Iran-Spannungen lassen nach – Fed-Zinsentscheidung bleibt im Fokus
Während sich der Iran-Konflikt beruhigt, wächst der Druck auf die US-Notenbank Fed, die Zinsen anzuheben.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich erneut abgeschwächt – und damit keimen neue Hoffnungen, dass die Krise im Nahen Osten abklingt. Sollte sich diese Beruhigung als dauerhaft erweisen, könnten wieder „normale" konjunkturelle Faktoren die wirtschaftlichen Aussichten und die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve bestimmen. Doch die Erfahrungen seit Beginn des Krieges am 28. Februar zeigen: Ein Blick mehr als wenige Tage in die Zukunft gleicht einem Münzwurf.
Die zentrale Herausforderung für die Fed liegt in einem Dilemma: Sind die Kämpfe tatsächlich beendet und kehren die Energieexporte aus dem Persischen Golf zur Normalität zurück, wäre eine abwartende Haltung in der Geldpolitik weiterhin angemessen. Gleichzeitig brodelt jedoch die Sorge, dass der jüngste Anstieg der Gesamtinflation – der sich im Juni zu verlangsamen begann – auf die Kernraten der Preise übergreifen könnte. In diesem Fall würde sich das Inflationsrisiko vom Konflikt entkoppeln und von fundamentalen wirtschaftlichen Faktoren getrieben werden.
Rentenmarkt sendet deutliches Signal
Am deutlichsten zeigt sich der Stimmungsumschwung bei der zinssensitiven Rendite 2-jähriger US-Staatsanleihen, die an der Wall Street als wichtiger Indikator für Zinserwartungen gilt. Obwohl die Rendite in den letzten beiden Handelssitzungen leicht nachgegeben hat und am Montag, dem 27. Juli, auf 4,33 Prozent sank, ist der Aufwärtstrend seit Beginn der Bombenangriffe auf den Iran vor fünf Monaten unverkennbar. Die Kluft zwischen dieser 2-Jahres-Rendite und dem effektiven Leitzins von 3,63 Prozent ist ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass der Markt eine baldige Zinserhöhung einpreist.
Die Fed-Funds-Futures deuten für die aktuelle Fed-Sitzung weiterhin auf keine Änderung hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank ihre Leitzinsspanne von 3,50 bis 3,75 Prozent in der Ankündigung am Mittwoch unverändert lässt, wird auf rund 66 Prozent geschätzt. Diese Wahrscheinlichkeit ist jedoch zuletzt gesunken, während die Erwartungen für Zinserhöhungen bei künftigen Sitzungen gestiegen sind. Eine Anhebung auf der FOMC-Sitzung im September wird derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent eingepreist.
Zwei Szenarien, ein Dilemma
Die Komplikation für die Fed liegt darin, dass die Geldpolitik ohne den Krieg wohl bereits an oder nahe einem neutralen Stand stünde – basierend auf einem einfachen Modell, das die Arbeitslosenquote und das jährliche Tempo der Verbraucherinflation berücksichtigt. Doch die Realität lässt sich nicht ignorieren: Der Nahostkonflikt und seine makroökonomischen Auswirkungen entwickeln sich ständig weiter und sorgen für Überraschungen.
Konkret stehen zwei Szenarien im Raum: Hält der Krieg an, steigt das Inflationsrisiko weiter – und die Fed könnte die Fähigkeit verlieren, den Preisdruck ohne präventive Maßnahmen zu kontrollieren. Flaut der Konflikt hingegen ab und werden die Energieexporte hochgefahren, kühlt die Gesamtinflation weiter ab, was den Druck für Zinserhöhungen verringert. Eine voreilige Anhebung könnte in diesem Fall die moderate wirtschaftliche Expansion unnötig bremsen.
Beide Szenarien sind plausibel – was eine abwartende Haltung der Fed weiterhin vernünftig erscheinen lässt. Der Rentenmarkt verliert jedoch die Geduld mit dieser Sichtweise, was die Notenbank zum Handeln zwingen könnte, falls die Renditen weiter steigen.
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Zur AktienanalyseGlaubwürdigkeit der Fed steht auf dem Spiel
Klar ist zumindest eines: Die Inflation liegt weiterhin deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent – sowohl bei den Gesamt- als auch bei den Kernraten des Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), dem bevorzugten Inflationsmaß der Zentralbank. Fed-Chef Kevin Warsh hat sich dafür ausgesprochen, den Fokus stärker auf andere Inflationskennzahlen zu legen, die einen schwächeren Preistrend widerspiegeln. Möglicherweise wird er auf der morgigen Pressekonferenz auf alternative Indikatoren verweisen, um zu argumentieren, dass die Inflation niedriger ist, als es die Standardmetriken nahelegen.
Diese potenzielle Neuausrichtung wird je nach Perspektive entweder als sinnvoller Übergang zu zuverlässigeren Inflationsmaßen oder als Akt der Verzweiflung gewertet werden. Das größte Risiko bleibt die Glaubwürdigkeit der Zentralbank – sie könnte einen schweren Schlag erleiden, falls die Fed die Geldpolitik in dieser kritischen Phase falsch steuert.

