Iran-Krieg belastet Discount-Aktien trotz historischer Gewinnerrolle
Jim Cramer warnt: Kriegsängste treffen selbst klassische Krisengewinner wie TJX, Dollar General und Ross Stores hart.

CNBC-Moderator Jim Cramer hat am Montag auf eine ungewöhnliche Marktentwicklung hingewiesen: Aktien, die in wirtschaftlich schwierigen Phasen traditionell zu den Gewinnern zählen, werden derzeit massiv abverkauft. Schuld daran sind laut Cramer die wachsenden Ängste rund um den Iran-Krieg und steigende Ölpreise.
Konkret nannte Cramer in seiner Sendung „Mad Money" Einzelhändler wie TJX, Dollar General, Dollar Tree, Ross Stores und Five Below. Diese Unternehmen gelten normalerweise als Profiteure, wenn Konsumenten in wirtschaftlich angespannten Zeiten auf günstigere Alternativen ausweichen. Doch genau das passiert derzeit nicht.
Anleger reagieren auf Schlagzeilen statt auf Fundamentaldaten
Der Hintergrund: Präsident Donald Trump hat den jüngsten Vorschlag Teherans zur Beendigung des Konflikts abgelehnt, was die Sorge schürt, dass sich der Iran-Krieg weiter hinziehen könnte. Die Befürchtung erhöhter Ölpreise und damit steigender Belastungen für Haushaltsausgaben treibt Anleger dazu, konsumnahe Aktien pauschal zu verkaufen – unabhängig davon, ob es sich um Premium- oder Discount-Anbieter handelt.
Der SPDR S&P Retail ETF fiel am Montag um rund 3,6 Prozent. Auch die sonst defensiven Discounter und Off-Price-Ketten erhielten dabei keine Unterstützung vom Markt. Cramer betonte, dass Benzinpreise von vier Dollar und mehr eigentlich ein klares Signal wären, genau diese Aktien zu kaufen – doch das Gegenteil ist der Fall.
TJX – die Muttergesellschaft von T.J. Maxx und Marshalls – verlor im Handelsverlauf fast 3 Prozent. Cramer hob das Unternehmen als einen Einzelhändler hervor, der in diesem Umfeld normalerweise „hervorragend" abschneidet, da es davon profitiert, wenn andere Ketten auf überschüssigen Lagerbeständen sitzen bleiben. Cramer fügte hinzu, dass sein Charitable Trust, das vom CNBC Investing Club genutzte Portfolio, die Aktie hält und angesichts des jüngsten Rückgangs über Zukäufe diskutiert hat.
Besonders harte Verluste bei Five Below und Ross Stores
Noch deutlicher traf es Five Below: Die Aktie des Discounters, der ausschließlich diskretionäre Produkte verkauft, fiel laut Cramer um rund 6,7 Prozent. Er beschrieb den Kursrückgang mit drastischen Worten als regelrechtes „Abschlachten" des Titels.
Besonders auffällig ist die Situation bei Ross Stores. Trotz starker Quartalsergebnisse entwickelte sich die Aktie zu einem der schwächsten Werte im gesamten S&P 500. „Ross hatte die besten Zahlen der Gruppe, und dennoch ist es einer der schlechtesten Werte im gesamten S&P 500", sagte Cramer. Ross verlor rund 5 Prozent.
Für Cramer ist diese Diskrepanz zwischen Fundamentaldaten und Kursentwicklung ein klares Zeichen dafür, dass Anleger derzeit emotional auf Kriegs- und Ölschlagzeilen reagieren, anstatt dem typischen Investitionsmuster für ein schwächelndes Konsumumfeld zu folgen. „Es ist nun ziemlich klar, dass uns dieser Krieg noch lange begleiten wird", sagte er. „Sicherlich ist das die Art und Weise, wie die Wall Street es derzeit beurteilt."
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Zur AktienanalyseCramers Warnung: Strategie überdenken
Letztlich warnte Cramer Anleger davor, auf Basis von Schlagzeilen zu handeln. Wer auf einen schwächeren Konsumenten setze und deshalb klassische Krisengewinner im Einzelhandel kaufe, müsse seine Strategie möglicherweise überdenken. „Einzelhandel kaufen, weil die falschen Aktien billig geworden sind? Das hat bisher nicht funktioniert", so Cramer.
Die Situation verdeutlicht, wie geopolitische Unsicherheiten klassische Marktmuster außer Kraft setzen können. Für deutsche Privatanleger, die in US-Konsumwerte investiert sind oder dies planen, unterstreicht die aktuelle Entwicklung die Bedeutung einer breiten Diversifikation und eines kühlen Kopfes in turbulenten Marktphasen.


