IWF-Ökonom lobt Feds Abkehr von strikter Forward Guidance
Der scheidende IWF-Chefökonom Gourinchas nennt den neuen Kurs von Fed-Chef Warsh „vollkommen angemessen" – mit wichtigen Einschränkungen.

Der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Pierre-Olivier Gourinchas, hat den neuen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Federal Reserve ausdrücklich unterstützt. Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuletzt die sogenannte Forward Guidance – also die Vorabkommunikation über künftige Zinsentscheidungen – deutlich zurückgefahren. Gourinchas bezeichnete diesen Schritt am Freitag als „vollkommen angemessen".
Gourinchas, der sein Amt beim IWF nächste Woche niederlegt, um in die Wissenschaft zurückzukehren, übte dabei auch Kritik an der bisherigen Praxis. Eine zu starre Forward Guidance lege Zentralbanken auf künftige Maßnahmen fest, unabhängig davon, wie sich die Wirtschaft tatsächlich entwickle. „Das ist natürlich nicht haltbar", sagte er in einem Interview.
Lehre aus der Inflationskrise 2021/2022
Als konkretes Beispiel nannte Gourinchas die Inflationskrise in den USA der Jahre 2021 und 2022. Damals stieg die Inflation sprunghaft an, doch die Fed reagierte zunächst zu langsam – weil sie zuvor versprochen hatte, die Zinsen stabil zu halten. Diese Selbstbindung erwies sich als kostspielig und verdeutlicht die Risiken einer zu expliziten Vorabkommunikation.
Gleichzeitig betonte der IWF-Ökonom, dass eine vollständige Abkehr von jeglicher Orientierungshilfe unrealistisch sei. „Zu sagen, dass es gar keine Forward Guidance gibt, entspricht meiner Meinung nach nie der Realität. Man macht es entweder explizit oder implizit – der Markt wird sich so oder so eine Meinung bilden", erklärte Gourinchas. Zentralbanken müssten den Märkten stets eine gewisse langfristige Orientierung bieten, damit diese Vorstellungen über die Entwicklung der langfristigen Zinsen entwickeln könnten.
Warsh leitet grundlegende Überprüfung der Fed-Kommunikation ein
Kevin Warsh übernahm im vergangenen Monat das Amt des Fed-Vorsitzenden und hat seitdem eine umfassende Überprüfung eingeleitet. Diese könnte die Art und Weise, wie die Zentralbank Entscheidungen trifft und mit der Öffentlichkeit kommuniziert, grundlegend neu gestalten. Bereits in seiner ersten Zinssitzung als Vorsitzender erzielte er einen einstimmigen Konsens für eine gestraffte Grundsatzerklärung, aus der jegliche Forward Guidance zu künftigen kurzfristigen Maßnahmen gestrichen wurde.
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Zur AktienanalyseDie Äußerungen von Gourinchas sind bemerkenswert, da sie die ersten eines hochrangigen IWF-Vertreters zum neuen Kurs der Fed darstellen. Der IWF hatte in der Vergangenheit Zentralbanken stets dazu gedrängt, ihre geldpolitischen Pläne transparent zu machen, um die Inflationserwartungen zu verankern. Der neue Ton signalisiert eine gewisse Neuausrichtung in der Bewertung geldpolitischer Kommunikationsstrategien.
Gourinchas wies zudem darauf hin, dass auch andere Zentralbanken weltweit in dieselbe Richtung tendierten. Viele verfolgen weiterhin Regimes des sogenannten Inflation Targeting, die darauf abzielen, die Inflation für einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren in der Zukunft zu steuern. Dieser Ansatz biete den Märkten eine gewisse Orientierung, ohne die Zentralbank starr auf konkrete Zinsschritte festzulegen – ein Mittelweg zwischen Transparenz und geldpolitischer Flexibilität.

