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Japan: Regierung warnt vor zunehmendem Inflationsdruck durch Nahostkonflikt

Japanische Unternehmen geben steigende Kosten schneller weiter als 2022 – Inflationserwartungen nehmen laut Regierungsweißbuch zu.

Japan: Regierung warnt vor zunehmendem Inflationsdruck durch Nahostkonflikt

TOKIO – Die japanische Regierung hat in einem am Freitag veröffentlichten jährlichen Weißbuch vor zunehmendem Inflationsdruck gewarnt. Demnach geben japanische Unternehmen die durch den Nahostkonflikt gestiegenen Kosten schneller an Verbraucher weiter als noch im Jahr 2022, als der Ukraine-Krieg die Treibstoffpreise in die Höhe trieb. Das Dokument wurde vom Kabinettsbüro unter Wirtschaftsminister Minoru Kiuchi erstellt.

Besonders auffällig: Sowohl Unternehmen als auch private Haushalte entwickeln zunehmend höhere Inflationserwartungen. Dies ist ein bedeutsames Signal für ein Land, das jahrzehntelang mit Deflation zu kämpfen hatte und in dem stabile oder sinkende Preise lange Zeit die wirtschaftliche Norm darstellten.

Inflationsdruck deckt sich mit BOJ-Einschätzung

Die Erkenntnisse des Weißbuchs decken sich mit der Haltung der Bank of Japan (BOJ), die ebenfalls eine Verfestigung des Inflationsdrucks in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt beobachtet. Die BOJ hatte in den vergangenen Monaten begonnen, ihre ultralockere Geldpolitik schrittweise zu überdenken – ein historischer Kurswechsel für die japanische Zentralbank.

Trotz der Warnsignale hebt das Weißbuch auch die Widerstandsfähigkeit der japanischen Wirtschaft hervor. „Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist weiterhin hoch, wobei ihre Investitionspläne das zweite Jahr in Folge über dem historischen Durchschnitt liegen", heißt es in dem Dokument. Dies deutet darauf hin, dass die Wirtschaft den energiebedingten Schock bislang vergleichsweise gut abfedert.

Vorsicht gegenüber weiteren Risiken

Gleichzeitig mahnt das Weißbuch zur Wachsamkeit. Eine „genaue Beobachtung" sei erforderlich, um zu beurteilen, inwieweit der anhaltende Nahostkonflikt der japanischen Wirtschaft und der sogenannten Produktionslücke – also der Differenz zwischen tatsächlicher und potenzieller Wirtschaftsleistung – schaden könnte. Diese Einschränkung zeigt, dass die Regierung trotz positiver Signale keine Entwarnung geben will.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die politische Dimension: Wirtschaftsminister Kiuchi, dem das Kabinettsbüro untersteht, gilt als eher vorsichtig gegenüber den Zinserhöhungsplänen der BOJ. Dies könnte auf eine gewisse Spannung zwischen Regierung und Zentralbank hindeuten, wenn es um das Tempo der geldpolitischen Normalisierung geht.

Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Japan von besonderem Interesse: Japan gilt als Testfall dafür, wie eine Volkswirtschaft nach einer langen Deflationsphase mit neu aufkeimendem Inflationsdruck umgeht. Die Erfahrungen aus Tokio könnten wertvolle Hinweise für andere Industrienationen liefern, die ebenfalls mit den Folgen globaler Energiepreisschocks und geopolitischer Unsicherheiten umgehen müssen.

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