen von einem geschwächten Knüppel – einem Instrument, das durch übermäßigen Einsatz an Schrecken verloren hat.

Dan Davies, Managing Director bei Frontline Analysts und Autor von „The Unaccountability Machine", zieht in einem Beitrag für die Financial Times eine ernüchternde Bilanz. Er beruft sich auf eine alte Zentralbanker-Maxime aus David Kynastons Geschichte der Bank of England: „Schwingen Sie den großen Knüppel, wenn Sie wollen, aber benutzen Sie ihn niemals; er könnte in Ihrer Hand zerbrechen."

Dollar-Sanktionen: Unannehmlichkeit statt Todesurteil

Erste Risse im System zeigten sich bereits 2022, als russische Banken nach dem Einmarsch in die Ukraine vom Swift-Zahlungssystem abgekoppelt wurden. Schon damals war absehbar, dass dies eher eine Unannehmlichkeit als ein wirtschaftliches Todesurteil sein würde. Russland gelang es trotz Sanktionen, weiterhin Krieg zu führen und Öl zu verkaufen – zur Enttäuschung der Sanktionsbefürworter.

Der Fall Iran ist noch deutlicher. Das Land gehört zu den am stärksten sanktionierten Staaten der Welt; das US-Finanzministerium hat Sanktionen verhängt, die ein ganzes Land und nicht nur einzelne Unternehmen oder Personen betreffen. Dennoch verkaufte der Iran während des Konflikts mit den USA weiterhin Öl und verlangte laut Lloyd's List Intelligence von internationalen Reedereien bis zu 2 Millionen US-Dollar für eine sichere Passage durch die Straße von Hormus.

Nach Berichten über einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran deutete ein iranischer Beamter zudem an, dass sein Land künftig Gebühren in Kryptowährungen von Reedereien verlangen werde – konkret 1 US-Dollar pro transportiertem Barrel Öl, zahlbar in digitalen Währungen.

Krypto als Ausweichweg für Sanktionierte

Das strukturelle Problem liegt auf der Hand: Der Ausschluss vom Dollarsystem ist nur dann eine wirksame Drohung, wenn die betroffenen Akteure stark in die globale Dollar-Wirtschaft integriert sind. Offene Volkswirtschaften mit engen Verflechtungen in internationale Lieferketten sind am verwundbarsten – doch gerade diese sind selten die Zielländer von Sanktionen.

Sanktionierte Staaten hingegen gewöhnen sich daran, mit dem Vorhandenen auszukommen. Der Iran kann einen Teil seines Öls gegen chinesische Renminbi verkaufen, da der Großteil seiner Importe aus China stammt. Laut Untersuchungen des Atlantic Council existiert zudem ein Netzwerk von Banken und Schattenfinanzunternehmen, die bereit sind, das Risiko der US-Strafverfolgung einzugehen und Zahlungen in Dollar zu waschen.

Noch gravierender: Die USA kontrollieren nicht den Fluss von Zahlungen in Bitcoin oder Stablecoins – Kryptowährungen, die an reale Vermögenswerte wie den Dollar gekoppelt sind –, die über dezentrale Netzwerke übertragen werden. Während US-Geldwäschevorschriften den Verbündeten Washingtons weiterhin Unannehmlichkeiten bereiten, verfügen Länder im Konflikt mit Amerika über einen weitgehend unregulierten parallelen Krypto-Dollar.

Bewaffnete Interdependenz und ihre Grenzen

Der Politikwissenschaftler Henry Farrell, der den Begriff der „bewaffneten Interdependenz" mitgeprägt hat, hatte diese Entwicklung in einem Anfang des Jahres veröffentlichten Papier vorausgesagt, an dem Davies als Co-Autor beteiligt war. Das Dollarsystem, lange eine Quelle globaler Stabilität, entwickle sich durch seinen zunehmenden Einsatz als Waffe zu einer Quelle der Instabilität.

Die Autoren warnten: „Wenn die USA den Druck erhöhen, werden andere Länder versuchen, der Dollar-Macht zu entkommen, was die USA wahrscheinlich dazu veranlassen wird, ihre Reaktion zu verstärken." Eine Eskalationsspirale, die das Fundament des globalen Finanzsystems untergräbt.

Dabei ist nicht alles verloren: Gezielte Sanktionen gegen Einzelpersonen scheinen laut dem Papier wirksamer zu sein als pauschale Ländersanktionen. Und die Isolierung Nordkoreas vom regulären globalen Finanzsystem zeigt, dass Sanktionen unter bestimmten Bedingungen durchaus Wirkung entfalten können. Doch das globale Finanzwesen insgesamt, so das ernüchternde Fazit, ist wohl eher ein Kraftverstärker für Amerikas Feinde als eine verlässliche geopolitische Waffe.

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