Iran-Waffenruhe: Hoffnung für 20.000 festsitzende Seeleute im Golf
Der Verband Deutscher Reeder wertet den Waffenstillstand als wichtiges Signal – doch die Lage bleibt angespannt.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hat die zweiwöchige Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA als bedeutendes Signal für tausende im Persischen Golf festsitzende Seeleute gewertet. Gleichzeitig betonte ein VDR-Sprecher aus Hamburg, die Lage bleibe angespannt, solange konkrete Details fehlten und die Sicherheit nicht verlässlich gewährleistet sei.
Seit Ausbruch des Krieges Ende Februar stecken laut VDR mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten an Bord im Persischen Golf fest. Darunter befinden sich mindestens 50 Schiffe, die deutschen Reedereien gehören – eine erhebliche Betroffenheit für die heimische Schifffahrtsbranche.
Auch auf internationaler Ebene wurde der Waffenstillstand begrüßt. Arsenio Dominguez, Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), erklärte, er begrüße die Einigung „im Interesse der Gesundheit und des Wohlergehens der Seeleute sowie der weltweiten Schifffahrtsindustrie". Dominguez arbeite aktiv mit den zuständigen Parteien zusammen, um einen geeigneten Mechanismus für die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus einzurichten.
Straße von Hormus: Schlüsselroute für den globalen Ölhandel
Die Einigung zwischen Iran und den USA sieht ausdrücklich eine Öffnung der Straße von Hormus vor – jener strategisch bedeutsamen Meerenge, die den Persischen Golf mit den internationalen Schifffahrtsrouten verbindet. Irans Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte in einer offiziellen Erklärung, dass der Schiffsverkehr in der für den globalen Ölhandel zentralen Wasserstraße wieder ermöglicht werde.
Für Anleger ist die Entwicklung rund um die Straße von Hormus von besonderer Relevanz: Durch diese Meerenge fließt ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports. Jede Eskalation oder Entspannung in der Region hat direkte Auswirkungen auf die Energiepreise und damit auf eine Vielzahl von Branchen und Aktienmärkten weltweit.
Deutsche Reedereien wägen Durchfahrt sorgfältig ab
Deutsche Reedereien prüfen nach Angaben des VDR fortlaufend, ob eine Durchfahrt der Straße von Hormus möglich und vertretbar ist. „Angesichts der weiterhin unklaren Lage und fehlender verlässlicher Sicherheitsgarantien ist jedoch davon auszugehen, dass mögliche Durchfahrten sehr sorgfältig abgewogen werden", hieß es vom Verband.
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Zur AktienanalyseDer Hamburger Kreuzfahrtanbieter Tui Cruises hält auf seinen zwei im Golf festsitzenden Schiffen derzeit eine Rumpfbesatzung vor. Laut einem Unternehmenssprecher wird geprüft, die Schiffe aus der Region herauszuführen. Die Lübecker Massengutreederei Oldendorff Carriers erklärte, Optionen im Einklang mit internationalen Regeln zu prüfen – aus Sicherheitsgründen für die Crews könne man jedoch keine Details zu konkreten Plänen nennen.
Das Kreuzfahrtunternehmen MSC Cruises aus München wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch ein Schiff dieser Reederei liegt derzeit im Persischen Golf fest. Die Zurückhaltung der Unternehmen verdeutlicht, wie ernst die Sicherheitslage trotz des Waffenstillstands nach wie vor eingeschätzt wird.


