Japan interveniert am Devisenmarkt bei Yen-Kurs unter 160
Tokio stützte den Yen während der Golden Week und dürfte erneut eingreifen, falls die Währung unter 160 pro Dollar fällt.

Japan hat während der Golden-Week-Feiertage wahrscheinlich am Devisenmarkt interveniert, um einen massiven Ausverkauf des Yen zu verhindern. Dies erklärte Atsushi Takeuchi, ein ehemaliger Zentralbankbeamter, der vor einem Jahrzehnt selbst an Marktinterventionen Tokios beteiligt war. Gegenüber Reuters betonte er, dass die Behörden erneut eingreifen dürften, sollte der Yen erneut unter die Marke von 160 pro US-Dollar fallen.
Das japanische Finanzministerium (MOF) beabsichtige zwar nicht, eine bestimmte Kursschwelle zu verteidigen, habe aber gehandelt, um eine sich beschleunigende Abwärtsspirale zu stoppen. Die 160er-Marke hat sich für Händler zu einem psychologisch wichtigen Niveau entwickelt. Das Ministerium musste laut Takeuchi seinen Worten Taten folgen lassen, um nicht den Eindruck zu erwecken, Tokio toleriere eine fortlaufende Yen-Abwertung.
Milliardenschwere Intervention in der Vorwoche
Bereits am Donnerstag der Vorwoche hatten die japanischen Behörden eingegriffen. Geldmarktdaten deuten darauf hin, dass sie dabei rund 35 Milliarden US-Dollar verkauften, um den Yen zu stützen. Seitdem verzeichnete der Markt während der Golden-Week-Feiertage bis Mittwoch drei plötzliche Yen-Spitzen, wobei die Währung zeitweise bis auf 155,00 pro Dollar anstieg. Am Donnerstag notierte der Yen bei etwa 156,30 pro US-Dollar.
Takeuchi äußerte zudem eine weitergehende Sorge: Die Behörden könnten beunruhigt gewesen sein, dass japanische Staatsanleihen (JGBs) gleichzeitig mit dem Yen verkauft wurden. Dies könnte ein frühes Stadium eines sogenannten „Japan-Sellings" signalisieren – also eines breiten Vertrauensverlusts internationaler Investoren in japanische Vermögenswerte.
Yen verliert Status als sicherer Hafen
Besonders bemerkenswert ist Takeuchis Einschätzung zur veränderten Rolle des Yen auf den globalen Märkten. Er stellte fest, dass die japanische Währung in Krisenzeiten nicht mehr als klassischer „sicherer Hafen" gekauft werde – eine Funktion, die der Yen über Jahrzehnte innehatte. Diese Entwicklung stellt für Japan eine strukturelle Herausforderung dar.
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus erklärte Takeuchi, dass er als Anleihehändler angesichts der lockeren Fiskalpolitik Japans keine japanischen Staatsanleihen kaufen würde. Diese Aussage unterstreicht die Skepsis, die viele Marktteilnehmer gegenüber der japanischen Haushaltspolitik hegen. Eine anhaltend expansive Fiskalpolitik kombiniert mit einem schwachen Yen erhöht den Druck auf die Bank of Japan und das Finanzministerium gleichermaßen.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Situation in Japan ein wichtiges Signal: Währungsinterventionen großer Volkswirtschaften können globale Kapitalflüsse beeinflussen und Rückwirkungen auf Wechselkurse wie den Euro haben. Die Entwicklungen am japanischen Devisenmarkt bleiben daher auch für europäische Investoren eng zu verfolgen.


