ISS empfiehlt Nein-Votum gegen BPs Klimaberichterstattungs-Streichungspläne
Der mächtige Stimmrechtsberater ISS stellt sich gegen den BP-Verwaltungsrat und dessen Pläne zur Aufhebung früherer Klimabeschlüsse.

Der einflussreiche Stimmrechtsberater Institutional Shareholder Services (ISS) hat am Freitagabend eine Empfehlung veröffentlicht, die es in sich hat: Aktionäre des britischen Ölkonzerns BP sollen gegen das Vorhaben des Verwaltungsrats stimmen, bestehende Verpflichtungen zur Klimaberichterstattung aufzuheben. Dies geht aus einer Reuters vorliegenden Mitteilung hervor. ISS gehört zu den einflussreichsten Stimmrechtsberatern weltweit – seine Empfehlungen beeinflussen einen erheblichen Teil der Aktionärsstimmen auf Hauptversammlungen.
Konkret geht es um zwei Beschlüsse aus den Jahren 2015 und 2019, die eine unternehmensspezifische Klimaberichterstattung für BP vorschreiben. Der BP-Verwaltungsrat hat für die Hauptversammlung am 23. April eine Abstimmung angesetzt, um diese beiden Beschlüsse aufzuheben. Für eine erfolgreiche Aufhebung benötigt BP die Zustimmung von mindestens 75 Prozent der Aktionäre – eine hohe Hürde, zumal die ursprünglichen Beschlüsse seinerzeit mit einer Mehrheit von fast 100 Prozent angenommen worden waren.
ISS: „Beispiellos im britischen Kontext"
ISS begründet seine ablehnende Haltung unmissverständlich. „Es wäre ein besonders überzeugendes Argument erforderlich, um einen solchen rechtlichen Widerruf zu rechtfertigen, der nach unserer Einschätzung im britischen Kontext beispiellos ist", erklärte der Stimmrechtsberater in seiner Analyse. Dass ein großer Proxy-Advisor die Anleger dazu auffordert, explizit gegen die Wünsche der Unternehmensführung zu votieren, ist in der Praxis vergleichsweise selten und verleiht der Empfehlung besonderes Gewicht.
Darüber hinaus hält ISS das Argument des Verwaltungsrats für nicht ausreichend überzeugend. „Wir halten das Argument des Verwaltungsrats, wonach die früheren Beschlüsse die Klarheit der Berichterstattung und standardisierte Offenlegungen beeinträchtigen, nicht für ausreichend überzeugend, um die Bedenken hinsichtlich der ‚Einstellung' der relevanten Offenlegungen auszuräumen", heißt es in der Analyse weiter. Für Anleger, die Klimarisiken als wesentlichen Bewertungsfaktor betrachten, ist dies ein deutliches Signal.
BPs Position: Verbindliche Rahmenwerke als Ersatz
BP selbst argumentiert, dass die von dem Vorschlag betroffenen Anforderungen weitgehend durch verbindliche Offenlegungsrahmenwerke ersetzt worden seien, die vergleichbarere Daten lieferten. Das Unternehmen betont, Klimadaten weiterhin gemäß umfassenderen Rahmenwerken zu melden – darunter die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) sowie die Climate-related Financial Disclosure Regulations. Der Konzern sieht die Aufhebung der alten Beschlüsse also nicht als Rückzug aus der Klimatransparenz, sondern als Modernisierung der Berichterstattungsstruktur.
Die ISS-Empfehlung fällt zudem in den Kontext einer sich ausweitenden Klimakampagne gegen BP durch europäische Investoren. Angeführt wird diese von der niederländischen aktivistischen Aktionärsgruppe Follow This, die gemeinsam mit weiteren Unterstützern weniger als 0,5 Prozent der BP-Anteile hält. Obwohl ihr Anteil gering ist, haben solche Kampagnen in der Vergangenheit regelmäßig breitere Aufmerksamkeit erzeugt und andere institutionelle Investoren mobilisiert.
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Zur AktienanalyseWeitere ISS-Empfehlung: Nein zu reinen Online-Hauptversammlungen
Neben der Klimafrage empfiehlt ISS den Aktionären außerdem, gegen eine weitere Maßnahme zu stimmen: BP möchte sich das Recht sichern, künftig reine Online-Hauptversammlungen abzuhalten. Auch hier folgt ISS nicht der Linie des Verwaltungsrats. Für Privatanleger und institutionelle Investoren ist die physische Präsenz auf Hauptversammlungen ein wichtiges Instrument der Einflussnahme und des direkten Dialogs mit dem Management.
Die Hauptversammlung am 23. April wird damit zu einem Stimmungstest für BPs Klimastrategie und die Bereitschaft der Aktionärsbasis, dem Verwaltungsrat in einem sensiblen ESG-Thema zu folgen. Angesichts der klaren ISS-Empfehlung und des aktivistischen Drucks durch Follow This dürfte die Abstimmung mit Spannung erwartet werden.


